Review: LNS & DJ Sotofett – Sputters [Tresor]

Review: LNS & DJ Sotofett – Sputters [Tresor]

Features 3. Juli 2021

Das lag in der Luft: Musikerin Laura Sparrow und Kollege Stefan Mitterer haben ein weiteres kollaboratives Projekt vorgelegt. Nach einer Reihe 12-Inches über Mitterers Label Wania ist mit 'Sputters' jetzt die konsequente Fortführung in LP-Länge erschienen. Als LNS & DJ Sotofett kreiert das Duo zwischen 15 Entwürfen so ihre Idee einer Golden-Era-Ästhetik von analoger Elektronik. Das klingt erstmal wenig abgedroschen und gelingt glücklicherweise auch ohne Oberlehrerfinger. Zwischen 2017 und 2020 arbeitete das Duo dafür am Material, 'Sputters' ist daher kein direkt aus der Pandemie heraus entstandenes Werk.

Man kennt das möglicherweise aus anderen Genres: Wenn sich auf Stilistiken einer sogenannten 'guten alten Zeit' bezogen wird, bedeutet das nicht selten auch eine programmatische Kampfansage gegen alles Neue. Das krampfhafte Idealisieren einer Vergangenheit bedeutet daher meistens auch den Fortschritt nicht zu wollen, was grundsätzlich immer etwas problematisch ist. Vielleicht nimmt aber gerade Techno im Speziellen hier eine Sonderrolle ein, denn per Definition ist das Genre schon immer in der Zukunft verhaftet gewesen und sich selbst einen Schritt voraus. LNS und DJ Sotofett setzen da an und ihr Equipment dafür konstruktiv in Szene statt prahlend zur Schau.

Die Platte startet mit dem kurz aufdröhnenden Rauschen von 'Enter 323'. Denkbar ist, dass hier bereits mit einem RT-323 von Zoom gearbeitet wurde. Kleines Easteregg: die Katalognummer der Platte ist, na klar, Tresors Nummer 323. Insgesamt vier mal wird das Album durch kurze 323-Absätze unterbrochen. Den richtigen Auftakt gibt Wania-Kollege E-GZR, der bereits zuvor auf einigen LNS-Releases als eine Art Mentor fungiert hat und oft Dinge wie Overdubs und Arrangements korrigiert. 'K.O. By E-GZR' startet mit einem recht ehrlichen Acid-Grundgerüst. Ein straighter Beat legt Tempo und Kulisse vor, während Synth-Pads den Hintergrund konstituieren.

In 'El Dubbing' ziehen Sparrow und Mitterer nach und streuen simple effektdurchtränkte Dub-Elektrifizierungen an den Grenzen zu Digi-Dub ein. Auf 'Dúnn Dubbing' ist das etwas minimalistischer gehalten, eine recht dumpfe Bassline stampft gedankenabwesend während psychedelische Delays ins Stück reinziehen. Die B-Seite startet auf dem Electro-Stück 'Ziggurat'. Bruchstückhafte Drum-Programmierungen belegen langgezogene Synth-Keys, die subtile Melancholie aufladen. 'Vitri-Oil' saugt da ein düster-nebliges Momentum heraus. 'Shim' wird wieder etwas klassischer, wenn sich unter einer Zwischenform aus frühem House und Techno String-Kopien entfalten.

Subtil ackert das Album auf den eigentlichen und auch einzigen Höhepunkt hin. Der 10-Minüter 'The 606' ist ein Kleinod an selbige Klassikerkonsole von Roland. Für den Kontext lohnt es sich zu wissen: Sparrow war mit dem Gerät bereits fertig und stand vor dem Verkauf. Mitterer riet von dem Geschäft ab und ermutigte die Musikerin, sich nochmals eingängiger mit dem historischen Drumcomputer zu beschäftigen. Herausgekommen ist eine Meditation in epischer Länge, die das 40-jährige Jubiläum des Kastens gebührend in Szene setzt.

Mit der D-Seite wird die Platte nochmal auf ihre Eckpfeiler runtergebrochen. 'Synchronic Bass Blort' ist dabei eines der vergleichweise druckvollsten Stücke. In 'Sputters' sprudeln dem Titel nach die Motive so vor Proto-Ästhetik. Phaser und Flanger verzieren gewittrig durchelektrifziert, ehe im Outro alles auf den Schlusspunkt runterkühlt. Auf Länge betrachtet ist 'Sputters' aber auch eine Platte, der ein wenig das emotionale Gefälle fehlt. Es tauchen keine ravetauglichen Hymnen auf, es gibt kaum Dramatik oder einen erzählerischen Fluss. Den unaufdringlichen Retrofuturismus beherrschen Sparrow und Mitterer zwar gut, allerdings passiert dann auch sehr viel vom Gleichen.

'Sputters' ist am 02.07.2021 auf Tresor erschienen.

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Veröffentlicht in Features und getaggt mit Album , DJ Sotofett , Laura Sparrow , LNS , LP , review , Sputters , Stefan Mitterer , Tresor

Geschrieben von:
Tim Tschentscher

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