Scooter-Film Review: FCK2020 – Backstage ist Anarchie!

Scooter-Film Review: FCK2020 – Backstage ist Anarchie!

Features.12. Januar 2023 | 3,7 / 5,0

Scooter haben ihren eigenen Film - Hyper, Hyper! Mit 'FCK2020' schippert zwei Stunden lang Wodkaboot-Content über die Kinoleinwand. Wer mit einer von Deutschlands bekanntester Ballaballa-Band nichts anfangen kann, verabschiedet sich an dieser Stelle. Alle anderen greifen zur Bacardi-Cola und grölen mit dem singenden Dentalkaufmann: "DÖP DÖP DÖP dö dö DÖP DÖP DÖP!"

Hans Peter Geerdes, den alle nur als H.P. Baxxter kennen, liefert mit seinem Tröten-Techno seit drei Jahrzehnten. 30 Millionen Platten hat die wandelnde Bleichmittelwerbung mit Scooter verkauft, zweimal den Echo gewonnen und einen Ehren-OTTO abgeräumt, als die Bravo noch als Sex Education durchging. Außerdem erschoss man Helge Schneider vor laufender Kamera und crashte die Traumhochzeit von Gülcan.

Heute sieht Hans Peter so aus wie Dieter Bohlens brother from another mother. Trotzdem sind Scooter-Shows noch immer hardgestylte Happenings, bei denen sogar die TikTok-Kids kurz ihre Handys weglegen. Schließlich geben Scooter keinen Penny und ficken Twenty-Twenty!

Der Streifen ist als Doku und Rückblick über die Geschichte von Scooter angelegt. Regie führte Cordula Kablitz-Post. Die drehte schon Rambazamba-Fernsehen mit Schlingensief, Musikvideos für Lindenberg und eine Doku mit den Toten Hosen. In other words: Die Frau weiß nicht nur Kamera, sondern auch Chaostruppen zu führen! Genau richtig, um den Champagnerknopf vor dem Rock-am-Ring-Abriss zu drücken!

Weil Scooter zwar immer eine Truppe waren, die basisdemokratischen Entscheidungen aber von Baxxter getroffen wurden, beschäftigt sich der Film mit einer Person: jenem Mann, der in jungen Jahren in den Bleichmittelbehälter plumpste. Dadurch sieht man endlich, wie man sich das Leben von Scooter immer vorgestellt hat. Der Rolls parkt vor der Villa, ein toter Tiger am Boden. Doch H.P. führt ein Leben im goldenen Käfig, weil - 'FCK2020' - da war doch noch was.

Corona bohrte sich durch Nasenlöcher und den Tourkalender von Scooter. Schlecht für Hardcore-Fans, gut für den Film. So erfährt man Hans Peter nicht nur zwischen Laser-, Pyro- und Bikinishow, sondern ganz privat. Er räumt die Bude auf, sitzt auf Leopardenfellen, starrt auf Computerbildschirme, will nicht im Autokino spielen, spielt im Autokino, fährt mit Rosen zur Mama, reitet durch die Wüste, jettet an den Strand, badet in Aftershave, ruft die Scooter-Gesetze aus - und bekommt Corona.

Wer glaubt, dass die Sause damit zu Ende wäre, pflückt noch immer Blümchen. Klar könnte man sich fragen, warum man während einer Pandemie die allerärgsten Poolpartys schmeißen muss. Aber ey: Vergangen, vergessen! Der Dudelsack-Drucktopf pfeift ohnehin wie Viva-Nachmittage mit den besten Freunden. Egal ob Jumpstyle, Trance oder "Dubstep-Irgendwas" - Baxxter beschenkt uns mit geilen T-Shirt-Sprüchen wie "Backstage ist Anarchie" oder "Wörter sind wichtig". Außerdem lernen wir in 'FCK2020', dass H.P. einer von denen ist, die mit Foto zum Friseur gehen. "Aber wehe, du verkackst das, ich hab gleich einen Videodreh!"

Scooter ist Kindheit und gute Laune, Bravo-Hits und Happy-Peppy-Vibes, tiefergelegte Karren und Bassboxen im Kofferraum. Diese Vergangenheit bringt der Streifen auf die Leinwand. Dazu pisst man sich in manchen Momenten an, als hätte man das erste Mal an einem Joint gezogen. Nach zwei Stunden braucht man deshalb ein Red Bull, zündet sich ein Räucherstäbchen an und fragt Mama nach der alten Scooter-CD, denn: Solange die Lieferketten für Wasserstoff und Knetmassen-Schranz nicht einbrechen, lebt das Ding weiter. Ob mit oder ohne Band.

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Veröffentlicht in Features und getaggt mit FCK2020, Film, Rezension, Scooter

Geschrieben von:
Christoph Benkeser

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