Test: Behringer RD-6 / Analoge Drum Machine

Test: Behringer RD-6 / Analoge Drum Machine

Tests 10. April 2021

Nachdem Behringers RD-8 als langersehnte Neuauflage Rolands 808 Drummachine eine Menge Lob eingefahren hat, haben die Deutschen erneut eine Groovebox aus vergangenen Tagen geklont. Dieses mal galt die TR-606 als Vorbild - im Original ebenfalls von Roland - und Behringers Version heißt konsequenterweise RD-6. Es wird wieder auf analoge Klangerzeugung gesetzt, jetzt sogar für noch weniger Geld. Das macht neugierig aber auch skeptisch. Welcher Eindruck sich am Ende bestätigt, zeigt dieser Test.

Behringer RD-6 im Überblick

Acht verschiedene Drumsounds lassen sich in gewohnter Lauflichtprogrammierung auf 16 Steps verteilen. Die Klänge selbst sind lediglich in ihrer Lautstärke justierbar, Tone- oder Decay-Regler gibt es keine. Das war bereits bei Rolands Original der Fall, neu sind bei der Behringer RD-6 aber separate Einzelausgänge für Bassdrum, Snare, Toms, Hats, Clap und Cymbal. Maximal 32 Patterns können im RD-6 gespeichert, abgerufen und editiert werden. Wer gerne mit mehr als 16 Schritten pro Beat arbeitet, kann Patterns chainen und so bis zu 256 Takte planen. Wie beim TD-3 hat Behringer eine zuschaltbare Verzerrung auf den Master gelegt und auch das Random Pattern Feature übernommen.

Verarbeitung, Anschlüsse und technische Daten

Die Abmaße von 56 x 305 x 165 mm und die 800 Gramm Kampfgewicht der Behringer RD-6 sind ebenfalls identisch zur Behringer TD-3. Auch im Hinblick aufs sonstige Design ähneln sich die Geräte sehr, was daher rührt, dass bereits Rolands TR-606 als Ergänzung zur TB-303 gedacht war. Im Vergleich zu Behringers Eurorack Synths wirken die kleinen Plastikkisten aber weniger robust, wenn auch angenehm portabel. Die Kippschalter und Potis sind dafür absolut stabil verbaut und lassen sich amtlich bedienen. Gleiches gilt für die Funktions- und Step-Taster, die zwar wieder klapprig gehalten sind, ihren Job aber super erfüllen. Rückseitig befinden sich 6,35mm-Klinkenbuchsen für den Mix-Out und eine Start/Stop-Fernsteuerung.

MIDI In und Out nach DIN-Norm sind gleich daneben angebracht, genau wie der für Behringer übliche USB-B-Anschluss, Powerschalter und DC-In. Die bereits erwähnten Ausgänge für die einzelnen Instrumente sind im 3,5mm-Klinkenformat gehalten. Das macht platztechnisch zwar Sinn, muss aber mittels Adapter oder Spezialkabel kompensiert werden, weil am Ende die meisten Mixer und Effektgeräte mit großen Klinken arbeiten. Außerdem sei angemerkt, dass offene und geschlossene Hihats sowie hohe und tiefe Tom sich jeweils einen Ausgang teilen, was in der Praxis aber wenig stört. Auf der Vorderseite gibt es wieder eine Mini-Patchbay mit 3,5-mm-Klinkenbuchsen bestehend aus Sync In und Out, Trigger Out für High und Low Tom sowie Kopfhörerausgang.

Typisch für Behringer gibts mal wieder keine richtige Anleitung, nur den Quick Start Guide. Bei einem überschaubaren Gerät wie der RD-6 ist das zwar relativ unproblematisch, bietet jedoch das Risiko, das ein oder andere Feature zu übersehen. Im Lieferumfang enthalten sind außerdem das passende Netzteil und ein Behringer Sticker.


Behringer RD-6 Anschlüsse.

Sound und Workflow

Der Sound ist wahrscheinlich die größte Stärke von Behringers RD-6. Die analoge Klangerzeugung sorgt für lebendige, druckvolle Beats und hebt Behringers Neuauflage von der Konkurrenz ab. Beispielsweise hat Roland selbst eine digitale Version der TR-606 veröffentlicht, die in Puncto Utility zwar mehr zu bieten hat, vom Sound her aber schlichtweg nicht mit der RD-6 mithalten kann. Im Kern handelte es sich schließlich schon bei der originalen TR-606 um eine abgespeckte Version der 808, das heißt, die Grundsounds und somit die analoge Klangerzeugung sind identisch, aber es wurde auf die meisten Klangfärbungsoptionen verzichtet.

Dieser Purismus macht die RD-6 zusammen mit der mittlerweile gängigen Lauflichtprogrammierung zu einem überschaubaren Tool, um schnell und unkompliziert Beats zu programmieren. Steht der Menüregler auf WRITE, lässt sich über den Regler links daneben das gewünschte Instrument auswählen und dann über die Step-Buttons einprogrammieren. Einzige Ausnahme bilden die Clap und Cymbal Sounds, weil diese über einen extra Kippschalter ausgewählt werden müssen. Die Lautstärkeregler für den Mix der einzelnen Sounds bilden so gut wie die einzige Möglichkeit, den Klang der RD-6 zu beeinflussen, was in den meisten Fällen auch ausreicht. Selbst die Gruppierung der Toms und Hihats auf je einen Regler geht super auf, nur das gemeinsame Poti für Clap und Cymbal stört, weil die Sounds sich in ihrer Grundlautstärke zu sehr unterscheiden. So ist in der Regel einer der beiden Sounds zu laut oder zu leise, was aber über die separaten Ausgänge für Clap und Cymbal umgangen werden kann.

Die Distortion auf dem Master ist in Sachen Level ebenfalls schwer zu bändigen, ein Problem, das es so schon bei Behringers TD-3 gab. Bei Benutzung der Einzelausgänge werden die entsprechenden Instrumente aber vom Master abgezogen und somit auch nicht mehr verzerrt, was der Zerre der RD-6 dann doch noch etwas Flexibilität verleiht. Wem die herkömmliche Programmierung zu langweilig ist, bleibt die Möglichkeit, Rhythmen Live einzuspielen oder die Pattern-Erzeugung komplett dem Zufall zu überlassen. Das eingangs erwähnte Patternchaining sowie die Speicherung von bis zu 32 Beats sorgen für mehr Abwechslung in den ansonsten konsequent eintaktigen Rhythmen. Durch den Wiederholungscharakter von Techno und House sind diese aber getrost zu vernachlässigen und es macht einfach mehr Spaß, direkt am laufenden Pattern zu arbeiten.

Fazit

Der Sound von Behringers RD-6 ist einfach eine Wucht. Analog, druckvoll und lebendig kann die kleine Kiste ihre Verwandschaft zur RD-8 kaum leugnen, der Workflow ist altbekannt und funktioniert immer noch hervorragend, trotzdem fehlt das gewisse Etwas: Ob originalgetreu oder nicht, zusätzliche Klangfärbungsoptionen würden dem Spielspaß der RD-6 zu mehr Langlebigkeit verhelfen. Die verbauten Einzelausgänge wirken dem Problem zwar entgegen, erfordern aber zusätzliches Gear, was wieder Geld kostet. Auch die neu implementierte Verzerrung ist wie schon beim TD-3 eher unterwältigend. Trotz extra Volume-Regler ist es praktisch unmöglich, die Gesamtlautstärke des Patterns beim Ein- bzw. Ausschalten des Drive beizubehalten. Als Wermutstropfen sei aber nochmal betont, dass nur das Mastersignal übersteuert wird und alle Instrumente, die über die Einzelausgänge abgegriffen werden, unverzerrt bleiben. Unterm Strich ist die RD-6 eine ideale Drummachine für Einsteiger*innen. Die wenigen Features machen das Instrument so übersichtlich, dass auch bei wenig Erfahrung schnelle Lernerfolge in Sachen Lauflichtprogrammierung zu erzielen sind. Wer also schnell und unkompliziert an analoge Drumpatterns kommen will und sich den Aufpreis zur RD-8 nicht leisten möchte, darf bei Behringers RD-6 gerne zuschlagen.

Pro

Druckvoller, analoger Sound für wenig Geld
Einzelausgänge und Mini-patchbay sorgen für Flexibilität
Hochwertige Verarbeitung

Kontra

Kaum Klangfärbungsoptionen
Clap und Cymbal teilen sich einen Lautstärkeregler

Preis:

159,00 EUR

Weitere Informationen gibt es auf der Website von Behringer.

Veröffentlicht in Tests und getaggt mit analog , Behringer , Drum Machine , RD-6 , Test

Geschrieben von:
Kai Dombrowski

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