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Test: Behringer TD-3-MO / analoger Basssynthesizer

Test: Behringer TD-3-MO / analoger Basssynthesizer

Tests 12. September 2021

Jetzt also doch? Nach einigen Gerüchten und reichlich hin und her veröffentlicht Behringer endlich die "Devil Fish"-Variante ihres 303-Klons. Die TD-3-MO entstand zwar letztendlich ohne Zusammenarbeit mit "Devil Fish"-Schöpfer Robin Whittle, scheint aber das gleiche zu können wie die "echten" Teufelsfische. Dazu noch der Behringer-typische, absolut geringe Preis und nicht nur Acid-Fans dürften hier hellhörig werden. Wie toll dieser voll analoge Basssynth mit reichlich Charakter und zahlreichen Klangfärbungsoptionen wirklich ist, zeigt dieser Test.

Geschichte der "Devil Fish"-Modifikation

Bei der "Devil Fish"-Modifikation von Real World Interfaces handelt es sich um ein legendäres Upgrade der Klanggestaltung und von Bedienelementen von Rolands TB-303 Acid Synth. Wie so oft bei derartigen Boutique Mods sind die Angebote in Feature-Pakete organisiert, sodass weniger von der einen Devil Fish Mod gesprochen werden kann, viel eher sind es mehrere. Behringer fokussiert sich bei der TD-3-MO besonders auf die Upgrades der Klangerzeugung.

So fallen beim optischen Vergleich mit ungemoddeten TD-3 Synths die extra Drehregler oben rechts auf dem Gehäuse auf: Overdrive, FM, Attack, Decay für normale und akzentuierte Noten sowie weitere spannende Parameter können bei der gemoddeten Variante via dediziertem Poti geregelt werden. Hinzu kommen eine Handvoll Kippschalter und Momentary Switches für direkten Zugriff auf Accent Sweep, Sweep Speed, Accent-Trigger oder Sub-Octave. Das Ergebnis ist ein analoger, bezahlbarer Basssynth im 303-Stil mit maximalen Klangfärbungskapazitäten.

Verarbeitung und technische Daten

Die Verarbeitung der modifizierten Variante ist zu hundert Prozent identisch mit der ungemoddeten TD-3: 56 x 305 x 165 mm Kunststoffgehäuse bei 0,8 kg Gewicht, klapprige Funktions- und Step-Taster, aber zufriedenstellende Potis. Dass es sich bei der Behringer TD-3-MO um eine Modifikation handelt, fällt allerdings weniger auf als noch bei Real World Interfaces Devil Fish. Da sind die neuen Potis nämlich kleiner und in einer anderen Farbe gehalten, was zumindest optisch für einen gewissen Steam-Punk-Vibe sorgt.

Bei Behringer ist das Design weitestgehend homogen, nur die roten Momentary Switches und Kippschalter fallen ins Auge. Letztere wirken durch die geringe Größe eher wackelig, was leider für Unmut im Hinblick auf die Langlebigkeit sorgt. Ansonsten ist die Verarbeitung der TD-3-MO aber abgesehen vom Spielzeugflair in Ordnung - vielleicht muss man sich auch einfach nur daran gewöhnen.

Auch die Patchbay hat im Rahmen der Modifikation neuen Zuwachs erhalten. Neu sind die Eingänge für Filter-FM, Filter-CV, Accent, Slide und Gate sowie Ausgänge für Filter und Accent. Filter- und Sync-In sowie Gate-Out, CV-Out und ein Kopfhörerausgang waren bereits bei der TD-3 verbaut. Rückseitig hat sich seit der Modifikation eigentlich nichts getan.

Ein 6,35mm-Klinkenausgang, MIDI Out und Thru im DIN-Format, USB-B-Stecker, der Powerschalter sowie ein Eingang fürs passende Netzteil zieren das Heck der TD-3-MO. Als Class Compliant Device benötigt die TD-3-MO keinerlei Treiberinstallation und kann neben den DIN-Buchsen auch über den USB-Stecker MIDI-Signale verarbeiten. Die TD-3-MO kommt Behringer-typisch mit Netzteil, Stickern und Quickstart Guide.

Synth und Sound

Der Behringer TD-3-MO verfügt wie bereits die originale 303 über nur einen monophonen Oszillator und ist komplett analog. Zwei Wellenformen stehen zur Auswahl, entweder Sägezahn- oder invertierte Rechteckwelle mit einer tonalen Reichweite von drei Oktaven. Beim TD-3-MO wurde allerdings die Basswiedergabe in Form eines Suboctave-Generators verbessert.

Mittels Kippschalter stehen drei Lautstärkewerte für den Mix des Subs zur Auswahl, über den Roten Sub-Osc Button kann der Bass noch weiter akzentuiert werden. Für optimale Stimmstabilität empfiehlt Behringer eine Aufwärmzeit von 15 Minuten, im Test wirkte der TD-3-MO wie schon der Vorgänger nach kürzerer Zeit stabil.

Nicht nur der Oszillator, sondern auch das resonanzfähige 4-pole Lowpass-Filter mit regelbarer Hüllkurve ist analog und integraler Bestandteil des 303-Sounds: Über die Regler Cutoff, Resonance, Envelope, Decay und Accent lassen sich die geloopten Patterns manipulieren, bis es kreischt, pumpt und blubbert. Akzente werden übrigens im Sequenzer gesetzt und beeinflussen je nach Lautstärke das Ansprechverhalten des Filters. Insgesamt besitzt der TD-3 einen nasalen, quäkigen Klang, wie man ihn vom Vorbild kennt und liebt.

Da der Grundsound bereits im Test zum Behringer TD-3 ausreichend gelobt wurde, soll es hier aber primär um die neuen Klangfärbungsoptionen des TD-3-MO gehen. So gibt es dank der Modifikation jetzt extra Drehregler für den Attack des Gesamt-Sounds und je einen Decay-Knob für Accent- und Normal-Trigs. Letztere interagieren herrlich analog mit dem "alten" Decay-Regler oben links auf dem TD-3-MO.

Insgesamt sorgt der erweiterte Zugriff auf das An-und Abschwingverhalten des Synth für deutlich mehr Flexibilität in der Klanggestaltung. Ebenfalls total praktisch sind die LEDs unter den Potis, die in Echtzeit anzeigen, ob der gespielte Trig ein Akzent ist oder nicht.

Über Filter Tracking lässt sich der Unterschied zwischen normalen und akzentuierten Noten im Hinblick auf die Filteransprache modulieren. Der zugehörige Regler arbeitet dabei so gründlich, dass normale Trigs bei höheren Settings ins Unhörbare gefiltert werden. Werden dann der Cutoff aufgedreht oder das Filter Tracking zurückgeregelt, tauchen die Noten langsam wieder auf - sehr schön!

Auch der Momentary Button für Accent Trigs profitiert von der Interaktion mit der Filteransprache und spielt sich praktisch wie ein Fill-Taster. Via Overdrive und FM kann dem Sound des TD-3-MO noch mehr Roughness beigemischt werden, ist eine Signalquelle am Filter-FM-Eingang angeschlossen, ist waschechte Ringmodulation möglich.

Der Sequenzer

Am Sequenzer des TD-3-MO hat sich im Vergleich zum Vorgänger wenig getan: Zuerst wählt man die Anzahl der verwendeten Schritte - höchstens 16. Dann gibt man im Pitchmode nacheinander die gewünschten Tonhöhen ein und im Timemode wird der Rhythmus programmiert. Pausen, Ties, Akzente, Slides und Oktavwechsel bringen abschließend Würze ins Pattern, müssen aber wieder separat eingestellt werden.

Das Resultat ist entsprechend selten mit der vorangegangenen Idee zu vergleichen, was zwar auch kreativen Nutzen hat, aber immer mal wieder frustriert. Über Behringers kostenloses SynthTool können die Sequenzen zum Glück wieder in angenehmer Pianoroll-Optik am Computer programmiert werden.

Wer den Zufall doch ins Herz geschlossen hat, kann mittels Tastenkürzel Clear und Start/Stop in Windeseile komplett willkürliche Patterns erzeugen - Best of both worlds, made in Germany. Die Patterns des TD-3-MO sind in vier Gruppen aufgeteilt. Die Gruppen eins bis drei bestehen aus jeweils zwei Tracks, Gruppe vier nur aus einem.

Pro Track gibt es auf zwei Bänken jeweils acht Patterns, also 56 Patterns maximal. Die Verschachtelung rührt daher, dass im Trackmode verschiedene Patterns der ausgewählten Patterngruppe verknüpft und nahtlos hintereinander gespielt werden können.

Fazit

Wer bereits beim Behringer TD-3 in Versuchung geraten ist, darf hier bedenkenlos zuschlagen. Der geringe Preis für einen derartig kultigen Analog-Sound war schon beim Vorgänger ein schlagendes Argument und die neuen Klangfärbungsoptionen des TD-3-MO setzen dem noch eins drauf: Indem sie das Maximum aus der Klangerzeugung des kleinen Basssynths kitzeln, geht noch mehr Acid, wobei die gewonnene Flexibilität aber auch Raum für andere Stile öffnet. Dabei klingen die neuen Features aufgrund der analogen Funktionsweise einfach spannend und greifen wunderschön ineinander. Das sorgt für ziemlich langen Schraubspaß sowie noch hypnotischere Sessions. Dass sich am Sequenzer nichts weiter geändert hat, stört am Ende kein bisschen. Wenn euch trotz all der Lobeshymnen aber angesichts des Behringer/Whittles Dramas das schlechte Gewissen plagt, empfiehlt sich etwas Recherche zu der Auseinandersetzung. Abgesehen davon gibt es am Behringer TD-3-MO nämlich wirklich nichts zu meckern.

Pro

Unfassbar günstiger Devil Fish Sound
Größere Patchbay
Freeware für Patternediting/Random Pattern Generator

Kontra

Spielzeughafte Verarbeitung

Preis:

198,00 EUR

Weitere Informationen gibt es auf der Website von Behringer.

Veröffentlicht in Tests und getaggt mit analog , Basssynthesizer , Behringer , Devil Fish , TD-3-MO , Test

Geschrieben von:
Kai Dombrowski

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