Test: Korg Modwave / digitaler Synthesizer

Test: Korg Modwave / digitaler Synthesizer

Tests 9. Januar 2022

Der neue Korg Modwave ist da, ein weiterer Digital-Synthesizer im Look von Opsix und Wavestate. Inhaltlich knüpft Modwave beim Korg DW-8000 an, einem Wavetable Synth von 1985 - nur eben mit 32-stimmiger Polyphonie, KAOSS-Physics sowie Motion und Pattern Sequencing. Das Ganze passiert komplett digital, was viele Modulationsmöglichkeiten, Factory Content und Effekten bedeutet. Wie sich die Neuerungen in der Praxis schlagen und was der kompakte Wavetable-Synthesizer noch so kann, zeigt dieser Test.

Verarbeitung, Anschlüsse und technische Daten

Der Korg Modwave ist 595 x 93 x 338 cm groß, 2,9 kg schwer und wie eingangs erwähnt stark an das Design von Opsix oder Wavestate angelehnt. Das heißt, das Gehäuse des Digitalsynths besteht weitestgehend aus Kunststoff, genau wie die 37 Tasten umfassende Klaviatur. Diese muss leider ohne Aftertouch auskommen und fühlt sich minimal wabbelig an, in der Praxis fällt aber beides kaum auf. Die zahlreichen Potis auf dem aufgeschraubten Bedienpanel machen einen sehr hochwertigen Eindruck, besitzen einen angenehmen Drehwiderstand und sitzen schön fest auf dem Instrument.

Auch die gummierten Mod Wheels wirken edel und überzeugen in Sachen Spielgefühl. Die beleuchteten Funktionstaster und das OLED-Display helfen bei der Menüführung und sorgen bei all den Features des Modwave für den notwendigen Überblick - zumindest nach etwas Einarbeitungszeit, denn der Wavetable Synth hat es in sich: 200 Wavetables, pro Programm zwei Oszillatoren, 13 Morphtypen, 12 Filter, fünf LFOs, vier steuerbare Hüllkurven, mehrspuriges Motion Sequencing, Effekte und noch vieles mehr.

Durch das gut lesbare Display und das stringente Layout der Funktionstaster gewöhnt man sich aber rasch an Shift-Kombinationen und Co. Die Anschlüsse auf der Rückseite des Modwave sind etwas überschaubarer. Hier gibt es zwei 6,35mm-Klinkenanschlüsse als Audioausgang, einen Phones Out sowie einen Input für Sustain-Pedale im selben Format. MIDI In und Out nach 5-Pol-DIN-Norm, ein USB-B-Port sowie der Eingang fürs Netzteil runden die Anschlusssektion des Modwave ab.

Der Korg Modwave wird mit passendem Netzteil, Schnellstartanleitung und einer Librarian Software zum Editieren und Verwalten von Klängen geliefert. Ein Blick in die Software lohnt sich, denn die Bedienung des Modwave ist derartig komplex, dass man leicht den Überblick verliert. In der Software wird die Klangstruktur in ihrer Gesamtheit nachvollziehbar dargestellt und kann direkt per Maus und Tastatur verändert werden - sogar genau so wie am Instrument selbst.

Korg Modwave Anschlüsse.

Sound und Workflow

Die 32-stimmige Modwave Engine arbeitet auf zwei Layern, A und B. Pro Layer gibt es zwei Oszillatoren, die aus einfachen Wavetables, kombinierten Wavetables oder PCM-Samples bestehen können. Wer sich an den 200 Factory Wavetables satt gehört hat, kann sogar noch weitere Sounds in den Modwave laden, Korg verspricht aber bereits bei den mitgelieferten Sounds über 230 Millionen Kombinationsmöglichkeiten. Ein Suboszillator beziehungsweise Noisegenerator pro Layer runden die Klangerzeugung des Modwave ab und von hier aus wandert das Audiosignal in einen der 12 Filter. In der breiten Auswahl an Lowpass-, Bandpass- und Highpassfiltern befinden sich gelungene Emulationen von Korgs MS-20 oder dem Polysix.

Trotz der digitalen Funktionsweise klingen alle Filter des Modwave wirklich sehr gut und interagieren hervorragend mit den obertonreichen Sounds der Wavetables. Gängige Synth-Operatoren wie LFOs und Hüllkurven dürfen in der komplexen Klangerzeugung des Modwave natürlich nicht fehlen und überzeugen ebenfalls mit einer üppigen Auswahl und effizienter Bedienbarkeit. Letztere kommt vor allem dadurch zustande, dass die fünf LFOs und vier Hüllkurven zwar sehr detailliert einzustellen sind, aber fest mit ihren Zielen vorverdrahtet sind. Das beugt zwar nerviger Menütaucherei vor, hat aber den Nachteil, dass sich diese Modulatoren nicht mehr frei zuweisen lassen.

Richtig spannend wird es mit den verschiedenen Morph-Arten des Modwave, mit denen sich Wellenformen auf komplexe Weise in Echtzeit verwandeln lassen. Flip, Mirror, Narror und Stretch sind zugänglicher, weil sie genau so funktionieren, wie der Name suggeriert. Im Zweifelsfall kann die Verwandlung aber auch im Display beobachtet werden, wo die Veränderung der Wellenform grafisch dargestellt wird.

Am Ende der Kette gibt es für jedes Layer noch einen Pre-FX-Processor bestehend aus Amp-Simulationen, Kompressor, Ringmod und Waveshaper, eine Mod-FX-Sektion mit Phaser, Flanger und Co. sowie einen Delay. Ein Master-Reverb und -EQ geben dem Sound des Modwave den letzten Schliff.

Wavetable Sequencing 2.0 und KAOSS Physics

Korgs Wavetable Sequencing, bekannt durch den Wavestate Synth, gilt nach wie vor als innovative Workflow-Implikation und wurde für den Modwave sogar aufs nächste Level gebracht. Neben den vier zuweisbaren Lanes A, B, C und D gibt es wieder Pitch, Shape, Timing und Master. Auf jeder Lane können Parameteränderungen sequenziert werden. Neu beim Wavetable Sequencing 2.0 ist, dass die Lanes jetzt viel unabhängiger arbeiten. So können sich die Sequenzerspuren des Modwave in ihrer Länge unterscheiden und müssen nicht mehr den Shape- und Master-Spuren folgen.

Außerdem können Parameter auch in Echtzeit in den Sequenzer eingegeben werden, ähnlich wie bei Automationen in der DAW. Die andere Workflow-Innovation unter der Haube des Modwave ist Korgs neue KAOSS-Physics-Engine, die basierend auf einem X/Y-Touchcontroller bis zu vier Parameter steuern kann. Dabei wird ein virtueller Raum mit verschiedensten Eigenschaften erzeugt. Das Touchpad steuert eine Kugel, die sich auch nach Lösen des Fingers vom Pad noch gemäß der räumlichen Besonderheiten verhält.

So kann die Kugel beispielsweise von den Rändern abprallen oder am anderen Ende wieder auftauchen. Ähnlich zum Morphen der Wavetables gibt es wieder eine grafische Veranschaulichung im Display. Außerdem können die auf diese Weise erzeugten Parameteränderungen auch im Sequenzer aufgezeichnet werden.

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Fazit

Der Korg Modwave überzeugt mit beinahe unerschöpflichen Klangfärbungsoptionen, einem gelungenen Sound und einem fairen Preis. Das macht ihn berechtigterweise zum Anwärter auf den Titel „bester Wavetablesynth“. Die Konkurrenz, zum Beispiel vom ASM Hydrasynth, steckt Korgs Modwave mit seiner 32-stimmigen Polyphonie in die Tasche – fehlender Aftertouch hin oder her. Dank des Motion Sequencing 2.0 und dem integrierten KAOSS-Pad bieten sich ohnehin ausreichend Gelegenheiten, um haptisch auf den Klang einzuwirken, sodass rasch Leben und Abwechslung in die Synthpatches kommen. Der größte Nachteil des Modwave ist wahrscheinlich die anspruchsvolle Lernkurve. Wer Erfahrung mit Wavetable-Synthese oder beispielsweise dem Korg Opsix hat, kommt aber relativ schnell zurecht. Man darf sich auf eine gewaltige Spielwiese aus Parametern, Modulationsmöglichkeiten und Effekten freuen, die in ihrer Tiefe und Komplexität erforscht werden will. Wer Lust auf modernste Wavetable-Synthese zu einem fairen Preis hat, darf hier bedenkenlos zuschlagen.

Pro

Vielseitige und moderne Wavetable-Synthese
Großartiger Sound
Viel Factory Content und tolle Presets

Kontra

Lange Zeit zur Eingewöhnung

Preis:

679,00 EUR

Weitere Informationen gibt es auf der Website von Korg.

Veröffentlicht in Tests und getaggt mit digital , KAOSS-Physics , korg , Modwave , Motion Sequencing 2.0 , Synthesizer , Wavetable

Geschrieben von:
Kai Dombrowski

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