Test: Roland DJ-202

Test: Roland DJ-202

Tests 2. Juli 2018

Synthesizer-Spezialist Roland bietet aktuell drei DJ-Controller an, die mit Drum- Machine-Funktionen bestückt sind und damit eine Sonderrolle in der oftmals mit Innovationen nur karg besiedelten Controller-Landschaft einnehmen. Wir haben uns das Einsteigermodell DJ-202 schicken lassen, um zu testen, ob die Zusatzfeatures einen echten Mehrwert bieten. Der Hersteller verspricht einen Controller, mit dem sich Serato DJ Lite bequem kontrollieren lässt und der das einfache Generieren von Remixen und Beats erlaubt. Klingt nach einer spannenden Angelegenheit!

Überblick

Wer sich auch nur ansatzweise für elektronische Musik interessiert, kennt den Stellenwert der legendären Roland Bass-Synthesizer TB-303 oder SH-101 und der stilprägenden Drum Machines TR-808 und 909. Die Sounds dieser Geräte sind bis heute in aktuellen Musikproduktionen zu hören und daher liegt es nahe, diese in einem DJ-Set zur Untermalung oder Erzeugung von Spannungsbögen zu nutzen. Welche Sounds im DJ-202 integriert sind und wie sich diese verwenden lassen, finden wir im Test heraus.

Controller + X

Der Roland DJ-202 ist 478 x 297 x 62 Millimeter groß und begnügt sich mit schlanken 2,1 Kilogramm. Das Gerät kann somit einfach transportiert werden und benötigt keine große Aufstellfläche im Betrieb. Hersteller Roland bietet eine optionale Tasche (CB-BDJ202) an, die mit Polsterungen versehen ist und den Controller vor Transportschäden schützt. Der DJ-202 wird inklusive einer Serato DJ Lite Softwarelizenz, Samples von Loopmasters und Roland und internen Drum-Machine-Sounds ausgeliefert. Und dabei kostet er gerade mal 329 Euro (UVP).

DJ-202 Controller Schrägansicht
Roland hat dem DJ-202 Drum Machine Kits und einen Sequencer spendiert.

Decks

Zur Kontrolle der digitalen Songs ist der Roland DJ-202 mit zwei physischen Decks ausgestattet. Per Umschalter lassen sich damit dann bis zu vier Softwaredecks bedienen. Die Decks verfügen über beleuchtete Transporttaster und großzügig dimensionierte, kapazitive Jogwheels mit einem Durchmesser von 14,5 Zentimetern. Die Verarbeitung des Geräts ist gut, die Haptik der Bedienelemente ist aber dem Preis geschuldet nicht vergleichbar mit einem Profi-Gerät. Zur Bedienung der kreativen Features und zum Spielen der internen Drum-Machine-Sounds stehen 16 gummierte Triggerpads bereit, die eine akustische Rückmeldung bei erfolgter Funktionsaktivierung geben.

Zur Geschwindigkeitsveränderung der Songs gibt es Pitchfader mit einem Regelweg von 4,5 Zentimetern und einem umschaltbaren Regelbereich von +/- 8, 16 und 50%. In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich die Bedienelemente für die Effekte. Pro Deck stehen ein Drehregler und vier Taster bereit, um diese Klangverbieger in Aktion versetzen zu können. Mit dieser Ausstattung folgt Roland dem "Quasi-Standard" für Einsteiger-Controller, der Einschränkungen beim Bedienkomfort mit sich bringt, da immer nur ein Effekt gezielt steuerbar ist. Zusätzliche Buttons dienen zur bequemen automatischen Tempoangleichung und zur Aktivierung der Key-Lock-Funktion, die die Tonart bei einer Geschwindigkeitsveränderung konstant hält.

Mixer

In der Mitte des Controllers ist die zweikanalige Mixersektion untergebracht. Die beiden Kanalzüge verfügen über geriffelte Drehregler mit einer Mitterasterung, die gezielte Bearbeitungen erlauben. Diese ermöglichen die Anpassung des Pegelhubs der Songs und einen Eingriff in das Klangbild per Dreiband-Equalizer und Dualmodefilter. Zum Mixen gibt es Kanalfader mit einem Regelweg von 4,5 Zentimetern und einen leicht gleitenden Crossfader. Bedienelemente zur Konfiguration der Fader sind, wie bei vielen Einsteigergeräten, nicht verbaut. Die notwenigen Anpassungen erfolgen im Setup-Fenster von Serato DJ Lite. Da Einsteiger in diesem Bereich aber nicht permanent Einstellungsänderungen vornehmen, kann man mit dieser Restriktion ganz gut leben.

Der Masterausgangspegel lässt sich dank der 12-teiligen LED-Kette leicht im Auge behalten, eine optische Kontrolle der einzelnen Kanalpegel ist leider nicht möglich. Mit zentral platzierten und gut erreichbaren Bedienelementen lassen sich die Master-, Cue- und Kopfhörerpegel kontrollieren und die gewünschten Songs in der Songsammlung selektieren. Prima: Als Besonderheit gibt es einen separaten Poti, der das Lautstärkesignal des Samplers in Serato DJ Lite steuert und Taster für den Sequencer des internen Drum-Computers.

Anschlüsse

Der Roland DJ-202 bietet als Einsteigergerät eine überschaubare Anzahl an Anschlüssen. An der Vorderseite befindet sich eine leicht zugängliche 6,3-Millimeter-Klinken-Buchse zur Verkabelung eines Kopfhörers und auf der Rückseite der Masterausgang in Form zweier Cinch-Buchsen. Da es weder einen Monitor- oder Recording-Ausgang gibt, liegt das Einsatzgebiet des Geräts eher im privaten Bereich. Als einzigen Eingang gibt es eine 6,3-Millimeterbuchse, an die sich ein Mikrofon anschließen lässt und zur Diebstahlssicherung kann ein Kensington-Lock angebracht werden. Per USB finden die Stromversorgung und die Kommunikation mit einem PC/Mac statt. Ein Netzteil wird somit nicht benötigt, eine spontane Kombination mit einem Rechner ist allerdings nicht möglich, da eine Treiberinstallation erfolgen muss.

DJ-202 Controller Front
Auf der Vorderseite des Controllers lässt sich ein Kopfhörer anschließen.

Klasse: Der DJ-202 ist mit einer MIDI-DIN-Buchse ausgestattet, die eine einfach Synchronisation von externen Geräten (Drum-Machines, Synthesizern) aber auch Computern per MIDI-Clock-Signal erlaubt. Diese Schnittstelle ermöglicht eine einfache Erweiterung des digitalen DJ-Setups und das Spielen als DJ-Team. Die intern verbaute Audiokarte verarbeitet Daten mit 24 Bit und 48 Kilohertz und verfügt über vier Ausgänge und zwei Eingänge. Klanglich darf man somit sicherlich nicht die gleichen Maßstäbe ansetzen wie bei einem Profi-Controller, aber für die Beschallung kleinerer Events reicht es in jedem Fall.

DJ-202 Controller Rückseite
Die Geräterückseite bietet Audio-Ein-/Ausgänge und eine DIN-MIDI-Buchse zur Ausgabe von MIDI-Clock-Daten.

DJing

Nach dem Herunterladen der neusten Version von Serato DJ Lite und des zum Betriebssystem passenden Treibers kann die Installation und die Inbetriebnahme des digitalen DJ-Systems erfolgen. Der Controller ist übersichtlich gestaltet, sodass auch Einsteiger alle Funktionen nach kurzer Einarbeitungszeit sicher lokalisieren können. Songs lassen sich in die Decks laden und ihr Tempo mit den Pitchfadern oder per Druck auf die Sync-Taste angleichen. Die Software erledigt die Songanalyse treffsicher und bietet optische Mixhilfen. Ein Beatgrid wird nicht eingeblendet und die Sync-Funktion legt die Taktschläge auch nicht automatisch übereinander, sodass man hier gegebenenfalls mit den Jogwheels nacharbeiten muss. Dieser Vorgang gelingt allerdings problemlos, da die Wheels sehr feinfühlig auf Anwendereingaben reagieren.

Das Auflegen mit vier Decks ist grundsätzlich möglich, aber leider mit dem DJ-202 nicht besonders komfortabel. Die Software schaltet die Deckdarstellung gemeinsam mit dem Controller um, sodass nicht alle vier Decks gemeinsam eingeblendet werden. Zudem sind auf der Hardware abweichende Reglerstellungen nicht ersichtlich, dieses wird aber durch eine automatisch aktivierte Abholfunktion kompensiert, damit es nicht zu Pegelsprüngen kommt. Wer zwingend mit vier Decks auflegen möchte, kann per kostenpflichtigem Upgrade auf Serato DJ Pro eine erweiterte visuelle Unterstützung und Beatgrids ergänzen, die Einschränkungen der Hardware (zwei Kanalzüge) lassen sich damit aber nicht kompensieren.

Scratchen und andere kreative Funktionen

Neben dem Anschieben und Abbremsen von Songs für kleinere Mixkorrekturen, lassen sich die Jogwheels auch zum Scratchen nutzen. Die Wheels setzen Anwendereingaben sehr direkt um und auch der Öffnungsweg des Crossfaders ist mit unter einem Millimeter beachtlich kurz. Mit den Performance Pads des DJ-202 können für jedes Deck bis zu vier Hotcue-Punkte gespeichert und angefahren, Loops automatisch oder manuell gesetzt und insgesamt maximal vier Samples kontrolliert werden. Die zusätzlich auf dem Controller aufgedruckten Funktionen Cue Loop, Roll und Slicer stehen in Kombination mit Serato DJ Lite nicht zur Verfügung, hierzu benötigt man Serato DJ Pro. Spannungsbögen in Mixen lassen sich mit den gut klingenden Effekten Filter, Echo, Flanger, Reverb und Phaser generieren. Wie eingangs erwähnt bietet der Roland DJ-202 nur wenige Bedienelemente zur Steuerung der Effekte, sodass man gezielt immer nur einen Effekt aktivieren und kontrollieren kann. Meiner Meinung nach ist diese rudimentäre Ausstattung für ein Einsteigergerät akzeptabel und stellt keine allzu große Limitierung dar.

DJ-202 Controller Draufsicht
Mit den Performance Pads lassen sich die kreative Funktionen in Serato DJ Lite bedienen und die Drum-Machine-Sounds spielen.

Drum Machines

Roland hat den DJ-202 mit Drum-Machine-Sounds bestückt, die zum kreativen Arbeiten einladen. Zum Markstart im letzten Jahr waren dies Sounds der beiden populären Machines TR-808 und TR-909. Per Firmwareupdate wurden jetzt, wie vom Hersteller versprochen, TR-606- und TR-707-Drums ergänzt. Die Sounds stehen als fertig spielbare Kits zur Auswahl und beinhalten Bassdrums, Snares, Hihats, Cymbals, Toms, Claps, Rim Shots und Cow Bells. Gespielt werden diese Sounds live mit den Performance Pads. Die Sounds liegen als Samples vor und klingen durch die Bank authentisch, lassen sich aber klanglich nicht bearbeiten.

Schade: Ein dynamisches Spielen ist nicht möglich, da die Pads nicht anschlagsdynamisch sind. Die Anpassung der Gesamtlautstärke eines Kits erfolgt mit dem Sampler-Drehregler im Mixerbereich. Alternativ zum Live-Drumming lassen sich die Sounds gemeinsam mit Samples aus dem Serato DJ Lite Sampler auch per Sequenzer aufzeichnen. Die generierbaren Sechzehntel-Noten-Pattern können per Recording-Funktion aufgenommen oder per Step-Funktion programmiert werden. Bis zu 16 Pattern lassen sich im Speicher des Roland-Geräts festhalten. Die Bedienung des Sequenzers und das Umschalten der Sounds bedürfen etwas Übung und ohne Studium des Handbuchs kommt man nicht sehr weit. Weitaus intuitiver gelingt die Synchronisation der Sequenzer-Pattern, denn hierzu gibt es eine eigene Taste.

Die Pattern müssen allerdings per Hand passgenau eingestartet werden, da es kein Pitch-Bend-Taster zur Korrektur gibt. In der Praxis benötigt man daher manchmal mehrere Anläufe, aber glücklicherweise erlaubt eine Cue-Funktion das Vorhören der Sequenzen. Trotz der nicht anpassbaren Sounds und der nicht individuell wählbaren Lautstärke lassen sich interessante Pattern erzeugen, um DJ-Sets einen eigenen Stempel aufdrücken zu können. Meiner Meinung nach stellt dieses Feature eine gute Ergänzung dar und bietet auch Einsteiger einen echten Mehrwert.

Fazit

Der Roland DJ-202 ist ein solider Einsteiger-Controller, der neben einer umfassenden Basisausstattung auch kreative Extras bietet. Das Mixen mit zwei Decks geht einfach und komfortabel von der Hand und gelingt auch unerfahrenen Neulingen nach einer kurzen Einarbeitungszeit. Der Controller bietet einen Zugriff auf alle relevanten Parameter in Serato DJ Lite und vor allem die gut reagierenden Jogwheels wissen zu gefallen. DJs, die sich kreativ austoben möchten, werden die Ausstattung mit internen Drum-Sounds begrüßen, die sich als aufgenommene Sequenzen oder live gespielt ergänzen lassen.

Wer höhere Ansprüche an die Ausstattung und Haptik hat und eine Software mit einem größeren Funktionsumfang und Bedienkomfort erwartet, greift zu den größeren Geschwistern DJ-505 oder DJ-808. Der DJ-505 bietet professionelle Ausgänge und kann mit direkt mit einer PA verkabelt werden. Zudem bietet der Zweikanal-Controller analoge Line-/Phono-Eingänge zur Setup-Erweiterung und eigene Bedienelemente für den Sequenzer. Wer zum Flaggschiff DJ-808 greift, bekommt einen Vierkanal-Controller, der neben den Sequencer-Tastern, Fader für vier Drum-Sounds sowie einen Voice Transformer zur Stimmenbearbeitung, anschlagsdynamische Pads und eine Upgrade-Option für die DVS-Steuerung beinhaltet.

 

Pro

Sehr gut reagierende Jogwheels
Crossfader Cut-Lag unter einem Millimeter
Gute Performance Pads
Einfache Installation, da keine Treiber benötigt werden
Top Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Kontra

Software blendet nur zwei Decks ein

 

Preis: 329 Euro
Weitere Informationen auf der Roland-Website.

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