Test: Akai Professional MPC One / Standalone-Workstation

Test: Akai Professional MPC One / Standalone-Workstation

Tests 17. Oktober 2020

Schon bei der Ankündigung von Akai Professionals MPC One drängte sich der Vergleich zur MPC Live und X auf. Wo steht der Neuzuwachs auf dem Spektrum zwischen Produktion und Live Performance? Welche Features fehlen bei der One, die als Einstiegsmodell der MPC-Familie noch Luft nach oben lassen muss? Immer wieder drängt sich die Frage auf, ob Akais MPC One wirklich für sich stehen kann oder im Schatten der Geschwisterchen verschwindet. Dieser Test klärt auf und gibt einen Einblick in die MPC-Geschichte.

Akai Professional und die MPC im Überblick

Die erste MPC entstand 1988 in Zusammenarbeit mit Drum-Machine-Legende Robert Linn und ebnete nicht nur dem Hip-Hop-Genre den Weg, sondern auch mehr als einem Dutzend Neu- und Sonderauflagen des ikonischen Instruments. Im Kern handelt es sich bei den Music Production Centres aus Japan seit Tag eins um Sampler und Sequenzer, die mit Drum Pads gespielt werden. MPC-60 hieß das Urmodell und war eigentlich eine Neuauflage der kommerziell gescheiterten Drum Machine Linn 9000.

Die kreativen Möglichkeiten samplebasierten Arbeitens und der relativ geringe Preis der MPC - zu Beginn aufgrund der geringen Rechenleistung übrigens noch MIDI Production Center - machten sie zum Studio in a Box und damit zum Zentrum zahlreicher Home Setups.

Im Laufe der Jahre hat Akai die MPC in Form von immer neuen Modellen verbessert, besonders im Hinblick auf Rechenleistung und Konnektivität. Das sorgte für komplexere Bearbeitungsoptionen sowie Audioqualität im Studiostandard und erlaubte durch die Kompatibilität mit verschiedensten Geräten größere Setups. In einer Welt vor DAWs strotzten Akais MPCs also vor Funktionalität und Flexibilität, weshalb auch zahlreiche Alben aus der Ära komplett per Drumpads, Data Dial und Co. produziert wurden.

Doch die Digitalisierung und der Einzug des Computers in die Musikmachwelt stellten Akai und die MPC nach und nach in den Schatten. So sind es bis heute die 90er-Jahre-Modelle MPC 2000 und 3000, die als Schätze des Gebrauchtmarkts und erste Wahl legendärer Produzenten wie J-Dilla, Dr. Dre und Kanye West gelten.

Linn verließ Akai im Jahr 2000, als das Unternehmen Insolvenz anmeldete, und auch die Neugründung Akai Professional geriet wenige Jahre später in finanzielle Schwierigkeiten, bis sie von inMusic aufgekauft wurde. Seitdem orientieren sich die Produkte von Akai immer mehr an Ableton Live, was in der letzten Dekade controller- und software-orientierte Instrumente wie beispielsweise die MPC Touch hervorbrachte. Ende 2015 erschienen, sollte sie in Gestalt eines MIDI-Controllers die Haptik der MPC mit dem DAW-Workflow verbinden.

Der Clou dieser MPC war ein intuitives Touchdisplay, doch am Ende schlug ihre Abhängigkeit vom Computer auf die Verkaufszahlen. Mit den Modellen Live und X fokussiert sich Akai seit Anfang 2017 wieder auf die Standalone-Wurzeln der MPC, der Touchscreen ist aber geblieben. Die MPC One gibt's seit Anfang 2020 und soll auch dem kleinen Geldbeutel den großen MPC-Genuss bringen.

Was ist neu bei MPC X, Live und One?

Die wichtigsten Upgrades im Vergleich zu den klassischen Modellen der 90er sind die integrierte MPC Software und das Touchdisplay. Bei der Software handelt es sich praktisch um eine DAW, die sich parallel per Touchscreen und die unterschiedlichen Hardware-Komponenten von One, Live und X steuern lässt. Hier geht Akai absolut mit der Zeit, denn Produktionsatmosphäre wird heutzutage vornehmlich im DAW-Kontext gedacht. Von VST-Plugins über unzählige Audioeffekte bis hin zu programmier- und aufnehmbaren Automationen bringt die MPC Software alles mit, was den digitalen Workflow auszeichnet.

Bei MPC One fehlt zwar das Ableton Live Control Feature, abgesehen davon können aber alle Instrumente das Gleiche und unterscheiden sich lediglich in puncto Hardware. Alle drei MPCs arbeiten mit derselben CPU- und RAM-Kapazität. Das sorgt nicht nur beim Blick ins Manual für Verwirrung, sondern gießt auch Öl ins Profilneurosenfeuer dieser MPC-Generation. Andererseits erlauben die vielen Gemeinsamkeiten einen schnelleren Einstieg in verwandte Geräte.

Das Touchdisplay der One misst 7" und ist das gleiche wie bei der Live. Nur die große MPC X hat ein luxuriöses 10,1"-Display, das sich sogar anwinkeln lässt. Die Bedienung des Touchscreens verläuft vorwiegend intuitiv, gefühlt wie am Tablet, was einen sehr spannenden und modernen Drive in den MPC-Workflow bringt. Beinahe alle angezeigten Funktionen lassen sich antippen und dann mittels Data Dial justieren, Automationen können mit dem Finger eingezeichnet werden und gängige Befehle wie Doppelklick und Zoom sorgen insgesamt für eine schnelle Einarbeitung.

Weil sich teilweise mehrere Funktionen auf engerem Raum befinden, kann es aber gerade beim kleineren Display der One im Eifer der Performance zu Fehlbedienungen kommen. Das dürfte mit etwas Übung aber kein Problem mehr sein. Auch ohne Kippfunktion ist das Display der One stets gut abzulesen, ausreichend hell, und die dargestellten Parameter sorgen jederzeit für einen guten Überblick. Nur bei starkem Licht waren einige Funktionen der VST-Synths schwerer zu lesen, weil diese eine weiße Hintergrundfarbe haben. Die vorwiegend dunkle Farbe der MPC-Software-Oberfläche ist aber auch im Hellen gut lesbar.

Verarbeitung, Anschlüsse und technische Daten

Überraschenderweise ist die MPC One mit einem Gewicht von 2,1 kg und den Maßen 272 x 272 x 53 mm die am einfachsten zu transportierende der drei Schwestern. MPC Live kommt zwar mit integriertem Akku daher, ist aber fast schon zu groß fürs ständige Mitnehmen. Verarbeitungstechnisch ist der MPC One in keiner Weise anzusehen, dass es sich um ein Einstiegsmodell handelt. Das Gehäuse ist aus Metall, super stabil und auch noch schick, nur die Lüftungsschlitze an den Seiten erinnern wie schon beim Akai Force an Gaming PCs - fehlt bloß die Neonbeleuchtung. Die Q-Links sind vier Endlos-Encoder, die je nach aktueller Software-Oberfläche unterschiedliche Parameter der MPC steuern.

Bei X, Live und One wurden zwar die gleichen Encoder verbaut, MPC X hat aber 16 statt vier und pro Drehregler gibt's ein eigenes Display, das die aktuelle Zuweisung anzeigt. Diese extra Displays fehlen bei der One nicht wirklich, weil die Zuweisung der Q-Links mit Erfahrung ausreichend verinnerlicht wird. Abgesehen von dieser Gewöhnungsphase überzeugen die Encoder sowohl was das Spielgefühl als auch die Verarbeitung angeht.

Größter Schock sind aber wahrscheinlich die Pads, welche noch bei der MPC X in Sachen Größe und Spielgefühl für die täuschende Ähnlichkeit zu Vintage MPCs gelobt wurden. Bei der One sind die Pads wieder kleiner, dafür sieht sie gerade im Vergleich zur MPC Live mehr nach einer kleinen, klassischen MPC aus - die Mojo-Rezeptoren sind verwirrt. Zur Not stellt man eben die Velocity der Pads um, die geringere Größe stört kaum, weil trotzdem genug Platz für zwei Finger pro Pad vorhanden ist.

MPC One verfügt lediglich über zwei 6,35mm-Klinkeneingänge zum Samplen und Loopen externer Audiosignale. Bei der MPC X gab es zusätzlich Phono-Inputs, XLR/Klinke-Kombibuchsen und sogar acht separate Audioausgänge, bei der One muss man mit Stereo-Ausgängen für den Master vorliebnehmen. Ein weiteres wichtiges Feature der MPC X sind die acht CV-Ausgänge im 3,5mm-Klinkenformat, die die Kommunikation mit allerlei Vintage Gear ermöglichen. Akai erkennt die Vorteile dieser Eigenschaft offenbar an und hat auch bei der MPC One acht CV-Ausgänge verbaut - Wow!

Wie bei MPC üblich gibt es aber auch eine Menge Schnittstellen, um externe Datenträger anzuschließen und Samples zu laden. Ein USB-Eingang und ein SD-Kartenslot genügen der MPC One als Möglichkeit, die internen 4 GB Speicher zu erweitern. Bei Live und X ist der Speicher übrigens 16 GB groß, kann mittels extra Festplatte intern erweitert werden und es gibt zwei USB Ports. Der eine USB-Anschluss der One ist streng genommen aber kein Problem, weil die MPC auch gängige USB-Hubs erkennt und sich so trotzdem mehrere USB-Sticks oder MIDI-Devices anschließen lassen.

Apropos MIDI: Auch hier gibt's für die MPC One nur das Minimum, je einen Ein- und Ausgang, aber das immerhin im DIN-Format. Wie gesagt, können der USB-Port aber auch Bluetooth da Abhilfe schaffen, insgesamt machen sich die Abstriche der One aber beim Vergleich mit den Ins und Outs der X am deutlichsten bemerkbar.

Der Workflow

Die MPC One kommt auf 31 Funktions-Buttons und hat somit vier mehr, als die MPC Live, aber nur die Hälfte im Vergleich zur X, die mit 63 Tastern ausgestattet ist. Wer dann noch Shift- und Sonderfunktionen dazurechnet, kann sich vorstellen, dass es einer gewissen Einarbeitungszeit bedarf, bis man sich wirklich frei am Instrument bewegen kann. Besonders im Hinblick auf Live-Performance wirkt der MPC-Workflow holprig und könnte schneller sein, zum Tüfteln und Optimieren eignen sich die zahlreichen Bearbeitungsoptionen wiederum sehr gut.

Sind die Songs einmal produziert, können sie über die vielen Utility-Modi der MPC vorgeführt werden, etwa im Clip-Modus à la Ableton oder mittels Track Mute und Sequence Link. Ganz ohne Vorbereitung eine spannende, musikalische Geschichte zu erzählen, ist aufgrund der mannigfaltigen Einstellungen nur bedingt möglich, allerdings nicht nur bei MPC One, sondern generell. Weil der klassische, sequencer- und drumpads-orientierte MPC-Workflow über die Jahre auch von der Konkurrenz adaptiert wurde, sind viele Funktionen aber auch schnell erklärt.

MPC-Veteranen freuen sich zusätzlich über das gute alte Data Dial, welches besonders in Zusammenarbeit mit dem hervorragenden Touchdisplay zu überzeugen weiß: Wenn die Zuweisungen der Q-Links mal nicht nachzuvollziehen sind, genügt das Tippen aufs Display und der berührte Parameter wird fortan vom Data Dial geregelt. Weil so viel der Leistung der aktuellen MPC-Generation von der MPC-Software kommt, fühlt sich die MPC One erstaunlich vollwertig an, trotz der geringeren Anzahl an Q-Links und Funktionstastern im Vergleich zur MPC X.

Fazit

Durch das vielseitig einsetzbare und responsive Touchdisplay sind MPC X, Live und One streng genommen dedizierte Musik-Tablets verbaut in Hardware Controllern mit Design-Anlehnung an die klassischen MPCs der 80er und 90er Jahre. Mit derselben MPC Software als DAW kommt es bei der Unterscheidung zwischen den drei Geräten also auf die vorhandenen Bedienelemente und das Utility-Paket an. Doch auch der Preis spielt eine Rolle, was im Endeffekt zur Frage führt, ob sich für alle, die sich die X nicht leisten können, der Aufpreis zur Live lohnt oder die One genügt. Wer gerne überall Musik macht, fühlt sich vielleicht zur MPC Live hingezogen, doch die geringere Größe der One sowie der deutlich günstigere Preis sprechen dagegen. Der fehlende Akku lässt sich außerdem mittels aufladbarer Stromversorgung von Drittanbietern umgehen, weshalb der MPC Live langsam die Argumente ausgehen. Nicht zuletzt daran zeigt sich, dass Live deutlich vor der One veröffentlicht wurde, bei deren Entwicklung sich MPC einfach viele Kritikpunkte am Vorgänger zu Herzen genommen hat. Vor allem die CV-Anschlüsse sind nochmal ein klarer Punkt für die MPC One, sodass am Ende eine klare Empfehlung für das Nesthäkchen auszusprechen ist.

Pro

Leistungsstarke, vollwertige Musikproduktionszentrale
Kaum Abstriche im Vergleich zur MPC X
Responsives Touchdisplay

Kontra

Keine extra Audioausgänge
Holpriger Workflow

Preis:

698,00 EUR

Weitere Informationen gibt es auf der Website von Akai Professional.

Veröffentlicht in Tests und getaggt mit Akai Professional , MPC , MPC One , Producing , Standalone , Test

Geschrieben von:
Kai Dombrowski

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