Überblick: Die besten DJ-Mediaplayer

Überblick: Die besten DJ-Mediaplayer

Features 21. Juli 2019

In den Achtzigern und Neunzigern bestanden die Decks eines DJs meist aus zwei Plattenspielern. Diese Zeiten sind größtenteils vorbei, heute spielen DJs mit digitalen Decks. So genannte DJ-Mediaplayer sind dabei eigenständige Geräte mit einer eigenen Software an Bord, die in der Lage sind, Musik von einem Speichermedium wie z. B. USB-Stick oder SD-Karte zu spielen. Es gibt sie als Single-Module (Tabletop-Player) oder als Stand-Alone-Konsolen (Multi-Deck-Player). Die Vorteile eines DJ-Mediaplayers liegen darin, dass man keinen zusätzlichen Computer benötigt, auch wenn manche der Player zusätzlich als MIDI-Controller verwendet werden können. Da in vielen Eventlocations DJ-Mediaplayer den Platz von Plattenspielern eingenommen haben, muss man als DJ nicht mehr mit schwerem Gepäck reisen, sondern kann einfach mit dem entsprechenden Speichermedium und einem Kopfhörer kommen. Wir haben uns die besten Mediaplayer herausgepickt, bei denen man getrost den Laptop zu Hause lassen kann.

Pioneer DJ CDJ-2000NXS2

Der CDJ-2000NXS2 ist der Klassiker unter den DJ-Mediaplayern, der wahrscheinlich am weitesten verbreitet ist. Neben der Musikspeisung via USB oder SD-Karte besitzt dieser Player ebenfalls noch ein CD-Laufwerk, dassowohl Audio-CDs als auch gebrannte Musikdateien lesen kann. Der CDJ-2000NXS2 verfügt über ein 7" großes Vollfarb-Touchdisplay, das alle wichtigen Trackinformationen zum Auflegen abbildet, darunter auch die Wellenformdarstellung mit Beatgridmarker inklusive Cue-Punkte, Loops, BPM usw. Über weitere Bildschirmebenen kann man durch die Playlisten browsen, gezielt nach Tags sortieren oder auch direkt nach bestimmten Titeln per virtueller Tastatur suchen. Alle Bedienelemente auf dem Pioneer CDJ-2000NXS2 sind gut erreichbar und lassen sich intuitiv bedienen.

Das große nichtmotorisierte Jogwheel ist berührungsempfindlich und besitzt in der Mitte eine virtuelle Nadelpositionsanzeige. Der Rand des Jogwheels ist mit einem griffigen Ring versehen, der fürs Pitchbending eingesetzt wird. Ein langer leichtgängiger Pitchfader lässt präzise manuelle Tempoangleichungen zu. Alternativ kann der CDJ-2000NXS2 auch als MIDI-Controller an einen Rechner angeschlossen werden. Softwares wie Traktor Pro oder Serato DJ Pro sind über das HID-Protokoll fertig gemappt, sodass man eine Plug&Play Trackkontrolle inklusive Loops und Cue-Punkte erhält.

Um sich ein Speichermedium zur Musikwiedergabe zu teilen, können zwei CDJ-2000NXS2 beim Auflegen über ein Netzwerkkabel verbunden werden. Gleichzeitig werden auch BPMs und Beatgrids zur Autosynchronisierung kommuniziert. Die Vorteile des CDJ-2000NXS2 sind seine einfache Bedienbarkeit und die weite Verbreitung in Clubs, Bars oder sonstigen Eventlocations. Generell arbeitet der Player sowohl als Media- als auch als CD-Player zuverlässig. Da die interne Trackanalyse jedoch recht langsam arbeitet, empfiehlt es sich, die Playlisten in der kostenlosen Rekordbox Software anzulegen und auf ein Speichermedium zu übertragen. Die Schwächen des CDJ-2000NXS2 sind der hohe Anschaffungspreis, denn mit knapp 2000 Euro pro Player muss man nach wie vor rechnen. Ansonsten ist der Player auch nicht ganz auf die neuesten Technikspielereien wie z. B. Cue-Punkt-Performances ausgelegt.

Wer sich einen zuverlässigen Player wünscht und sich in der Rekordbox-Pioneer-Produktwelt heimisch fühlt, wird mit dem CDJ-2000NXS2 ein Arbeitsgerät finden, das so weit verbreitet ist, dass man seine Gewohnheiten nicht umstellen muss. Für Performanceorientierte und Kreativköpfe, die sich ständig neue Limits setzen, gibt es aber durchaus Alternativen von anderen Herstellern.

Preis: Ca. 2100 EUR
Pioneer DJ

Denon DJ SC5000/M

Denon DJs Prime-Serie beinhalte unter anderem den SC5000 Mediaplayer, den es nun auch mit einem motorisierten Plattenteller als SC5000M gibt. Ansonsten sind die Player identisch und ziehen ihre Musik über einen SD-Kartenslot oder mehrere USB-Ports von der Vorder- und Rückseite. Als zentraler Blickfang besitzt der SC5000 ein 7" großes Multitouch-Farbdisplay, das alle nützlichen Trackinformationen von der Wellenformdarstellung bis zur BPM fürs Auflegen anzeigt. Über mehrere Menüebenen kann man Tracks suchen, in den Playlisten stöbern oder weitere Geräteeinstellungen festlegen. Dazu gehört auch die Geräte-LED-Farbgebung, um z. B. die laufenden Decks unterscheiden zu können.

Ein Highlight ist dabei nämlich, dass die Onboard-Software des SC5000 gleich zwei Playerdecks beinhaltet und man dementsprechend schon mit einem SC5000 mixen kann. Dafür stehen auf der Rückseite des Players extra zwei separate Stereo-Cinch-Ausgänge zur Verfügung, um so die Signale getrennt auf einen Mixer zu legen. Software und Hardware arbeiten dank der Onboard-Prime-Software präzise und zuverlässig. Durch ständige Firmware-Verbesserungen kommen Features hinzu, die den Bedienkomfort erhöhen. Neben der hauseigenen Engine Prime Analysesoftware kann der SC5000 auch Metadaten aus Rekordbox oder Traktor Pro lesen. Das macht das plattformübergreifende Arbeiten um einiges leichter und spart viel Konvertierungszeit.

Zusätzlich kann der SC5000 auch als Serato DJ Pro Controller genutzt werden. Gegen Aufpreis für das Serato Clubkit wird die interne Soundkarte sogar zum Serato DVS-Interface. Die Oberfläche des SC5000 ist mit zahlreichen Bedienelementen gespickt, die sowohl ein übersichtliches und komfortables Arbeiten mit den Standard-Auflege-Funktionen erlaubt als auch performanceorientierte Manöver wie Finger Drumming oder Loop- und Cue-Punkt-Aktionen bereitstellt. Beim motorisierten SC5000M bekommt man obendrauf noch echtes Turntable-Feeling ohne Nadelsprünge, Knackser oder Rückkopplungen. Der Vorteil der SC5000 Player liegt definitiv im guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Man bekommt für einen Anschaffungspreis von ca. 1300 Euro zwei Player in einem Gerät auf Clubniveau, welches zuverlässig arbeitet und eine große Bandbreite an Features liefert.

Obendrauf gibt es noch eine Schippe Bedienkomfort, der sich von der Übersichtlichkeit der Bedienelemente hin zur Metadatenkompatibilität gegenüber Rekordbox und Traktor Pro erstreckt. Deutliche Nachteile, abgesehen von der noch recht dünnen Besiedlung in Clubs, gibt es eigentlich nicht. Das was man an einem CDJ-2000NXS findet, findet man auch am SC5000. Kommt man aber vom SC5000 zum CDJ-2000NXS2, könnte man ein paar Sachen vermissen.

Preis: Ca. 1300 EUR
SC5000 Prime SC5000M Prime

Pioneer DJ XDJ-1000MK2

Pioneers XDJ-1000MK2 ist im Grunde ein CDJ-2000NXS2 ohne CD-Laufwerk. Mit dem 7 Zoll großen Farb-Touchdisplay lassen sich die meisten Funktionen dieses Mediaplayers über den Bildschirm erreichen. Neben der Waveform- und BPM-Anzeige kann man bequem nach Tracks suchen und dabei eine virtuelle Tastatur nutzen. Der XDJ-1000MK2 spielt Formate wie MP3, AAC, WAV, AIFF oder auch FLAC und ALAC in 48 kHz/24 Bit von einem USB-Medium oder Smartphone ab. Zur Vorbereitung der Tracks benötigt man allerdings auch hier Rekordbox als Analysesoftware, um den jeweiligen USB-Stick vorzubereiten. Der XDJ-1000MK2 kann mit weiteren Player im Netzwerk (ProDJ Link) verbunden werden, sodass man insgesamt bis zu vier dieser Mediaplayer synchronisieren kann.

Neben der Musikspeisung per USB kann der XDJ-1000MK2 auch als MIDI-Controller für Rekordbox DJ genutzt werden. Die Vorteile des XDJ-1000MK2 liegen in einem etwas "günstigeren" Preis im Vergleich zu einem CDJ-2000NXS2. Die Handhabung ist dabei fast identisch, auch wenn viele der Funktionen (z. B. Cue-Punkte) nur über das Touchdisplay abgerufen werden können. Für eine haptische Erweiterung kann der XDJ-1000MK2 mit einem DDJ-SP1 ergänzt werden. Die Nachteile des XDJ-1000MK2 liegen darin, dass man lediglich einen USB-Anschluss zur Verfügung hat: Es gibt keinen SD-Karten-Slot und ein nahtloses Mapping für Traktor Pro oder Serato ist ebenfalls nicht vorhanden.

Preis: Ca. 1300 EUR
Pioneer DJ

Pioneer DJ XDJ-RX2

Neben Tabletop-Playern gibt es auch ganze Konsolen, die zwei oder mehr Decks und einen Mixer in einem Gerät unterbringen. Der XDJ-RX2 ist eine solche Konsole, die den Charakter von CDJs und einem DJM-450 besitzt. Zwei Decks mit Jogwheels und langen Pitchfadern sowie einer Loopsektion und Performance-Pads sorgen für eine ausreichend haptische Kontrolle der Tracks. Ein 7" großer Touchscreen zeigt alle nötigen Trackinformationen der beiden Decks an, um damit komfortable Übergänge zu gestalten. Wer mit CDJs schon aufgelegt hat, wird sich hier in der Bildschirm-Menüführung direkt zu Hause fühlen, denn Navigation und Musikquellenwahl werden über die am Displayrand angeordneten Tasten und Regler ausgeführt.

Mit zwei oben liegenden USB-Ports wird der XDJ-RX2 in der Regel mit Musik gefüttert. Dies geschieht wie bei anderen Pioneer Playern entweder per USB-Stick oder auch übers Smartphone. Auf diese Weise kann man ebenfalls seinen Mix aufnehmen. Wem das nicht reicht, der kann die Konsole über die hinten liegenden Phono-Line-Anschlüsse um Plattenspieler oder CD-Player erweitern. Alternativ kann der XDJ-RX2 auch als MIDI-Controller für DJ-Softwares genutzt werden, allen voran Rekordbox DJ. Die Mixersektion besitzt pro Kanal einen 3-Band-EQ, der wahlweise auch als Isolator geschaltet werden kann. Mit vier Soundcolor-Effekten und weiteren acht Effekten in einer Bank ist auch genügend Werkzeug an Bord, um dem Mix eine persönliche Note zu verpassen.

Die Anordnung der Bedienelemente ist hier ebenfalls DJM-typisch, sodass man sich intuitiv zurechtfindet. Die Vorteile des XDJ-RX2 liegen in seiner Flexibilität: Er kann als reiner Mediaplayer, analoges Mischpult oder auch als MIDI-Controller genutzt werden. Eine Rekordbox DJ Lizenz liegt bei, sodass man hier keine zusätzlichen Anschaffungskosten befürchten muss. Mit 9 kg Eigengewicht geht die Konsole auch gerade noch für den mobilen Einsatz durch.

Ob für Club DJs, die ein Heim-Setup mit Rekordbox-Datenbank benötigen, oder für mobile DJs, die flexibel auf verschiedene Soundquellen und mehrere Mikrofoneingänge setzt - der XDJ-RX2 wird beiden gerecht. Nennenswerte Kompromisse muss man mit dem XDJ-RX2 eigentlich nicht eingehen. Bei einem Preis von 1480 Euro bekommt man ein Werkzeug an die Hand, das in kompakter Bauweise Pioneers Clubstandard ähnelt und dementsprechend einfach zu bedienen ist.

Preis: Ca. 1480 EUR
Pioneer DJ

Denon DJ Prime 4

Denons Prime-Serie wurde zur diesjährigen NAMM-Show um ein weiteres Mitglied erweitert. Die Prime 4 Konsole ist ein 4-Deck DJ-System, das völlig autark von einem Computer zum Auflegen einlädt. Als Herzstück dient hier die Onboard-Software Engine Prime, die über einen 10-Zoll-Touchscreen visualisiert wird und gleichzeitig alle vier Spuren in Wellenformen anzeigen kann. Der Bildschirm thront über der 4-Kanal Mixersektion und
lässt sich zur besseren Betrachtung anwinkeln. Mit vier USB-Ports, einem SD-Karten-Slot und sogar einem Anschluss für eine 2,5" SATA Festplatte bietet der Prime 4 massig Möglichkeiten Musik zu speisen und mitzuführen.

Die Mixersektion ist pro Kanal mit einem 3-Band EQ und Filter ausgestattet. Der Filterregler kann wahlweise mit weiteren Sweap-Effekten belegt werden. Weitere dreizehn Effekte aus dem x1800 Prime Mixer sind Postfader geschaltet und über die beiden FX-Sektionen erreichbar. Eine Besonderheit in der FX-Sektion sind die kleinen Displays, die den Status und den jeweiligen Effektparameter anzeigen. Die darunter liegenden Decks besitzen große Jogwheels, die mittig die Nadelposition und das Coverart anzeigen. Insgesamt sind die Decks mit Performance Pads, einer Loopsektion und einem großen Pitchfader ausgestattet und lassen auch sonst keine Wünsche offen, denn das Angebot an Funktionen ist riesig. Ein Highlight ist dabei die Key-Sync-Funktion, mit der sich Tracks automatisch oder auch manuell in der Tonhöhe anpassen lassen, um harmonisches Mixing zu ermöglichen.

Anschlussseitig ist der Prime 4 ebenfalls üppig ausgestattet. Mit einem Master-, einem Booth- und einen Zone-Ausgang mit jeweils Stereo XLR-Buchsen ist man in der Lage, drei Zonen unabhängig voneinander symmetrisch zu beschallen. Obendrauf gibt es noch zwei Mikrofoneingänge, die alle mit einem 3-Band-EQ ausgestattet sind. Dank der vier Phono-Line-Eingänge kann der Prime 4 auch alternativ als reines Mischpult für analoge Soundquellen genutzt werden.

Denons Prime 4 ist so etwas wie die eierlegende Wollmilchsau unter den Mediaplayern. Die Konsole bietet so gut wie alle aktuellen Features, die man normalerweise nur bei der Nutzung einer DJ-Software auf einem Laptop zur Verfügung hat. Und das schließt auch, dank des großen Bildschirms, die Übersichtlichkeit ein. Mit den Maßen 728 x 497 x 104 mm (BxTxH) ist die Konsole zwar etwas größer als gängige 4-Deck Controller, jedoch wird es sicherlich nicht lange dauern, bis das passende Transportcase dafür erhältlich sein wird. Auf der Mixcon 2019 haben Soft- und Hardware jedenfalls schwer beeindruckt. Vor allem auch, weil das Gesamtkonzept sowohl den Club- und mobilen DJ als auch den Einsteiger-DJ anspricht ohne dabei erkennbare Kompromisse einzugehen.

Preis: Ca. 1700 EUR
Denon DJ

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