Man kennt das Phänomen nach einer lauten Clubnacht: Sobald man in eine ruhigere Umgebung kommt, hört man nur sehr dumpf, eventuell rauscht es im Ohr. Im schlimmsten Fall geht das Pfeifen nicht mehr weg und man trägt einen Hörschaden lebenslang mit sich. Besonders DJs laufen Gefahr sich einen dauerhaften Hörschaden zuzulegen, wenn sie ständig unter erhöhten Lärmpegeln arbeiten müssen. Nachstehend findet ihr eine Übersicht zu den aktuellen Möglichkeiten um seine Ohren, das wichtigste Arbeitsmittel, zu schützen.

Vorab sei hier gesagt, dass zusätzlich dazu ein guter DJ-Kopfhörer gehört. Dieser sollte in jedem Fall eine geschlossene Bauform haben, um vom Umgebungsschall bestmöglich zu isolieren. Das reduziert automatisch den Pegel, der beim Vorhören benötigt wird.

Einweg-Ohrstöpsel

Die wohl günstigste Variante sind Einweg-Ohrstöpsel, welche es z.B. von Ohropax gibt. Sie sind aus einem Schaumstoff oder Wachs, der sich dem Gehörgang anpasst. Dieser Gehörschutz ist zwar günstig und ist bspw. in lauten Hotels und Airbnbs eine große Hilfe zum Schlafen, eignet sich aber nicht fürs Auflegen, da er relativ stark den Pegel absenkt (bis zu 30dB), sodass man kaum noch etwas hört. Auch lässt das Material die Frequenzen nicht gleichmäßig durch, sodass es zu einem dumpfen, verzerrten Klangbild kommt.

Universal Silikon-Stöpsel

Universal Silikon-Stöpsel sind relativ günstig zu erhalten. Sie haben meist zwei bis drei Silikon-Lamellen und austauschbare Filterteile, man kann mit ihnen durchaus Auflegen. Sie lassen sich auch mit etwas warmen Wasser reinigen, bieten sich also zum Wiederverwehrten an. Ich habe jahrelang mit den Alpine Musicsafe Pro aufgelegt und akzeptable Erfahrungen damit gemacht. Man muss allerdings ein wenig die verschiedenen Filter durchprobieren, um die präferierte Dämpfung zu ermitteln. Der Nachteil eines Universal Gehörschutzes ist, dass er nicht in jedes Ohr gleich gut passt. Dementsprechend können diese Stöpsel, wenn man schwitzt, auch gerne mal verrutschen. Entweder fallen sie dann ganz heraus oder sorgen für einen ungleichmäßigen Pegel zwischen dem linken und rechten Ohr. Der Tragekomfort fällt also je nach Träger unterschiedlich aus.

Es gibt diese Universal Silikon-Stöpsel auch von anderen Marken wie z.B. Senner (MusicPro) oder Elacin (ER20).

Angepasster Gehörschutz

Bei einem angepassten Gehörschutz wird vorab ein Abdruck der Ohren genommen, um dann passgenaue Stöpsel anfertigen zu können. Man beauftragt dazu einen Hörgeräte-Akustiker, wie beispielsweise GEERS. Ich habe meine ER-Stöpsel auf einer Messe von der Firma Hearsafe gießen lassen. Das ist völlig schmerzfrei, jedoch muss man auf den angepassten Gehörschutz ca. 2-3 Wochen warten, so lange dauert die Fertigung dieser Otoplastiken. Die ER-Stöpsel können dann mit drei verschiedenen, wechselbaren Dämpfungsfiltern ausgestattet werden (-9dB, -15dB oder -25dB). Der Preis dieser Stöpsel liegt bei ca. 150-200.- Euro.

Abgesehen vom hohen Preis gibt es bei diesem Gehörschutz eigentlich keine Nachteile. Sie sind unauffällig, man kann die Farbe frei wählen, verrutschen nicht und dämpfen linear. Je nach Anforderung muss man sich das entsprechende Filterpaar für ca. 70.- Euro dazu kaufen. Insgesamt bieten sie aber die beste Lösung, um beim Auflegen mit hohen Schallpegeln zu arbeiten, ohne dabei auf Tragekomfort verzichten zu müssen.

Neben den ER-Stöpseln gibt es auch eine Variante in der Concha-Form, bei der der Gehörschutz auf das komplette Außenohr angepasst wird. Diese Variante sorgt für mehr Halt und bietet zusätzlich die Option, statt mit Filtern, mit In-Ear Kopfhörern ausgestattet zu werden, so wie es viele Musiker auf der Bühne verwenden. Fürs Auflegen eignen sie sich nur bedingt, da sie den Nutzer auf eine bestimmte Arbeitsweise beim Vorhören festnageln (reines Kopfhörermixing) und zudem das In-Ear-System noch zusätzlich erworben werden muss. Der Anschaffungspreis von ca. 230.- Euro aufwärts (ohne In-Ear-Kopfhörer) ist sehr hoch.

Jeder DJ, der in einer lauten Umgebung auflegt, sollte sein Gehör schützen. Je früher desto besser. Ich bereue es, dass ich es erst nach 20 Jahren geschafft habe, mir professionellen Gehörschutz anzuschaffen. Im Vergleich zu anderen DJ-Kollegen habe ich bisher noch mal Glück gehabt und kann "noch" keine Einschränkungen feststellen. Wer also das Auflegen regelmäßig betreiben möchte, dem sei gesagt, dass 200.- Euro eine essentielle Investition sind, wenn man dafür sein wichtigstes Arbeitsmittel langfristig in Sicherheit wiegen kann. Davon abgesehen, kann man sich mit dem richtigen Gehörschutz im Club auch als Gast immer noch gut unterhalten.

Übrigens: Wer den Gehörschutz schon ca. 30 Minuten vor der Party trägt, gewöhnt seine Ohren an den neuen Pegel und wird sich beim Auflegen wohler fühlen.

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