Auftrag Sound!

So lautet das Motto von Sound-Engineer Laurin Schafhausen. Ursprünglich aus dem Raum Bielefeld, arbeitet er zusammen mit der von Kai Mosdzen gegründeten Firma event-corp für Festivals und Clubs in ganz Deutschland und darüber hinaus. In enger Zusammenarbeit mit Void Acoustics beliefert und beschallt Schafhausen diverse Partys von Ost-Westfalen bis Ibiza, arbeitet mit DJ Harvey zusammen und hat letztes Jahr mit dem Blitz-Club für Furore gesorgt. Ein Club dessen Raum architektonisch komplett auf den Sound ausgelegt ist und mit der größten, eigens für diesen Anlass designten Void-Anlage ausgestattet ist. Schafhausen steht für ambitionierten Sound und wird mehr und mehr zu einer treibenden Kraft in der Szene. Grund genug den Mann hinter der Technik in unserer "Up and Coming" Rubrik einmal näher vorzustellen.

© Simon Vorhammer

Welche Musik hört ein Sound Nerd zuhause und wie?

Relativ wenig Musik und für viele sicher überraschend auf keiner tollen Anlage. Ich bekomme immer mal wieder etwas zum Testen aber sonst gibt es da kein High End Hifi oder super seltenes Vintage-Zeug. Musik höre ich eigentlich nur zum Kochen, dann meistens Blues, Bluegrass und Rock der irgendwie damit verwandt ist, Swamp Music. Hin und wieder auch Roots Reggae und frühen Dub.

Viele hören Musik auf schlechten Anlagen, Laptops oder Handys, wie würdest du jemanden den Vorteil eines guten Sounds erklären der sich nicht mit der Physik dahinter beschäftigt? Und worauf kann auch der Laie beim Sound (Im Club oder zuhause) achten?

Puh, das ist ja wie einem Blinden die Farbe Rot zu erklären. Am leichtesten lässt sich das noch mit der Auflösung eines Videos erklären. Wenn man Blockbuster in 4K guckt kann man viel mehr Details erkennen als in SD oder gar in 240p. Das Bild wird immer schlechter, bis man dem Film nicht mehr folgen kann. Alles doof! Sehr ähnlich verhält es sich mit Musik, wenn die Anlage schlecht ist, gehen Details verloren, die extrem wichtig bei Musik sind. Die Musik klingt falsch und langweilig. Im Club kann der Laie ja nicht so viel am Sound machen, außer seine Ohren schützen und Gehörschutz tragen. Und das solltet ihr auch machen, kauft euch einen einfachen Gehörschutz wie zum Beispiel die Alpine MusicSafe Pro Kosten um die 20 Euro und sind super. Zu Hause sollte man darauf achten das die Hochtöner der eigenen Boxen auf Ohrhöhe sind und nicht hinter dem Sofa auf dem Boden stehen.

© Simon Vorhammer

Glaubst du, dass eine Anlage (PA, Monitoring) einen DJ in seinem Set beeinflussen kann und welche Vorteile kann eine gute Anlage für die Arbeit eines DJs haben?

Ein gutes Monitoring hat einen extrem großen Einfluss auf ein DJ-Set. Es hilft dem DJ dabei in die Musik einzutauchen und schnell den Zustand zu erreichen, wo die Musik fließt und nicht mehr nachgedacht werden muss. Gleiches gilt auch für die Hauptanlage: Wenn sie extrem gut ist, ist die Crowd viel offener und der DJ kann viel besser mit ihr arbeiten.

Vinyl oder digital, was hörst du lieber über deine Anlagen?

Reel to Reel Tape, ha! Generell habe ich da keine Vorlieben. Vinyl klingt halt organischer, oft entspannter, setzt aber sehr viel Vorbereitung und sehr viele gute Technik voraus. Und es klingt eben. Das ist etwas was mich oft stört, eine komplett digitale Wiedergabekette verändert den Klang im Idealfall gar nicht. Sprich das Signal wird im Studio digital erzeugt, bearbeitet, gespeichert und bleibt digital bis es vom Verstärker an die Lautsprecher geschickt wird. Moderne Club Anlagen sind an einer Stelle immer digital, immer. Deswegen ist diese analog vs digital Diskussion nicht nur unnötig sondern irgendwie auch so wie Diskussion Sync vs Non Sync.

Glaubst du dass der Blitz Club für eine Sensibilisierung innerhalb der Szene sorgen kann und nun weitere Clubs solche Projekte anstreben?

Ich denke die Sensibilisierung hat deutlich vor dem Blitz angefangen. Auch in der Zeit im "Tal der Tränen" zwischen 1998 bis ca 2010, als Soundqualität nicht wirklich wichtig war, gab es immer leuchtende Beispiele, wie das Robert Johnson (Anm.d.Red Club in Offenbach a. Main), deren Betreiber sich guten Sound auf die Fahne geschrieben haben. Größtes Problem war ja die weite Verbreitung der extrem schlecht klingenden DJM 500/600/800, die haben einfach keinen guten Klang zugelassen. Der Trend zum guten Sound ist da und wird auch nicht wieder abebben.

Trotz großer Aufträge arbeitest du nach wie vor für kleine lokale Clubs. Was reizt dich an dieser Arbeit und gibt es für dich eine Verbundenheit zu dem Sound deiner Region?

Die Szene zu unterstützen ist für mich eine extrem wichtige Sache! Gerade in diesen kleinen Clubs bekommen die so wichtigen Newcomer, ob als Künstler oder als Veranstalter, eine Chance. Auch bieten wir (Anm.d.Red event-corp.de) durch Praktika und Ausbildungsplätze die Möglichkeit in diesen tollen Beruf einzusteigen. Für mich gibt es eigentlich keinen direkten Sound Bielefelds, viele Freunde von mir produzieren Musik unterschiedlichster Couleur. Gerade meine vielen Reisen haben mir gezeigt wie gerne ich in Bielefeld lebe, und dadurch fühlt man sich natürlich auch verbunden.

Welche Projekte stehen demnächst an? Glaubst du, dass du ein Projekt wie den Blitz Club noch einmal machen wirst?

Wie immer ist viel los, viele Anlagen wollen eingestellt werden und viele Partys mit gutem Sound versorgt werden. Was mich sehr freut ist, dass gerade sehr viele Clubs mich ansprechen und etwas an ihrer Anlage verbessern wollen. Aber wie immer kann ich da nicht wirklich drüber sprechen, aber da kommt viel in den nächsten Monaten. Ich hoffe sehr, dass ich noch einmal in meinem Leben ein Projekt wie das Blitz machen kann.

Wie hört sich dein perfektes DJ-Set an?

Fängt irgendwo in den 70ths an und hört im heute auf. Viele Einflüsse von Afro und Latin, viel Soul, NY Garage, NY Proto House, aber auch Hardcore Detroit Deep House. Sehr tanzbar und hypnotisch. Musik um sich zu verlieren, nicht so sehr für Konfetti, CO2-Jets, Feuerwerk und große Bühnen.

© Simon Vorhammer

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