Jeder DJ kommt irgendwann mal an den Punkt, an dem er einen Mix aufnehmen möchte. Sei es ein Live-Mitschnitt bei einer Veranstaltung, um einen Podcast oder eine Radioshow vorzubereiten oder einfach von zu Hause aus für die eigenen Follower. Neben der Eigenvermarktung kann die Aufnahme eines Sets auch zur Qualitätskontrolle der eigenen Fähigkeiten genutzt werden. Denn im Eifer des Gefechts bemerkt man vielleicht manchen Fehler nicht, mit einem Mix lassen sich kritische Stimmen einholen. 
Kleinere Fehler bemerkt man manchmal erst, wenn man sich den eigenen Mix angehört oder jemand anderem vorgespielt hat.
In diesem Tutorial zeigen wir dir verschiedene Möglichkeiten einen Mix aufzunehmen. Je nach genutztem Equipment, kann das ein wenig variieren. Zusätzlich erfährst du, worauf Du vor, bei und nach der Aufnahme achten solltest.

Aufnahmemedien

Nicht zwingend zeitgemäß: Reel-To-Reel-Recording.

CD/DVD-Brenner/Tapedeck: Auf diese Art einen Mix aufnehmen ist nicht mehr zeitgemäß. Entweder landet der Mix im Müll oder man beschäftigt sich mit weiteren Konvertierungsarbeiten. Davon abgesehen gibt es kaum noch Hardware zu kaufen, bei der noch ein langfristiger Support in Aussicht steht. Diese Variante seinen Mix aufzunehmen ist daher, von nostalgischen oder lo-fi-ästhetischen Aspekten abgesehen, nicht empfehlenswert.

Audio-Recorder: Ein Audio-Recorder kommt infrage, wenn man einen externen Mix aufnehmen möchte, d.h. wenn das Mixing nicht in einer Software stattfindet, sondern am Mischpult. Es gibt verschiedene Arten von Audio-Recordern. Im Radio- und Studiobereich werden gerne 19 Zoll USB-Recorder genutzt, die es ermöglichen direkt auf SD-Karte oder einem USB-Stick aufzunehmen (z.B. Tascam SD-20M). Etwas mobiler sind Recorder wie das Reloop Tape, Tascam DR-05 oder die Zoom H-Serie, wie z.B. der Zoom H1. Tipp: Es ist immer von Vorteil, wenn der Recorder in einer hohen Auflösung (z.B. 24Bit/96KHz) und einem unkomprimierten Format wie WAVE oder AIFF aufnehmen kann. Das gibt Spielraum für die Nachbearbeitung, runter komprimieren kann man immer noch. Sofern der Mix nicht vom Rec-Out eines Mixers abgegriffen wird, sollte der Recorder einen einstellbaren Eingangspegel haben. Ein zusätzlicher, interner Limiter sorgt für Übersteuerungsschutz (Nur verwenden, wenn hohe Pegelschwankungen sich nicht vermeiden lassen). Das Einpegeln erfolgt hier wie oben beschrieben.

© Zoom

Computer: Mit dem Computer einen Mix aufzunehmen ist wahrscheinlich die flexibelste Art, da von hier aus die Nachbearbeitung als auch die digitale Verbreitung vorgenommen wird. Je nachdem wie das DJ-Setup aussieht unterscheidet es sich darin, wie der Mix auf deine Festplatte kommt. Sofern man intern mixt und eventuell noch einen Controller am Rechner hängen hat, bietet die DJ-Software wahrscheinlich schon eine Aufnahmefunktion mit der der Mix direkt abgespeichert werden kann. Beim Mixing auf dem Computer gibt es wiederum die Möglichkeit den Mix live mitzuschneiden oder einen Mix per Mouse zusammen zu setzen. Erstes würde man in einer DJ-Software machen, letzteres in einem Sequenzer wie z.B. Ableton Live, bei dem die Lieder arrangiert und mit automatisierten Überblendungen versehen werden. Wenn du extern mixt, d.h. auf einem Mischpult, dann muss das Signal per Kabel noch mal in den Rechner geführt und dort mit einer Recording Software aufgenommen werden.

Die Aufnahme

Schon vor der Aufnahme sollte man darauf achten, dass das Signal sauber in den Aufnahme-Kanal gelangt:

Vinyl: Wenn Du mit Schallplatten auflegst, dann schau, dass Du alle Platten entstaubt hast, der Tonarm richtig eingestellt ist und die Nadeln noch in Ordnung sind. Wie Du das machst, erfährst Du hier.

CD: Bei CDs können Staub oder Kratzer zu Sprüngen führen. Checke Deine Playlist vorher, damit es bei der Aufnahme keine Überraschungen gibt.

Der Pegel

Den Lautstärkepegel im Mix zu halten ist bereits eine der Fähigkeiten, der viele DJs zu wenig Beachtung schenken. Größere Unterschiede der Lautstärke führen zu Signalübersteuerungen, welche sich nicht schön anhören und fehlende Erfahrungen des DJs untermalen. Zusätzlich erschweren hohe Pegelunterschiede die Nachbearbeitung der Aufnahme. Halte den Pegel im Bereich um die 0 dB. Das gibt Spielraum für die Übergänge.

Tipps zum Pegel:

1. Checke schon beim Erstellen deiner Playlist die Tracks, die von ihrer Lautstärke aus den Rahmen fallen und achte auf den Kanal- und Master-Lautstärkenausschlag (VU-Meter) deines Mixers vor und während der Übergänge.

2. Pegle den lautesten Track bei neutralem Gain/EQ und offenem Kanalfader bei 0 dB ein und schau, dass du bei Übergängen nicht mehr als 1-3 dB lauter wirst. Wenn du keine Decibel-Skala an der optischen Lautstärkeanzeige hast (z.B. in der DJ-Software), dann pegle den lautesten Track so ein, dass du an der Masterpegelanzeige im grünen Bereich bleibst. Im Mix solltest du dann maximal "eine LED" lauter werden/"in den orangenen Bereich kommen". Sofern du einen Spannungsbogen in den Mix einbaust, erlaubt dir diese Prozedur auch im hinteren Teil des Mixes 1-2 dB lauter zu werden.

3. Die Pegelanzeige ist keine hundertprozentige Sicherheit, um die hörbare Lautstärke auf einem Level zu halten, da Tracks jeweils unterschiedliche Dynamiken aufweisen. Den finalen Lautstärkenabgleich machen also die Ohren.

4. DJ-Softwares erlauben es in den Einstellungen den Dynamikbereich zu verändern. Gib dem ganzen noch genug Dynamik, damit du den Rest in der Nachbearbeitung machen kannst. Ein Wert von -6dB ist OK.

Die Aufnahme mit einem externen Recorder

Das Auspegeln bei einem externen Recorder ist ebenfalls essentiell. Nach der Aufnahme empfiehlt es sich, die unkomprimierte Datei auf einen Computer zu übertragen, um sie dort mit einer Software nachzubearbeiten. Falls du keine Software besitzt, kannst du dir den kostenlosen Audio-Editor Audacity herunterladen. Wie es dann weiter geht, erfährst du unter dem Punkt "Die Nachbearbeitung".

Aufnahme mit dem Computer

Wenn du mit einem Digitalen-Vinyl-System (DVS) auflegst, gibt es je nach Software und Soundkarte verschiedene Optionen den Mix wieder in den Rechner zu führen:

1. Mixer mit integrierter Soundkarte: Wenn dein Mixer bereits eine Soundkarte integriert hat, gibt es eventuell die Möglichkeit das Mix-Signal direkt über die Soundkarte wieder in den Rechner zu senden (Der Allen & Heath Xone:PX5 bietet z.B. mit seiner Traktor Scratch zertifizierten Soundkarte an, den Mix über einen fünften Kanal zurück an den Traktor Recorder zu senden).

2. Mixer ohne integrierte Soundkarte: Wenn du mit einer externen DVS-Soundkarte, CD/Media-Playern oder Plattenspielern auflegst, dann kannst du vom Record-Out deines Mixers das Mix-Signal mit einem Cinch auf Stereo Mini-Klinke-Kabel vom Mixers in den Mikrofoneingang deines Rechners gehen. Hierzu benötigst Du dann noch eine Software zum Aufnehmen. Hinweis: Neuere Macs besitzen den separaten Mini-Klinken Eingang nicht mehr! Hier benötigst Du ein TRS auf TRRS Adapterkabel oder eine externe Soundkarte.

3. Externe Soundkarte: Das Aufnehmen des Mix-Signals mit einer externen Soundkarte hat im Vergleich zur Aufnahme mit dem Mikrofoneingang am Laptop den Vorteil, dass du in den meisten Fällen in einer höheren Qualität aufnehmen kannst. Standard wäre 16Bit/44,1KHz, besser ist z.B. 24Bit/96KHz.

Den Mix mit einer Software aufnehmen

Beispielsweise mit Audacity:

1. Wähle hier das Aufnahmegerät aus (Soundkarte).
2. Stelle die Aufnahmequalität ein (z.B. 16Bit/44,1KHz).
3. Mache einen Probeübergang und schau das der Pegel in der Software nicht übersteuert. D.h. die lauteste Stelle sollte noch unterhalb von 0 dB sein!
4. Wenn du dir unsicher bist, dann nimm 2-3 Übergänge auf und höre sie Dir an!

Die automatisierte Aufnahme

Man muss ein DJ-Set nicht zwingend live spielen. Es besteht auch die Möglichkeit die Tracks in einem Sequenzer hintereinander zu arrangieren und die Übergänge zu automatisieren. So kannst du z.B. Sendungen für einen Podcast vorproduzieren, wenn es mal zeitlich etwas eng wird. Um die BPMs angleichen zu können, benötigt man allerdings eine Software, die ein gutes Timestreching besitzt. Ableton Live hat sich hier schon einen Namen gemacht. Wie du in Ableton Live einen Podcast aufnimmst, erfährst du hier.

Die Nachbearbeitung

Wenn du mit der Aufnahme fertig bist, dann sollte in deinem Programm für die Nachbearbeitung eine Wellenform, ähnlich wie im nachstehenden Bild erscheinen. Du wirst eventuell feststellen, dass dein Mix trotz Bemühungen Lautstärkenunterschiede haben wird. Das ist normal und liegt an den unterschiedlichen Kompressionen der Tracks. Um den Mix aber trotzdem noch etwas lauter zu bekommen, ohne dass er übersteuert, gibt es eine simple Lösung in 3 Schritten, die für einen DJ-Mix vertretbar ist. Durch den Einsatz eines Limiters, kann man die Spitzen der Waveform etwas stutzen und die gesamte Wellenform durch das "Normalisieren" wieder lauter ziehen. Hinweis: Je tiefer der Limiter greift, desto kleiner wird die Dynamik. Eine relativ undynamische Aufnahme hört sich meist matschig an und ermüdet das Ohr des Zuhörers schneller. Nutze den Limiter also mit Bedacht. Teste eventuell in mehreren Durchläufen, welche Komprimierung dir am besten gefällt.

Online Mastering

Wenn dir die Schritte der Nachbearbeitung zu kompliziert oder zu mühselig erscheinen, gibt es noch einen Online-Mastering Dienst namens LANDR. Wir hatten LANDR hier bereits getestet und konnten gute Erfahrungen damit machen.

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