Bruchstelle: Ist Techno nicht mehr die Musik der Zukunft?
© Laurent Garnier

Bruchstelle: Ist Techno nicht mehr die Musik der Zukunft?

Features 10. März 2019

Die Debatte um die Qualität zeitgenössischer Musik wurde schon immer ausgiebig wie auch emotional geführt. Jazz und Blues war die Musik des Teufels, die Beatles der Untergang der Gesellschaft, Hiphop treibt Jugendliche in die Kriminalität, der Techno verblödet die Menschen und ist auch überhaupt gar keine richtige Musik. Auch heute noch wird diese Debatte immer wieder neu aufgewärmt. Abseits des pseudowissenschaftlichen Quatschs, der sich vor allem auf YouTube mit Videos wie "The TRUTH why modern music is awful" breitmacht, stellt die heutige Zeit allerdings eine gewisse Zäsur da. Denn die Debatte hat sich vielerorts geändert. Verteufelt wird die neue Musik nicht etwa wegen ihrer Unsittlichkeit oder rebellischen Ader. Vielmehr wird der heutigen Generation vorgeworfen genau diesen Innovationsgeist und die Auflehnung nicht mehr zu haben.

Nun hat sich auch mit Laurent Garnier eine der Größen des Technos zu genau diesem Sachverhalt zu Wort gemeldet. 'Ist Techno noch die Musik der Zukunft?' - diese bedeutende wie auch interessante Frage stellte der französische DJ und Produzent in seinem Real Talk für XLR8R. Garnier, der selbst seit Tag 1 oder vielmehr Tag 2 mit dem Techno verbunden ist, wirft nun einen mehr oder weniger nostalgischen Blick zurück und sinniert anlässlich einer von ihm kuratierten Ausstellung über 30 Jahre elektronische Musik. Sein Text und vor allem seine These, dass Techno eben nicht mehr die Musik der Zukunft sei, sorgte für großes Aufsehen und wurde viel beklatscht - leider aber viel zu wenig diskutiert, denn so manch ein von ihm angeführter Punkt bietet Grund zur Kritik.

Garnier offenbart in diesen Passagen, dass er Musik und deren Geschichte fast ausschließlich linear denkt.

Bevor wir zu Garniers Kernfrage nach der Zukunft der Musik kommen, beginnen wir allerdings mit einem der größten Streitpunkte, die er in seinem Real Talk offenbart. An einem gewissen Punkt nämlich beginnt Garnier damit, ein Bild der neuen Generation (zu der ich mit Ende 20 auch gehöre) zu malen, welches so niemals von uns akzeptiert werden kann und darf: Er spricht von einer frustrierten Generation. Frustriert darüber, dass ja all die Musik, die heute gemacht wird, bereits schon einer früheren Generation gehöre. Gleichzeitig erzählt er uns von den tollen Zeiten damals, als alle fünf Jahre eine völlig neue Musik die andere ablöste. Nun gut, alte Männer, die von früher erzählen, sind nichts Neues. Allerdings offenbart Garnier in diesen Passagen, dass er Musik und deren Geschichte fast ausschließlich linear denkt.

Bei ihm löst das Eine immer direkt das Andere ab. Alles folgt aufeinander und schließt an einem gewissen Punkt ab. Nehmen wir sein Beispiel des Jazz. Für ihn hört der Jazz mit dem Tod von Davis und Coltrane auf und seitdem hören wir in diesem Genre nichts Neues bzw. Bahnbrechendes mehr. Angesichts von heutigen Künstlern wie Jakob Collier, Nate Smith, Flying Lotus, Thunder Cat oder den großen Vertretern des J Dilla Jazz wie einem Chris Dave lässt sich diese Aussage aber relativ schnell widerlegen. Doch all das Namedropping ist wenig zielführend, denn genau so argumentiert Garnier eben auch. Er nennt bedeutende Künstler aus bestimmten Jahrzehnten und erhebt sie zu dem Standard eines Genres. Das ist natürlich eine gern gesehene Argumentation und grundsätzlich auch nicht komplett falsch, allerdings werden so einzelne Künstler idealisiert und gesellschaftliche Kontexte, aus denen sich Musik entwickelt, vernachlässigt.

Dieser eher nostalgische Blick führt nicht nur zu einer ziemlich eingeschränkten Sicht auf musikalische Strömungen, er lässt auch außer Acht, wie sich unterschiedliche Genres und Künstler und Ideen untereinander beeinflussen. Garnier redet unter anderem von Aphex Twin und Hiphop als revolutionäre Musik, beschreibt aber nicht, dass sich beide (beim Hiphop mehr) aus Ideen, die der Jazz zuvor etablierte, speisen und schlussendlich auch wieder in Wechselwirkung in das Repertoire moderner Jazzmusiker übergingen. Als Beispiel: J Dilla samplete einst das Jazz-Stück 'Diana in the Autumn Wind' von Gap Mangione und machte daraus den Hipop-Klassiker 'Fall in Love'. Dieser wiederum wird heutzutage immer wieder von Jazzmusikern aufgenommen und neu interpretiert. Musik bewegt sich also in einem ständigen Kreislauf der Modernisierung alter Ideen. Selbiges gilt im Übrigen auch für den Techno. Kommen wir nun also zu Garniers Fragestellung: "Ist Techno noch die Musik der Zukunft?" - Nun, sehen wir es nach seinen Maßstäben und seinen Anforderungen bzw. Bildern von Techno, dann ist Techno tatsächlich nicht mehr die Musik der Zukunft. Wenn wir Techno und andere Genres als starre Systeme ansehen, die in ihrer Prämisse irgendwann einmal fest definiert wurden, so ist Techno vermutlich tatsächlich am Ende seiner Schaffenskraft angelangt.

Die damalige Zukunft ist in Teilen zur heutigen Wirklichkeit geworden und kann daher als Vision nicht mehr dienen.

Aber: Das Problem in seiner Argumentation ist, dass er den Begriff der Zukunftsvision absolut setzt. Ein Großteil seiner Erklärung leitet er aus der Haltung und den Geschichten ab, die der Detroit-Techno etablierte. Das ist primär auch richtig, betrachtet man die Anfänge des Genres, doch fehlt in seiner Argumentation die Beschäftigung mit dem Zukunftsbegriff der heutigen Zeit. Vereinfacht gesagt gilt für Garnier: Raumschiffe, Weltall, fremde Planeten und unbekannte Technologie = Zukunft und Techno. Das Narrativ des Detroit-Techno findet man tatsächlich nur noch bedingt in der heutigen Techno-Welt. Nur, was sind die heutigen Bilder mit denen Techno verknüpft wird, was sind das für Geschichten, die heute das Genre füllen? Nehmen wir als Beispiel das 2018 von Vril veröffentlichte Album 'Anima Mundi', übersetzt die 'Weltenseele'. Ein naturphilosophischer Begriff, der sich grob gesagt mit der Seele des Menschen und dessen Einklang mit seiner Umgebung und dem Kosmos beschäftigt. Das, was sich also von Kraftwerk bis hin zum Detroit-Techno zog - nämlich der Schritt vom Menschen hin zur Maschine -, wird derzeit umgewandelt in den Ausdruck des Menschen durch die Maschinen. Liegt genau darin nicht die neue Denkweise von Zukunft?

Unser Alltag wird mittlerweile doch nahezu vollständig durch Technologie bestimmt, wodurch diese zwangsläufig zu einer Selbstverständlichkeit, etwas Natürlichem geworden ist. Die damalige Zukunft ist in Teilen zur heutigen Wirklichkeit geworden und kann daher als Vision nicht mehr dienen. Wo früher noch die Faszination an der Selbständigkeit und dem "generischen" Charakter von Drum Machines, Synthesizern, Sequencern etc. den Umgang damit bestimmte, ist es heute vielmehr die Frage, wie wir trotz all der Technologie das Individuelle, das Menschliche in den Vordergrund rücken können. Deutlich sichtbar wird das Ganze in Moogs Werbevideo zu ihrem neuesten Synthesizer, dem Moog One. Knapp 20 Minuten wird der Moog One mit nostalgischen und irdischen Bildern präsentiert und erhebt den elektronischen Klang und den Synthesizer fast schon zu einem sakralen "Natur"-gewordenen Ding. Eine selbige Rückführung zum "Natürlichen" findet sich vor allem auch im außereuropäischen Raum. In Südamerika bildete sich eine große Szene neuer Techno- und Elektro-Musiker, mit Nicolas Jaar als bekanntestem Vertreter. Sie zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie nicht nur viele organische Elemente in ihre Musik einbauen, sondern sich vor allem auf folkloristische Klänge beziehen, wie beispielsweise im 'Andes Step'. Gleiches gilt im Übrigen auch für die südafrikanische Gqom-Szene.

 

Die Vorstellungen von Techno ändern sich derzeit weltweit. Das "klassische" Science-Fiction-Narrativ von Robotern und Dystopien weicht in gewisser Weise dem Umgang mit dem hier und Jetzt und dem irdischen Individuum. Die ewige Blade-Runner-Referenz findet allmählich ihren Weg in die Mottenkiste. Das Bild, das wir heute von einer TR-909 oder einem Juno haben, ist nicht mehr mit Raumschiffen und deren Cockpits verknüpft. Vielmehr gaben wir den Instrumenten eine Seele und sprechen von Wärme. Wir haben das in Detroit etablierte Konzept des Techno also übernommen, nur füllten wir es mit neuen Geschichten und neuen, am aktuellen Zeitgeschehen orientierten Sichtweisen auf das Genre. Die Frage lautet also vielmehr: Ist Techno tatsächlich nicht mehr die Musik der Zukunft oder kann sich Garnier nur nicht von seiner Vorstellung davon trennen? Natürlich durchläuft Techno derzeit einen Zyklus der Reproduktion und hier und da werden alte Kamellen recht uninspiriert wieder aufgewärmt. Gleichzeitig hat das Genre aber durch veränderte und teils vereinfachte Produktionsweisen einen großen Zulauf neuer KünstlerInnen erfahren, die neue musikalische Facetten und Zukunftsbilder erfinden und Techno damit nach wie vor bereichern. Das geht in Garniers Aussagen in seinem von Nostalgie geprägten Blick dann leider etwas verloren.

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Geschrieben von:
Simon Ackers

27 Kommentare zu "Bruchstelle: Ist Techno nicht mehr die Musik der Zukunft?"

Roland 13. März 2019 • 10:36 Uhr

Techno war noch nie die Musik der Zukunft. Bedingt durch ihre stupide Einfachheit eine Todgeburt. Und das auch zum Glück. Musik ist eine Sprache, die Gefühle transportiert... das ist mit dumpfen Beats und immer gleichen Squenzen nur in geringstem Maße möglich. Techno war nach meinem Empfinden der bisherige Tiefpunkt der Musikgeschichte...gleich gefolgt von Marschmusik und Schlager

Detlef Soest 13. März 2019 • 10:40 Uhr

Ahja! Und was ist deine rMeinung nach die Musik der Zukunft? Gut, dass sich über Geschmack nicht streiten lässt.

Christian Demant 13. März 2019 • 10:45 Uhr

Interessanter Ansatz. Alles ist nicht nur in permanentem Wandel. Aktuelle Zeitereignisse und Erfahrungen werden je reflektiv in Kunst und Kultur eingebunden oder diese benutzt um zu artikulieren. Bilder von Zukunft sind auch in ständigem Wandel. Alles eine Frage von Perspektive. Allerdings laufen wir Gefahr statt es einfach zu leben und erleben ... über alles endlos zu diskutieren und zu schwafeln, zwecks Definierungsversuchen. Für alte Männer und Frauen der Genres u. jeweiligen Zeiten macht es ja auch nicht immer Spass zu merken die eigene Zeit war einmal. Das betriftt fast alle. Man muss pragmatisch dran bleiben wie Karl Lagerfeld.

Christian Demant 13. März 2019 • 10:48 Uhr

Machen und Fakten schaffen definiert Zukunft mehr, als sich per Diskussion an Irgendwas ab zu arbeiten.

Romanus 13. März 2019 • 10:52 Uhr

Wenn alte Kamellen wieder aufgewärmt werden, so sagt das wohl aus, dass man nicht in der Lage ist, selbst ein neues Werk zu schaffen, das zum Hit wird. Nur ein paar Töne zusammenzuwerfen und sie mit Bass zu untermalen genügt nicht. Man muss die Fähigkeit besitzen Töne zu entwickeln, die die Seele berühren, den Zuhörer im Club nicht nur mit Lärm zuzudröhnen, sondern Klänge und Rhytmen, die nicht wie Baulärm klingen, sondern ein Erlebnis sind, wie ein Antidepressivum. Lieder mit Gefühl, wie beispielsweise die alten italienischen Acid-Techno-Rhytmen, die Phase, in denen alle Lieder mit Klavier untermalt wurden, die dann alle Hits übernahmen und ein Kassenschlager wurden.

Constantin Sasse 13. März 2019 • 10:59 Uhr

Hmmm. Ich lese deinen Text und deinen Aufruf zur Diskussion und habe irgendwie leider wie LG auch ein Bild vormeinem inneren Auge eines Jugendlichen bald erwachsenen Mannes, der eine gewisse Frustation in sich trägt und die Stagnation der Musik zwar erkennt, aber auch keine Idee hat wie sich das ändern kann.

Nur weil aus vielen Stilen weiter Schönes oder Elementares kopiert oder genutzt wird, entsteht noch lange keine neue zukunftliche Musik. Es stagniert. Und das ist frustierend. Für dich wie für mich (43).

Mein Vorteil: Ich hatte meine Rebellion. Dir wird sie dein Leben lang irgendwie fehlen. Also diskutier nicht - mach was! Erfinde was! Rebelliere auch gegen meine Worte mit Taten - nicht mit dem Internet.

Florian Gray 13. März 2019 • 11:00 Uhr

Die Frage ist doch eher, ob Musik noch die Musik der Zukunft ist.
Hat Sound-Innovation als pop- und subkultureller Identitätsstifter im Hinblick auf den Aufstieg völlig neuër Kategoriën wie Ernährung, Geschlecht und (wieder) Ethnië vielleicht längst ausgedient?

Eine Bejahung dürfte die "alten Männer" und Frauën des Techno noch viel mehr schocken.

Alex 13. März 2019 • 11:03 Uhr

Zum Glück ist das nur Deine persönliche Meinung und Du auch nur ein Bruchteil der Gesellschaft.

Pirat 13. März 2019 • 11:12 Uhr

Hallo Roland - eine Todgeburt ist also Deiner Meinung nach eine Musikrichtung welche nun mittlerweile seit fast 30 Jahren existiert und sich auch immer wieder ständig neu erfindet?
Daran und dass sie Deienr Meinung nach nur aus dumpfen Beats & den gleichen Sequenzen besteht sieht man dass Du Dich bis jetzt damit üebrhaupt nicht befasst hast. Das ist an sich OK - aber dann doch bitte solche abwertertenden Kommentare unterlassen weil sie de fakto falsch sind.

Thomas Gamio 13. März 2019 • 11:14 Uhr

1. derzeit brodelt von unten (und das ist oft die zukunft) das Unperfekte. Auch jenseits vom (echten) Underground liebäugeln viele mit unperfekter Musik. Echter Sound, kleine Fehler - Handgemacht halt. In überproduzierten Zeiten für viele ein Genuss.
2. Rebellion (in der Musik) sieht heute für viele Alt-68er (die noch glauben die Stones und die Doors wären Rebellion!) aus wie reinstes Spießertum! Früher sind sie an die ran gegangen die über Drogen, Teufel und Sex gesungen haben. Heute sind die bösen Buben (bsp.: die jüngste Debatte um A.Gaballier oder die Echo-Ausladung von Freiwild) denan man Sexismus, Heimattümelei, "rechtes Gedankengut", etc. vorwirft. Alles andere schockt keinen mehr! Black Metal kann (in ihren Liedern) ganze Armeen von Nonnen vergewaltigen und verbrennen, HipHop kann Polizistenmord besingen, Punk den Untergang Deutschlands und auch den Mord an Polizisten...alles gut! So gut, daß der Bundespräsident es toll findet! Somit sind die "alten" und "konsevativen" Werte, das einzige was noch Wellen schlägt!!!

NBG 13. März 2019 • 11:21 Uhr

Ich war ab 1990 in der Technoszene aktiv, bin also auch schon ein alter Mann mit "linearer" Denkweise .-)

Fakt ist: Die Musik war NEU! Aufbruchstimmung! Vibes! Wer macht den neuesten geilen Track? Wer den schnellsten? Wer den härtesten? Wer programmiert den neuesten Sound?

Techno, Tekkno, Techno House, House, Acid, Breakbeat, Trance, Jungle, ...

Ich habe mich vor einigen Jahren dann komplett ausgeklinkt, weil überall nur noch Minimal bzw. Deep House lief. Tut es immer noch, keinerlei Evolution zu merken. Regelrecht Angst, mal was anderes zu spielen.

Selbst "reine" Technopartys haben nix zu bieten außer einen vielen zu boomenden Kick und keinerlei Inhalt im Track außer bissel Gezischel. Da werkeln die Typen tagelang an einer Kick und im Club klingt trotzdem alles gleich. Mixing top, Inhalt flop. Man merkt da eben, dass keine Musiker am Werk sind sondern eher Techniker.

Die heute Generation frisst das aber ohne jegliche Kritik. Früher wären die Tanzflächen aus Protest leer gewesen wenn langweilige Scheiße läuft.

Drogen waren früher das i-Tüpfelchen zur geilen Musik, heute muss man sie anscheinend nehmen um der stupiden Musik überhaupt noch etwas abgewinnen zu können.

Tanzkultur? Ebenfalls im Eimer. Es wird nur noch geschunkelt, keiner schwitzt mehr. Die Leute sehen aus wie austauschbare Hipster, nicht wie Technos.

Und es ist eben keine Neuerung, wenn irgendwelche nicht-technoiden Lieder mit einer 909 Kick 4/4 unterlegt werden.

Junge Leute haben jetzt mehr Zugang zur Produktion und die Globalisierung wird Techno retten?! :-D

Ja wo sind denn dann die richtig geilen NEUEN Tracks? Kommt mir bitte nicht wieder mit Ausreden a la "du darfst nicht nur bei Beatport gucken", "du bist zu alt" oder "du gehst auf die falschen Partys".

Und klar ist diese Generation gefrustet: Wieso sonst produziert sie Tracks die es vor 20 - 25 Jahren schon ähnlich gab, nur vielleicht nicht ganz so "perfekt" abgemischt? Wieso müssen tausende Teens Late 80er Chicago House produzieren? Stolz drauf etwas nachzubauen? Bravo! Wieviel Downloads verkauft davon? 45? Superbravo!

Sorry, aber ich bin jedes Mal wieder enttäuscht wenn ich mich zu einer Technoparty überreden lassen. Es ist einfach grottenlangweilig. Es gibt da nie Gänsehautmomente, irgendwelche Basslines die einen webknallen oder Sounds die einfach überwältigend sind.

Ich warte ja immer noch auf ein Revival von Old School Techno Anfang der 90er... aber das ist den Teens ja zu schnell, zu direkt, zu hart und man müsste sich tatsächlich mal ansatzweise mit Melodien oder gar Chords beschäftigen :-D

Rainer Hohn 13. März 2019 • 11:25 Uhr

Ich habe diese "Klingeltöne" noch nie wirklich als Musik gesehen, da kommt, für mich, so manche Baustelle melodischer rüber.
Vor 20 Jahren habe ich gedacht / gehofft Musik wie von "Skunk Anansie" würde die Zukunft gehören.
Rückblickend habe ich aber eher die Befürchtung, das die Musik der Zukunft eher in Richtung Werbejingles geht. Richtig revolutionäres gab es doch nicht mehr. Dafür geht es NOCH mehr in Richtung komerzielle Massenware.
Was mich aber wirklich schockiert ist, daß das "Folterinstrument" Schlager nicht tot zu kriegen ist. Allerding stützt das ja gerade auch meine "komerzielle Massenware"-These.

Uwe.Bastidon 13. März 2019 • 11:35 Uhr

Ein ganz wunderbarer Artikel!Im Vergleich zu dem Alter von Laurent Garnier bin ich mit meinen 61 doch gut dabei :-) ,aber seine Meinung ist die eines nicht weltlich gereiften Menschen,der Versuch seine eigene Meinung als grundsätzliche Erkenntnis der Wahrheit zu vermitteln zeugt nur von Selbstüberschätzung,vielleicht unbewußt erzeugt durch die ihn euphorisch feiernden Technofans vor dem Dj-Pult bei seinen Live-Auftritten.Egal,denn die Wahrheit liegt nicht in den Augen eines Betrachters da er ja nur seine Sichtweise hat! Jeder,egal wie alt,hat seine Musik die in ihm Energien freisetzt die seine Stimmung positive für ihn verstärken und durch das Tanzen nach Außen dringen.Nun hat es die Natur so eingerichtet das die Zeit der Pubertät auch die natürliche Zeit der Rebellion ist.Der Rebellion gegenüber der "Erwachsenenwelt" ,denn das Infragestellen der sogenannten Autoritäten liegt in der Natur selbst und nennt sich Evolution,denn so wie jeder Körper sich weiter entwickelt auf Grund der Lebensbedingungen in seinem Umfeld,so entwickelt sich auch der Geist weiter.Durch das Infrage stellen der objektiven realen Welt,weiß jeder,wenn er/sie es wissen wollen,das die Welt der Erwachsenen eine verlogene und gierige Welt ist.Nur weil wir mit dem älter werden auch angepasster und ruhiger werden,heißt das nicht, das die nächste und nächste Generation nicht auch in die Pubertät kommt.Jede wird ihren Stil finden und deshalb nicht alles "Alte" verdammen.Die sogenannten Evergreens gibt es auch schon länger als 20 Jahre.Gutes neu zu entdecken ist nicht gerade Unintelligent und es dann noch kreativ neu zu arrangieren das ist gelebte menschliche Evolution.Das Gute bewahren und dem realen Leben wenn möglich neu anpassen.Vergleiche gibt es in jedem Musikstil zu jeder Zeit.Also abschließend ein Hip Hip Hurra :-) ! für die heutige Jugend,denn sie sind! Aber wollen nicht nur leben sondern auch Leben erhalten,bewahren,schützen und retten! One Earth-One Nature-One Human Race!Vergleiche Visionen immer mt dem Leben das die Geschichte das zu geformt hat ,denn es bedarf immer einer zweiten Sichtweise um den Mittelpunkt für Alle zu finden.Also vielen Dank Simon für deinen wirklich, aus meiner Sicht,sehr guten Artikel. U.Bastidon

Roman Roeffen 13. März 2019 • 11:51 Uhr

Ich kann vieles von NBG nachempfinden, bin auch ein "alter Techi" seit 1993 bis 2002 in der Szene aktiv und seit 3 Jahren lass ich mich wieder inspirieren.

Meine Wertung: Die aktuellen Dj`s und Producer sind in der Lage dank der Baukastensysteme in Minuten einen "neuen" Track zu erstellen.
Hauen dann im monatlichen Takt ein Track raus.

Die Wertung von DEN MEISTEN dieser Tracks sieht bei mir so aus: Es gibt einen kurzen Kick von neuen Melodien, Grundtakt immer gleich. Dies führt dazu, dass ein Track sehr schnell langweilig wird.

Früher: Die Tracks waren viel Ideenreicher produziert und meine Top 100 Tracks faszinieren mich heute auch nach über 25 Jahren noch. Sie wurden einfach überhaupt nicht schnell langweilig.. und deswegen habe ich meine ca. 2000 Vinyl-Schallplatten immer noch.

Als Beispiel:
Jens Lissat- Just let it roll
Laurent Garnier - Wake up
Sunbeam-Outside World
Jam & Spoon- Follow me

und viele andere Stücke habe ich über Jahre mit der gleichen Begeisterung gehört.

Dies ist bei den heutigen Stücken nach Wochen MEISTENS schon nicht mehr der Fall.

Ausnahmen:
z.B. Alan Fitzpatrick- Truant
und diverse Stücke von Skober

Ist Techno out?

Nein, die Clubmusic wird bestehen bleiben.

Ich bin einer der heutzutage immer noch normale Radiosender wie 1Live und BigFM hört und so 1-2 pro Woche am Schallplattenspieler und CDJ für ca. ne Std Musikmixe spiele...

Harry X 13. März 2019 • 11:52 Uhr

Wenn man vorher wüßte, was die Musik der Zukunft wäre, dann wäre die Musik ja schon da, und damit keine Zukunft mehr. Die Frage danach scheint mir völlig irrelevant zu sein.
Das Problem -wenn man denn so will- scheint mir eher die Übersättigung zu sein, die gleichzeitig umfangreiche Auslotung der Stil- und Produktionsideen, verbunden mit der weitgehenden Demokratisierung der Produktionsweisen, bei denen musikalische Vorkenntnisse nicht mehr von übergeordneter Bedeutung sind.
Dass die musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten, obwohl prinzipbedingt unbegrenzt, nicht allzu oft die Grenzen des bereits Bekannten sprengen, liegt vermutlich jeweils an der kulturellen Sozialisation des Künstlers, der eher an Bekanntes anknüpfen kann als was komplett Neues zu erfinden.
Es ist so gut wie immer möglich, was Neues in Musik zu entwickeln. Manches davon wird früher oder später einfach zur Totgeburt, manches lebt davon, daß die nachwachsenden Rezipienten den alten Kram so gut wie gar nicht kennen. Insofern wird es auch immer Revivals geben, die dem alten Sound neue Ideen hinzufügen - nicht zuletzt durch Sampling.

Irgendjemand schrieb mal in der Spex Ende der 80er, daß es doch erstaunlich ist, was für einen unterschiedlichen Sound man allein aus den George Clinton'schen P-Funk-Vorlagen herauskitzeln kann: Da gab es den noisig-dreckigen Polit-Funk-HipHop a la Bomb Squad (Ice Cube, Public Enemy), den party-spassigen, manchmal psychedelischen HipHop von Digital Underground, bis zum weniger gesampelt als nachempfundenem G-Funk (Warren G, Snoop Doggy Dogg), und sicherlich noch mehr Sachen, die mir grad nicht einfallen. So hat sich seit ca 2012 ein Genre im Underground etabliert, das sich Vaporwave nennt und im Grunde ein erweitertes Internet-Mem ist:
https://de.wikipedia.org/wiki/Vaporwave
Nicht, daß das die Musik der Zukunft wäre... aber es zeigt, was man eigentlich noch alles machen kann mit heutigen Mitteln...

Kaiser 13. März 2019 • 12:55 Uhr

@Roland:
Wie kommst Du auf den Gedanken, dass Techno stupide einfach wäre? Wie viele Techno-Tracks kennst Du denn? Wenn Du Dich ausschließlich auf Tracks wie "Hyper Hyper" beziehst, würde ich Dir ja noch Recht geben, allerdings hat moderner Techno mehr mit orchestraer Musik zu tun, als mit stumpfsinnigem Gestampfe. Das gibt es natürlich auch, so wie jeder Musikstil seine Negativbeispiele hat.
Techno besteht nicht nur aus Beats, es gibt ein unerschöpfliches Repertoire an Klängen, Geräuschen, Melodien, die miteinander kombiniert und permutiert werden, und es gibt Künstler, die es geradezu meisterhaft verstehen, diese Möglichkeiten zu nutzen.
Einige DJs können nach meinem Empfinden durchaus mit Größen der Musikgeschichte, wie Bach, Hendrix oder McCartney gleichziehen, was ihre musikalischen Fertigkeiten betrifft. Auch die resultierenden Musikstücke können dabei ganz große Emotionen transportieren.
Ich lese Deinen Kommentar so, als hätte da jemand in den 90er Jahren mal ein, zwei Techno-Tracks von einer Bravo Hits gehört und danach seine Meinung zu dieser Musikrichtung in Stein gemeißelt. Mir ging es damals genauso, inzwischen habe ich aus dem Ozean an Techno-Stilen herausgefunden, was mir gefällt. Vielleicht solltest Du es noch einmal versuchen. Es könnte sich lohnen!

WirGefuehl 13. März 2019 • 13:28 Uhr

Hach ja... Früher war alles besser...!

Techno ist halt, wie alles in der Musik, Kultur und Natur, im stetigen Wandel. Ich (39) genieße das seit Jahrzehnten und bekomme immer noch oft genug eine Gänsehaut auf der Tanzfläche - mitunter auch bei Herrn Garniers Tracks. Wenngleich ich seine Frage ziemlich beknackt finde.

Anyway, vielen Dank für den Artikel!

NBG 13. März 2019 • 13:47 Uhr

Kleiner Nachtrag: Auch die "alte" Miss Djax sieht das so:

"Nowadays being a record label is uploading tracks online and do social media stuff."

"But the problem is that every week thousands of tracks are being released on the internet which will already be forgotten in the week after. Everybody is making music, everybody is DJing."

"In the last 5 years, I have only been buying a few new records. The reason is that I have so many great records from the nineties which I am still playing that I decided that I don’t need anymore new records. Also for the new generation ravers that come to my gigs, these old records are new."

"Back in the days, when you didn’t have the records, you couldn’t play them. And if you got the promos, you and maybe ten or 20 other DJs had them, too, at best. Now you can go online, find a list of all the classics, download them and play a classics set. Very easy. There’s not much evolvement in that."

"But how can techno evolve? I don’t know! So much has been done already."

https://groove.de/2019/03/08/miss-djax-groove-podcast-200/

Die Distributoren sollten pro Track 10 €, pro EP 50 € und pro Album 100 € verlangen, dann hätten wir sicherlich 90% weniger Müll auf den Plattformen.

Harry X 13. März 2019 • 14:04 Uhr

@NBG:
Diese Miss Djax-Zitate zeugen doch nur von Elitarismus. Auch wenn ich einige der Aussagen an sich unterschreiben würde, die Konklusion nicht - ich sehe kein "Problem".

"Die Distributoren sollten pro Track 10 €, pro EP 50 € und pro Album 100 € verlangen, dann hätten wir sicherlich 90% weniger Müll auf den Plattformen."

Das, oder noch mehr Müll von reichen Kiddies, die sich das von den Eltern bezahlen lassen. Oder den totalen Kommerz und die eiskalte Berechnung dahinter.

NBG 13. März 2019 • 15:25 Uhr

@Harry X:

Ich glaube die Pioniere von damals können sich diesen "Elitarismus" leisten, schließlich haben die Neulinge nichts vorzuweisen und gammeln nur im gemachten Nest rum.

Ach Du meinst dann würden sich Releases nur noch die Reichen leisten können?! :-D Also bitte, die 10 Euro hat doch jeder übrig. Wer natürlich wöchentlich Mist rausballert, der überlegt sich dann aber vielleicht zweimal ob sich das für ihn lohnt.

Harry X 13. März 2019 • 15:39 Uhr

@NBG:
Falls du das ernst meinst: Wovon unterscheidet sich dann diese Meinung von der alten Rockisten-Redensweise a la "Techno ist stupide und hat mit Musik nichts zu tun" oder "Früher gab's noch echte, handgemachte Musik", wie sie hier ja auch schon geäußert worden ist?
Was sollen denn deine Neulinge deiner Meinung nach tun? Die Musik ganz neu erfinden, mitsamt den technischen Geräten dazu? Das ist absurd.

Ja, einmal 10€, das kann sich vllt jeder mal leisten. Aber dann versackt der Track da, während Leute, die vllt 100 Tracks, die noch nicht mal gut sind, raushauen und das auch bezahlen können und wollen, den Laden überschwemmen. Das ist doch schon überall so, soll es bei Musik auch so sein, eine Diktatur des Kapitals? Das wäre genau das Gegenteil einer Demokratisierung von Musik, ja nahezu schon Zensur. Und das willst du ernsthaft?
Zum zweiten: Selbst, falls alle Plattformen genau das einführen würden, es würde nicht lange dauern, und Plattformen ohne diese Gebühren würden erneut wie Pilze aus dem Boden schießen.
Was meinst du, warum zB bandcamp sehr gut läuft? Weil es dort diese A-Priori-Gebühren eben nicht gibt.

Chama 13. März 2019 • 16:33 Uhr

@Harry X:

Hier reden Techno-Pioniere über Techno, nicht Rocker über Techno.

Die Neulinge sollten NEUE Musik machen, schließlich haben sie jetzt doch tonnenweise Plugins für umsonst.

Wenn sie nicht in der Lage sind NEUE Musik zu machen, dann sollen sie es bitte bleiben lassen.

Es ist schon mehr als peinlich, wenn man alte Musik lediglich aufwärmt und absolut keine Einzigartigkeit besitzt.

Aber anscheinend fehlt da den Millenials komplett die Selbstreflektion.

[quote]"Ja, einmal 10€, das kann sich vllt jeder mal leisten. Aber dann versackt der Track da, während Leute, die vllt 100 Tracks, die noch nicht mal gut sind, raushauen und das auch bezahlen können und wollen, den Laden überschwemmen."[/quote]

Dann gäbe es immerhin 99 miserable Tracks weniger.

"Demokratisierung von Musik"? Prima! Wohin hat das denn geführt? Jede Woche tausender "neue" Tracks, die keinen interessieren und die Plattformen regelrecht zumüllen.

Auf Bandcamp ist man noch schlechter gestellt als bei Beatport, aber geschenkt! Kostenlose Portale wie mp3.com gab es schon vor Jahren - sind alle gefloppt.

Harry X 13. März 2019 • 17:35 Uhr

@Chama:
Über die Absurdität deiner äh Argumente braucht man wohl kein Wort weiter verlieren.

Aber.. ist es dir nie in den Sinn gekommen, daß den jüngeren Musik-Produzenten ihre Musik gar nicht für dich machen, sondern für ebenso junge oder noch jüngere Konsumenten? Den Opa, der nur immer "damals in den Ardennen..." rezitiert, den haben die nicht im Blick. Und völlig zu recht.

Chama 13. März 2019 • 18:35 Uhr

@Harry X:

Na zum Glück haben wir Dich als Deuter der Meinungshoheit hier! :-D

Die Leute früher waren einfach Teil einer (neuen) Bewegung.

Die Teens heute wollen nichts Neues produzieren, nur irgendwie ein wenig das Taschengeld aufbessern und irgendwie berühmt werden für eine Woche. Natürlich mit so wenig Aufwand wie möglich. Was liegt da näher als billiger Techno?

Die Jugend ist gelangweilt und frustriert - wäre ich als Millenial vermutlich auch.

Dann recycelt mal alle schön weiter...

Harry X 13. März 2019 • 18:59 Uhr

@Chama:
Es geht nicht um die Meinungshoheit _hier_ oder sonstwo, sondern um eine realistische Einschätzung des Status-Quo.

Du kannst diese Pauschalaussagen nicht belegen; manche machen das vielleicht so, aber sei doch ehrlich: Wenn du zu den Techno-Hochzeiten das schnelle Geld hättest machen können, hättest du gesagt, nee, das mach ich nicht, aus Prinzip?

Wenn ich mir diese Miss Djax- Tracks, also, sorry, die sind doch auch nur schnell und billig hingeklotzt. Arrivierte Musiker hätten sich dafür damals geschämt.

Wie auch immer: Recycling ist eine uralte Technik. Da heute plötzlich aus der Warte des Veteranen was Verwerfliches dran sehen zu können, ist Heuchlerei.

Chama 13. März 2019 • 19:29 Uhr

@Harry X:

Meine realistische Einschätzung:

Techno ist nicht "tot", hat sich aber seit Jahren (!) nicht weiterentwickelt.

Wir "Alten" hatten damals definitiv mehr Spaß an Techno - sei es nun auf Partys, beim Musikmachen, Tanzstile, Lifestyle insgesamt oder aber auch die Klamotten.

Mit Verlaub darf ich natürlich dann auch mit der heutigen Szene vergleichen und kommentieren/kritisieren.

Du kannst es gerne schönreden, aber Techno ist einfach nichts "Besonderes" mehr.

Es ging damals um neue Sounds kreieren, nicht unbedingt im Kohle machen. Ein unkommerzieller Wettbewerb.

Aber man musste eben in Vorleistung gehen (Equipment kaufen und auch erlernen), Labels gingen mit Vinylpressungen immer ein Risiko ein und haben daher nicht "alles" veröffentlicht so wie heute.

Was Du musikalische Demokratie nennst, nenne ich kapitalistischen Spam.

Die Djax hab ich nicht ins Spiel gebracht und habe auch keinerlei Tracks von der in meiner Sammlung. Trotzdem hat sie DAMALS wohl für frischen Wind gesorgt und sich einen Namen gemacht. Aber anscheinend störst Du Dich als Millenial da schon wieder mehr am Mixing als im Inhalt?! ;-)

Gegen kreatives Recycling ist nichts einzuwenden, schließlich bestanden die ersten Technotracks größtenteils auch nur aus geklauten Stabs. Allerdings wurde hier etwas Neues erschaffen. Heutiger Techno ist nur ein primitiver Nachbau ohne eigene Ideen.

PS: Unter Techno verstehe ich übrigens sowas wie Cybersoniks "Technarchy" von 1990.

Harry X 13. März 2019 • 21:33 Uhr

@Chama:
Dein letztes Posting liest sich ja schon ganz anders. Bevor ich drauf eingehe, möchte ich aber ein paar Mißverständnisse aufklären:
1. Ich steh überhaupt nicht auf Techno. Für mich ist Techno der Inbegriff musikalischer Langeweile bis zur Einfallslosigkeit. Von 100 Techno-Tracks finde ich vielleicht einen gut. "Technarchy" ist auch stinklangweilig. Als Abwechslung vortäuschendes Alibi mal ne Acid-Line reinschmuggeln. Von R Hawtin aka Plastikman hab ich schon sinnfälligeres gehört.
2. Ich verteidige Techno auch nicht. Das einzige, was ich verteidige, ist das Recht, die Musik zu machen, die man machen will oder kann und sich nichts vorschreiben zu lassen. Natürlich kann jeder seinen Senf zur Musik zugeben, aber jemandem kurzerhand absprechen zu wollen, seine (Scheiss-) Tracks nicht irgendwo hinladen zu dürfen und man vielleicht einfach nur Feedback haben will, weil jemand meint, sich da als Geschmackspolizei aufspielen zu müssen - da seh ich keine ernsthafte Grundlage.
3. Ich bin auch kein Millennial, vermutlich bin ich älter als du. Als ich Teenie war, waren The Sweet, Bay City Rollers und KC & The Sunshine Band in den Charts ;)

Für mich war um 1990 herum der ganze Techno-Kram ein Rückschritt, doofe Musik zum Abgewöhnen. Mit AcidHouse konnte ich mich meist anfreunden, das meiste aus der Techno-Sparte hatte mich veranlaßt, weniger Musik zu hören. Das kam erst mit DrumnBass ca 1996 zurück.

"Techno ist nicht "tot", hat sich aber seit Jahren (!) nicht weiterentwickelt."

Aber das gilt doch für alle Genres. Kannst du mir ein Genre nennen, in dem sich was wirklich Aufregendes tut? Hör doch mal in heutigen HipHop rein, oder irgendwelchen Befindlichkeits-Folk oder ambiente Sachen. Nichts wirklich Neues, wirklich immer dasselbe mit bestenfalls graduellen Unterschieden. Und dann noch so hochglanzig produziert.

Du darfst alles kritisieren und kommentieren. Aber du kannst nicht damit rechnen, daß Kritik oder Kommentare unkommentiert bleiben.
Ich will Techno auch gar nicht schönreden (s.o.), aber ich wehre mich gegen diesen offensiv geäußerten Anspruch a la 'Nur weil wir damals 'neue' Musik hatten, dürfen irgendwelche Youngsters nicht nur nicht kopieren, sondern sollen die Pfoten am besten ganz von der DAW lassen.'

"Aber man musste eben in Vorleistung gehen (Equipment kaufen und auch erlernen), Labels gingen mit Vinylpressungen immer ein Risiko ein und haben daher nicht "alles" veröffentlicht so wie heute.

Aber das ist doch gerade der Witz, daß man eben so gut wie kein Risiko eingeht und daher auch völlig abstruse Sachen machen kann, ohne damit rechnen zu müssen, daß man auf einer Halde Vinyl bzw. einem fetten Minus auf dem Konto sitzenbleibt. Daß sich die guten abstrusen Sachen zwischen einem riesigen Haufen schlechten Sachen verbergen, das gefällt mir ja auch nicht wirklich, aber ich würde nie auf die Idee kommen, jemandem sein Recht (s.o.) absprechen zu wollen.
Ich finde das auch ätzend, wenn jemand meint, nur weil er mit Musicmaker n paar Techno-Pattern zusammengeklickt hat, wäre er nun das Supertalent; bei bandcamp surfe ich auch mal ab und zu son bischen durch, meistens hab ich aber nach spätestens 8-10 durchgeskippten Alben die Nase voll, weil echt nichts davon mir ausreichend originär vorkam.

"Djax"
Stimmt, ich hab das nur als Beispiel gemeint.

"neue Sounds"
Es ist schon so viel gemacht worden, da wirklich was Neues zu erfinden (nicht nur im Techno), halte ich für extrem schwierig. Forscht man mal ein bischen nach, so gab es bereits in den 50ern und 60ern super-seltsame Sachen, die nur mit großem Aufwand hergestellt wurden (zB Bandfitzelarbeiten).

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