Test: Ableton Note / iOS-App für Songskizzen und Beats

Test: Ableton Note / iOS-App für Songskizzen und Beats

Tests. 31. Oktober 2022 | 5,0 / 5,0

Geschrieben von:
Kai Dombrowski

Ableton Live Workflow am Smartphone oder Tablet? Dank der neuen Ableton Note App wird der Traum endlich Realität – allerdings nur für iOS Devices. Zum Preis von 6,99 Euro lassen sich mit Ableton Note Beats und Songskizzen gemäß der Session View der Berliner DAW erstellen und per Cloud-Transfer direkt auf den Rechner laden. Damit kommt die App zwar nicht an den Funktionsumfang von Live heran, doch mit diversen Drumkits, virtuellen Instrumenten, Effekten und integriertem Sampling kann man schon einiges machenn. Die Details gibt’s hier im Test.

Quick Facts

  • 56 Drumkits, 261 Synth-Sounds und 36 Sampler-Instrumente
  • Quantize, Scale-Mode und Note Repeat
  • Automation- und MIDI-Capture
  • Jeder der 12 Tracks kann als MIDI-Track verwendet werden
  • DAW-Integration mit Ableton Link und Ableton Cloud

Getting Started

Ableton Note ist schlappe 544,7 MB groß und kann für nur 6,99 Euro im App Store heruntergeladen werden. Nach dem Öffnen stehen drei Demo-Sets zur Auswahl, mit denen man den Funktionsumfang der App testen kann. Alternativ kann mittels Neu-Button oben rechts im Bild ein frisches Projekt gestartet werden. Neue Sets sind mit drei Spuren ausgerüstet, wovon die erste immer ein Drum Rack mit zufällig ausgewähltem Kit beherbergt. Die anderen beiden Tracks sind mit einem der zahlreichen Softsynths und Sampler-Instrumente bestückt, wobei auch hier die Vorauswahl dem Zufall überlassen ist. Zum Ändern der Sounds berührt man einen leeren Clip des gewünschten Tracks oder gleich das bunte Icon in der obersten Zeile. Ein weiterer Tap auf den Preset-Namen der nun ausgewählten Spur führt direkt in den Browser.

Die vielen Presets sind vorwiegend nach Instrumentengruppen wie Bass, Brass, Guitars, Mallets oder Piano sortiert. Für Synths und Special Effects dienen Kategorien wie Lead, Pad, Pluck oder Rhythmic. Drums sind auf die Bereiche Acoustic, Electronic und Hybrid aufgeteilt. Auch leere Drumracks und Sampler stehen hier zur Auswahl, die man dann mit der Sampling-Funktion bestücken kann, doch dazu später mehr. An sich ist Ableton Note’s Bibliothek angenehm überschaubar, allerdings ist nicht ersichtlich, bei welchen Instrumenten es sich um Sampler oder Softsynths handelt – in der Praxis scheint das aber auch relativ egal zu sein. Wer mehr als drei Tracks haben will, kann einfach im Session View nach rechts scrollen und über den Plus Button neue Spuren hinzufügen.

Ableton Note Clip View.

Ableton Note: Die Noteneingabe

Um im Intrument View zu laden, kann man im Session View auf einen Clip tappen oder das Track Icon gedrückt halten. Bei Drum Tracks dient hier ein klassisches 4 x 4 Grid zur Noteneingabe und getriggerte Sounds werden direkt vom MIDI-Capture erkannt und grafisch in der Bildschirmmitte angezeigt. Die Noten können zwar direkt in den Clip übertragen werden, doch es empfiehlt sich, zunächst den Play-Taster unten rechts zu aktivieren. Dann ist nämlich auch der Click zu hören und Ableton Note nicht raten muss, welche bpm passt – das geht in der Regel schief. Die Clip-Länge kann die App ziemlich gut selbst ermitteln, alternativ kann man zuerst auf den Plus-Taster über dem Grid tappen, um eine Clip-Länge vorzubestimmen. Noteneingaben und Overdubs können über den „Hinzufügen”-Button ganz unten im Bild in den Clip übertragen werden und es erfolgt die Wiedergabe im Loop.

Ableton Note Noteneditor.

Links neben dem Play- bzw. Stop-Taster befinden sich Buttons für die Quantisierung, das Duplizieren des Clips und die Menüleiste. Letztere beherbergt spannende Features wie Note Repeat mit verschiedenen Subdivisions oder den Single-Pad-Modus, in dem das zuletzt betätigte Drumpad velocity-empfindlich eingespielt werden kann. Das funktioniert sogar mit eingeschaltetem Beat Repeat. Werden Drumpads gedrückt gehalten, mutet Note deren Wiedergabe. Ein Doubletap auf die erzeugten MIDI-Noten vergrößert deren Ansicht, sodass man einzelne Hits auswählen, aber auch mehrere Elemente einrahmen kann, um diese gezielt zu löschen, nudgen, quantisieren, transponieren oder mit Velocity zu versehen. Auch das Nudge-Feature kennt einige Subdivisions und die Velocity lässt sich entspannt mit dem Finger einzeichnen.

Ableton Note Noteneingabe.

Drumrack: Klangregelung und FX

Die Klangregelung der Drumsamples erfolgt primär über die acht virtuellen Potis für Filter Frequenz, Resonanz, Transpose, Detune, Attack, Hold, Decay und Pan. So weit, so selbsterklärend. Bemerkenswert ist, dass Auf- und Abwärtsbewegungen beim Regeln extremere Parameterfahrten erzeugen, während das Swipen nach links oder rechts für feinere Einstellungen hilfreich ist. Tappt man auf das Sample-Icon und dann auf die Wellenform des ausgewählten Samples, stehen Einstellungen für Choke-Gruppen, Trigger Mode sowie Highpass- bzw. Lowpass-Filter zur Verfügung. Die Lautstärke des Samples lässt sich mit Auf- und Abwärtsswipes regeln und beim horizontalen Verschieben der Wellenform ändert Note den Startpunkt des Klangschnippsels.

Pro Drumkit stehen ein Send-Effekt und ein Kit-Effekt zur Verfügung. Ersterer ist irreführenderweise als Pad FX gelabelt, es kann aber nur ein Effekt dieser Art pro Kit ausgewählt werden. Lediglich der Send-Anteil kann pro Pad bzw. Drumsample variieren, ein Reverb auf der Snare und Delay auf der Hihat desselben Kits sind leider nicht möglich. Der Kit-Effekt gilt für das gesamte Kit und kommt mit Dry-/Wet-Regler. Die Auswahl an Effekten ist für Send und Master identisch und besteht aus Ableton-Live-Klassikern wie Saturator, Chorus Ensemble, Redux, Phaser-Flanger oder Channel EQ. Es gibt zwar nicht immer die volle Anzahl an acht regelbaren Parametern, doch die verfügbaren Einstellungsmöglichkeiten sind durchweg zufriedenstellend, genauso wie der Sound.

Sample-Instruments und Softsynths: Die Noteneingabe

Die Noteneingabe für die harmonischen und melodischen Elemente von Ableton Note funktioniert ähnlich wie beim Drumrack. Einer der Hauptunterschiede ist das 5x5 Grid, welches ohne voreingestellte Scale und Tonart chromatisch belegt ist und gemäß der schwarzen und weißen Tasten der Klaviatur in unterschiedlichen Grautönen daherkommt. Mit einem Tap auf die kleine Note oben rechts im Bild öffnen sich Optionen zum Ein- und Ausschalten des Metronoms, Eingabe des Tempos und der Tonart. Ableton Note hält sage und schreibe 37 Preset Scales bereit. Als Alternative zum 5x5 Grid gibt es noch eine virtuelle Klaviaturansicht, die auf relativ kleinen Smartphone-Screens jedoch herzlich wenig Spaß macht. Note Repeat ist auch für Softsynths und Co. verfügbar, ein extra Button für die Oktavlage rundet die Settings ab.

Sample-Instruments und Softsynths: Klangregelung und FX

Während die Klangregelung des Drumracks stets identisch aufgebaut ist, kommen die vielen virtuellen Instrumente mit relativ unterschiedlichen Parametern daher. Neben üblichen Verdächtigen wie Attack, Decay, Filter Cutoff und Resonanz gibt es pegelbare Suboszillatoren, Regler für Waveposition, Unison Detune und was das Synthesizer-Herz sonst noch begehrt. Es können übrigens nicht nur MIDI-Noten, sondern auch Parameterautomationen in den Clip geschrieben werden.

Das läuft praktisch genauso ab, wie die normale Aufnahme. Es genügt, nach dem Reglergeschraube auf den „Hinzufügen”-Button ganz unten zu tappen. Es werden sogar entsprechende Kurven in der Notenansicht angezeigt und automatisierte Parameter erhalten einen Punkt neben dem virtuellen Poti. Zum Löschen einzelner Automationen genügt ein Tap auf den entsprechenden Punkt. Die FX sind übrigens die gleichen wie bei den Drumracks, nur können hier zwei pro Instrument ausgewählt werden.

Ableton Note FX.

Ableton Note: Sampling und Ableton Cloud

Im Sample View von Drumrack- und Sample-Instrumenten befindet sich ein Mikrofonsymbol, das die Audioaufnahme via Gadget-Mikro aktiviert. Die maximale Sample-Länge beträgt 60 Sekunden, wobei Note den Sample-Startpunkt nach Beenden der Aufnahme automatisch auf den ersten Transienten schneidet – sehr praktisch! Wer seine Lieblingssamples bereits auf einem anderen Device besitzt, kann sogar über Air Drop Sounds in die App importieren und damit sogar auch eigene Drum Kits erstellen.

Mit der neuen Ableton Cloud lassen sich bis zu fünf Note Sets mit anderen Note-Devices oder Ableton Live Version 11.2.5 und höher synchronisieren. Synchronisierte Sets befinden sich im Browser von Ableton Live und können dort geöffnet und weiterbearbeitet werden. Allerdings eignet sich Ableton Cloud nicht als Backup-Speicher und kann nur zwischen Devices vermitteln, die unter dem gleichen Namen registriert sind. Der Transfer funktioniert aktuell auch nur One-Way. Dafür ist Note kompatibel mit Ableton Link. Jams und Skizzen lassen sich übrigens auch direkt per Note als Audiodatei exportieren.

Ableton Note Alternativen

    • FL Studio Mobile
    • Cubasis 3
    • Garage Band

Fazit

Für nur 6,99 Euro ist Ableton Note eine absolute Wucht. Wer schon mit Ableton Live gearbeitet hat, wird sich in Windeseile in der App zurechtfinden und deutlich mehr als nur Skizzen erschaffen können. Mit der üppigen Auswahl an FX- und Instrument-Sounds der Berliner DAW lässt sich einiges anstellen und dank der Möglichkeit, Sets per Ableton Cloud an den Studiorechner zu schicken, sind nach oben keine Grenzen gesetzt. Ableton Note ist ideal für unterwegs und zwischendurch, nicht zuletzt dank des integrierten Samplers. Auch der Workflow stimmt und mit detaillierter Quantisierung, Scale-Modi bis zum Abwinken und aufnehmbaren Parameterautomationen gibt es nicht viel zu meckern. Nur ein Arpeggiator fehlt, aber was nicht ist, kann ja noch kommen. Wer dem Musizieren am Smartphone oder Tablet eine Chance geben will, sollte Ableton Note unbedingt auschecken.

Pro

Ungeschlagenes Preis-Leistungs-Verhältnis
Intuitive Bedienbarkeit
Unkompliziertes Sampling
Ableton Cloud lädt Note Sets in Ableton Live

Kontra

Kein Arpeggiator

Preis:

6,99 EUR

Weitere Informationen gibt es auf der Website von Ableton.

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