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Test: Pioneer DJ VM-70 / aktive Nahfeld-Monitore

Test: Pioneer DJ VM-70 / aktive Nahfeld-Monitore

Tests 22. August 2021

Die Marke Pioneer DJ bietet von Multiplayer, Mixer und Controller bis hin zu Plattenspieler und Kopfhörer jede erdenkliche Hard- und Software, die man zum Auflegen braucht. Auch Lautsprecher gehören zum Portfolio von Pioneer, mit der neuen VM-Serie und dem darin verbauten Signal-Processing soll nach der S-DJ-Serie nun erneut die Lücke zwischen der reinen Gig-Beschallung und einem Studio-Monitor geschlossen werden, mit dem auch vernünftig produziert werden kann. Kann dieser Spagat gelingen?

Serien-Überblick

Zur neuen VM-Serie gehören drei unterschiedlich große Modelle. VM-50, der kleinste Lautsprecher der Familie, nutzt einen 5,25"-Woofer, erzeugt damit einen Frequenzgang von 40 Hz bis zu 36 kHz und kostet 129 Euro pro Stück. Als einziges Modell ist es auch in Weiß erhältlich. Das Modell VM-70, das wir uns in diesem Test genauer anschauen, wurde mit einem 6,5"-Woofer ausgestattet und kann damit Frequenzen zwischen 37 Hz und 36 kHz abbilden. Dafür müssen 249 Euro berappt werden. Die größte Version VM-80 nutzt einen 8"- Woofer und erzeugt damit einen Frequenzgang von 34 Hz bis zu 36 kHz. Um dieses Modell sein Eigen nennen zu können, werden 309 Euro pro Lautsprecher fällig.

Technik und Aufbau des Modells VM-70

Das Modell VM-70 ist ein aktiver 2-Wege-Lautsprecher, angetrieben von einem 2-Weg-Bi-Amp. Der Class-D-Verstärker mit 96 kHz DSP versorgt den 6,5"-Tieftöner mit 70 Watt, die Aramid-Faser-Membran bringt nach Angaben des Herstellers allerdings 30 % Gewichtsersparnis gegenüber mit Papier ausgekleideten Aramidmembranen, wodurch der Woofer die tiefen Frequenzen schneller wiedergeben können soll, was sich in schnellem Ansprechverhalten und einem besonders klaren Bass-Sound auswirken soll. Der Mittel- und Hochtöner, ein Kalotten-Treiber mit 1 Zoll, wird mit 30 W betrieben wird. Der maximale Schalldruck, den ein Speaker erzeugen kann, liegt bei 112 dB.

Was bei den Lautsprechern direkt ins Auge fällt, ist die auffällige Form - von vorn wirken sie sehr kompakt. Im Vergleich beispielsweise zu den gleich bestückten LP-6 von Kali Audio fehlen fast drei Zentimeter an Höhe, dafür sind die VM-70 aber fast fünf Zentimeter tiefer. Mit Abmaßen von 341 x 229 x 312 mm (H x B x T) und einer Materialkombination aus MDF und Vinyl-Laminat machen sie einen kompakten und robusten Eindruck und können mit ihren 7,7 kg Gewicht auch auf so gut wie jeder Fläche positioniert werden. Ebenfalls auffällig ist die verschraubte Frontplatte aus Aluminium, die aber nicht nur optische Gründe hat. Das Material und deren hexagonale Form sollen Vibrationen und damit Resonanzen reduzieren, wodurch eine besonders authentische Soundwiedergabe möglich sein soll.

 Pioneer VM-70 Vorderansicht.
Die Vorderseite des VM-70.

Auf der Rückseite findet sich die Bassreflexöffnung. Der sogenannte Vortex-Bass-Accelerator sorgt in der Theorie durch mehrere Rippen im zugehörigen Plastikring für ein verändertes Ausströmverhalten der Luft und damit wiederum für einen besonders reinen Bass-Sound. Außerdem gibt es noch einen Volume-Regler, die Standby-Funktion und zwei Eingänge - eine symmetrische Kombi-Buchse für XLR bzw. TRS sowie einen unsymmetrischen RCA-Port.

Ebenfalls auf der Rückseite sind die Einstellungen des DSP-Systems untergebracht, das mit 96 kHz arbeitet und mit dem sich jeder Lautsprecher an die räumlichen Gegebenheiten anpassen lässt. Es handelt sich dabei um zwei EQs, Low steht dabei für Frequenzen bis ca. 250 Hz, High für den Bereich von ca. 2 bis 10 kHz. Im Stile grafischer EQs sind in beiden Fällen die Bandbreite und selbst das Maß der Anhebung oder Absenkung festgelegt. So verfügt jeder EQ über vier Positionen: bei L1 und H1 werden Tiefen und Höhen abgesenkt (Room 1), L2 und H2 entsprechen dagegen einem flachem Frequenzgang und damit einer möglichst linearen Wiedergabe (Flat). Bei den Positionen 3 und 4 werden Tiefen und Höhen dann geboostet, wobei Position 4 für den Einsatz im Club gedacht ist (Room 2, bzw. Club Bass / Bright Treble).

 Pioneer VM-70 Rückansicht.
Die Rückseite des VM-70.

Sound und Praxis

Da mein Heimstudio genügend Sound-Treatment aufweist, starte ich direkt mit der linearen Einstellung, also der L2/H2-Kombination beim DSP. Zur Rückwand sollte man bei den VM-70 immer genug Abstand einplanen, ansonsten wird die Bass-Öffnung auf der Rückseite unter Umständen bei der Arbeit behindert.

Ich checke einige Referenz-Tracks und muss ehrlich sagen, die VM-70 kommen wirklich gut. Der Klang wirkt akkurat und aufgeräumt, und ist dank guter Tiefenstaffelung auch sehr gut zu beurteilen. Die tiefen Frequenzen sind exakt, angenehm präzise und schon in der neutralen DSP-Position deutlich wahrnehmbar. Und auch die Drums wirken tight und crisp, die Transienten werden also präzise wiedergegeben. Die Gewichtsersparnis bei der Membran und der Bass-Vortex scheinen sich klanglich also wirklich auszuzahlen. Die Höhen sind knackig aber überhaupt nicht zickig und das Stereobild und der Sweetspot sind bei richtiger Aufstellung ebenfalls sehr gut.

Die DSP-Einstellungen L1/H1 und L3/H3 machen in meinem Heimstudio-Setup nicht allzu viel Sinn, da es akustisch bei mir nicht viel zu korrigieren gibt, aber da sind ja noch die DJ-Settings L4/H4. Beide EQ-Kurven beschränken sich nicht auf reine Anhebung, sie enthalten auch jeweils einen Dip in bestimmten Frequenzbereichen. Und siehe da, das Ergebnis macht richtig Spaß. Bässe und Höhen werden deutlich, dabei aber auch sehr ästhetisch angehoben. Während der Produktion sollte man die Finger von L4/H4 lassen, denn darüber klingt jeder Track einfach besser, aber für Party oder Club ist es genau das Richtige. Krawall kann man mit den VM-70 definitiv genug machen, denn die Leistung der beiden Lautsprecher bringt ausreichend Druck hervor.

Sobald keine Musik abgespielt wird, ist das Grundrauschen der Speaker leicht zu hören. Bei einem DJ-Set fällt das natürlich eher weniger ins Gewicht, im Heimstudio könnte das je nach Distanz von Hörer und Lautsprecher und der gewählten Abhörlautstärke allerdings schon einer gewissen Gewöhnung bedürfen. Die vorhin bereits erwähnten LP-6 von Kali Audio rauschen allerdings nochmal um einiges lauter.

Fazit

Die Lautsprecher DJ VM-70 von Pioneer bieten genau das, was man von ihnen erwartet. Die variablen Lautsprecher sind durch den DSP vielseitig einsetzbar und liefern dabei stets präzisen bis lebhaften Sound. Besonders positiv fallen die gewichtsreduzierte Membran und ihre schnelle Reaktionszeit sowie die runde und akkurate Basswiedergabe durch das Vortex-System auf. Im Studio-Kontext gefallen mir die linearen Settings logischerweise am besten, für unbehandelte Räume oder Club-Situationen machen die anderen drei EQ-Positionen aber durchaus Sinn. Auch der Preis von 249 Euro geht völlig klar, einzige Mankos sind das leichte aber hörbare Eigenrauschen und der ausbleibende Standby-Modus, der sich beim Testgerät selbst nach 30 Minuten ohne Sound-Wiedergabe nicht einschaltet.

Pro

Ausgewogener Klangcharakter
Präzises Ansprechverhalten durch gewichtsreduzierte Membran
Bassbereich klingt voll und exakt
Mitten und Höhen werden neutral wiedergegeben
Flexible Anpassung an Raumsituation/Einsatzgebiet durch DSP mit 16 möglichen Kombinationen
erfrischender Look
Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Kontra

Leichtes Eigenrauschen
Standby-Funktion aktiviert sich bei Testgerät nicht

Preis:

249 EUR

Weitere Informationen gibt es auf der Website von Pioneer DJ.

Veröffentlicht in Tests und getaggt mit DJ VM-70 , DSP , Lautsprecher , pioneer , Speaker , Test

Geschrieben von:
Tobias Homburger

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