Test: Reloop RP-8000MK2 – Performance DJ-Turntable

Test: Reloop RP-8000MK2 – Performance DJ-Turntable

Tests 15. Juni 2019

Nachdem Reloop die kleineren Plattenspieler-Modelle (1000, 2000, 4000 & 7000) aktualisiert hat, wurde nun auch das Topmodell RP-8000 einer Überarbeitung unterzogen. Der RP-8000MK2 bleibt dabei seiner Linie treu und bietet nach wie vor als einziger Serienplattenspieler integrierte MIDI-Steuerelemente an, die für die Nutzung von Serato DJ Pro ausgelegt sind. Gerade performance-orientierten DVS-DJs kommen solche MIDI-Controller Elemente entgegen, die neben der Browserfunktion und Cue-Punkt-Ansteuerung auch das Finger Drumming oder das Arbeiten mit Pad-Effekten ermöglichen. Was der High Torq Turntable RP-8000MK2 ansonsten noch alles auf und im Kasten hat, erfahrt ihr im nachstehenden Test.

Ausgepackt und aufgebaut

Der Reloop RP-8000MK2 ist mit 11,8 kg kein Leichtgewicht und macht schon beim Aufstellen einen wertigen Eindruck, der sich beim Aufsetzen des massiven Plattentellers bestätigt. Der Plattenteller ist auf der Unterseite mit Gummi überzogen, um so besser Vibrationen zu absorbieren. Das mattschwarze Design des Turntable-Gehäuses sieht elegant aus und klingt auch beim Dagegenklopfen nicht nach einer hohlen Plastikkiste. Durch das hohe Eigengewicht steht der Plattenspieler fest auf seinen vier Füßen, die sich in der Höhe verstellen lassen und eine zusätzliche Federung besitzen, Vibrationen oder Stöße dürften den RP-8000MK2 also nicht beeindrucken.

Für den weiteren Aufbau muss man noch die aufsteckbare Plattenteller-Beleuchtung installieren, die in einem kalten weiß leuchtet. Im weiteren Lieferumfang befinden sich noch das Tonarmgegengewicht, ein Netzkabel, ein USB-Kabel sowie ein Cinch-Kabel mit integrierter Erdung und ein Kabel zur Verlinkung weiterer RP-8000MK2. Ein Tonabnehmer ist nicht mit dabei, weshalb ich in meinem Test auf das bewährte Ortofon Nightclub MK2 zurückgreife.

Beim Installieren eines Tonabnehmers fällt beim RP-8000MK2 auf, dass sowohl der Tonarm als auch die Base insgesamt einen hochwertigen Eindruck vermitteln. Die Aufhängung hat keinerlei Spiel, der Arm schwebt ohne jegliche Widerstände und die Tonarmbase lässt sich gut justieren. Sie ist griffig, weist beim Drehen eine konstante Trägheit auf und hat ebenfalls kein Spiel im Gewinde. Concorde-Systeme sind mit dem Tonarmsystem schnell eingemessen. Bei Headshells mit Zusatzgewicht kann es vorkommen, dass das Tonarmgewicht eventuell zu leicht ist. Zusatzgewichte an der Headshell sollte man deswegen weglassen.

Der Anschluss des RP-8000MK2 gestaltet sich ebenfalls einfach. Hier fällt auf, dass es auf der Rückseite gleich zwei Cinch-Ausgänge gibt, jeweils für ein Phono- und Line-Signal, wodurch man das Signal sogar an zwei verschiedene Kanäle oder Mixer ausgeben kann. Als digitale Schnittstellen gibt es einen USB-Anschluss für die MIDI-Signale, die an einen Computer gesendet werden. Zusätzlich kann man mit dem TT-Link Anschluss weitere RP-8000MK2 in Kette schalten, um nicht ein USB-Hub auspacken zu müssen. Auf den zweipoligen Stromanschluss kommt das mitgelieferte Stromkabel mit angewinkeltem Steckerkopf. Grundsätzlich ist das beim Verstecken der Kabel (besonders im Battle Mode) eine gute Sache, in diesem Fall wird dadurch allerdings auch der Ein-/Aus-Schalter etwas ungünstig verdeckt.

Eingeschaltet

Beim Einschalten des Gerätes fällt sofort die Lichtdisco der MIDI-Pads auf. Diese leuchten nach der Reihe in verschiedenen Farben auf und demonstrieren die Multicolor-Tastenbeleuchtung. Das Einschalten des Motors und der restlichen Bedienelemente erfolgt üblicherweise mit dem Ein-/Aus-Schalter am linken Plattentellerrand, der auch das Kalibrierungslicht für die Plattenteller-Geschwindigkeit beinhaltet. Gleich darunter, in unmittelbarer Nähe ist eine große Start-Stop-Taste, eine Reverse-Taste für den Rückwärtslauf und die beiden Geschwindigkeitstasten, mit denen zwischen 33, 45 und 78 U/min gewählt werden kann. Der Druckpunkt und das Material dieser Tasten ist sehr angenehm und direkt.

Im Pitchbereich leuchtet oberhalb des Pitchfaders eine Digitalanzeige auf, die den jeweiligen Pitchwert angibt. Sofern der RP-8000MK2 sich aber im Platter-Play-Modus befindet, zeigt das Display die jeweilige Note des gedrückten Pads an. Genaueres dazu gibt es im weiteren Verlauf des Tests. Der Pitchbereich lässt sich über zwei Tasten zwischen +-8 %, +/-16 % und +/-50 % auswählen. Eine Resettaste dient dazu, den Pitch sofort auf 0 % zu setzen.

Oberhalb des Displays besitzt der RP-8000MK2 zwei Regler, die zum Einstellen des Plattenteller-Drehmoments bzw. zur Abbremsgeschwindigkeit dienen. Das Drehmoment kann stufenlos zwischen 2,8 und 4,5 kg/cm eingestellt werden. Dementsprechend ist man auf der kleinsten Stufe dem 1210er-Niveau relativ nahe oder besitzt bei maximalem Drehmoment einen Plattenteller, der mit minimaler Verzögerung startet und anhält. Wer jedoch das Anhalten für den bekannten Turntable-Effekt verzögern möchte, kann dies bei gleichbleibendem Startverhalten mit der Abbremsgeschwindigkeit (Brake Adjust) verändern.

Um die MIDI-Funktionen des RP-8000MK2 in Serato DJ Pro nutzen zu können, muss die Software auf den aktuellsten Stand gebracht werden, denn die Funktionen sind erst ab Version 2.1.1 verfügbar. In meinem Testaufbau nutze ich den RP-8000MK2 mit einer SL3 Box. In Serato DJ Pro muss der Turntable in den Einstellungen noch als MIDI-Gerät aktiviert werden, bevor der Spielspaß losgehen kann. Die MIDI-Sektion bietet hierfür acht eckige Gummipads, die separat gelagert sind, um beim Finger Drumming keine Nadelsprünge zu verursachen. Über die vier MIDI-Tasten am äußeren Rand werden die Funktionen der Pads zugewiesen. Wahlweise können die Pads so für Cue-Punkte, Sampler oder Loops genutzt werden, über die Shift-Taste werden Doppelbelegungen der anderen Tasten erreicht.

Damit stehen dann Loop-Rolls, Slicer oder auch zwei frei belegbare MIDI-Ebenen zur Verfügung. Hierüber wird auch die Pitch-Play-Funktion erreicht mit der man in Serato DJ Pro Cue-Punkte über verschiedene Tonhöhen triggern kann, ähnlich einer Klaviatur. Als Voraussetzung gilt hier aber, dass man die 'Pitch 'n Time'-Erweiterung in Serato DJ Pro besitzt. Gleich neben den vier Tasten gibt es für das Trackbrowsing noch einen großen Encoder, der zum Auswählen und das Deckladen genutzt werden kann.

In the Mix

Um das Verhalten des RP-8000MK2 in Relation setzen zu können, habe ich als zweiten Turntable einen Technics SL-1210MK2 mit gleichem Tonabnehmer aufgestellt. Beide Turntables sind über die Serato SL3 Box an einem Allen & Heath Xone:96 Mixer angeschlossen.

Schon wenn man die Hand auf den Teller legt und mit dem reinen Cueing anfängt, merkt man, dass der Plattenteller des RP-8000MK2 sehr gut gelagert ist. Das kommt vor allem bei heftigeren Manövern äußerst positiv zur Geltung. Der neue Tonarm samt Antiskating arbeitet selbst bei wilden Scratches so akkurat und trägt ebenfalls dazu bei, dass die Nadel gar keine Lust hat, aus der Rille zu springen. Der Antrieb mag für DJs, die vom 1210er kommen auch in der niedrigsten Stufe noch stärker anziehen, jedoch ist mit etwas Gewöhnung auch dieses Feature ein willkommenes Geschenk, denn das Vinyl ist auch bei härterem Handauflegen direkt wieder auf Geschwindigkeit.

Bei der Gleichlaufschwankung hinkt der RP-8000MK2 dem 1210er nur minimal hinterher. Hier sind sowohl in Traktor als auch Serato BPM-Schwankungen von 0,2 % erkennbar. Fürs manuelle Beatmatchen ist das durchaus akzeptabel. Bei längeren Übergängen sind kleinere Korrekturen nötig. Beim Pitchen macht vor allem die große Pitch-Range mit ihren drei Bereichen Spaß. +/-16 % ist dabei ein guter Mittelbereich, der die Schritte im Pitchfader-Weg fürs reine Mixing nicht zu klein macht und sich trotzdem noch für ein Genre-Hopping eignet.

In Zusammenhang mit der Software Serato DJ Pro macht die MIDI-Sektion des RP-8000MK2 den Turntable zu einer wahren Performance-Waffe. Cue-Punkte, Loops und Rolls lassen sich dank der größer gewordenen Pads sehr gut triggern. Optimalerweise stellt man den Turntable dazu im Battle Mode (90 Grad gedreht) auf, um auch die Beschriftungen der Modi-Tasten besser ablesen zu können. Davon abgesehen macht Finger Drumming mit beiden Händen erst Spaß, wenn die Pads auch frei erreichbar liegen und man nicht über den Plattenteller greifen muss. Der Pitch-Play-Modus ist durch Seratos 'Pitch 'n Time'-Erweiterung ein Feature, das den RP-8000MK2 zu einem Musikinstrument verwandelt.

Einen Cue-Punkt in verschiedenen Tonhöhen abzufeuern birgt neue kreative Möglichkeiten, was dank der Pads auf dem RP-8000MK2 auch leicht umsetzbar ist. Dem Spieltrieb sei hier freier Lauf gelassen. Da der RP-8000MK2 reine MIDI-Daten per USB sendet, funktioniert die MIDI-Sektion z. B. auch mit Anwendungen wie Traktor Pro oder Ableton. Sofern man als Turntable DJ mit Hotcues, Loops oder Sampler arbeitet, ist der RP-8000MK2 für diese Zwecke generell geeignet.

Fazit

Reloop bringt mit dem RP-8000MK2 einen soliden Turntable in die Läden, der sowohl als reiner Plattenpieler als auch in Sachen Performance-Instrument überzeugt. Die Verarbeitung ist auf hohem Niveau und dank des neuen Tonarmsets bleibt die Nadel auch bei harten Scratchmanövern dort, wo sie sein soll - in der Rille. Das flexible Drehmoment des Motors macht den RP-8000MK2 sowohl für reine Mix DJs als auch für Turntablists gleichermaßen attraktiv. Die MIDI-Sektion ist für Cue-Punkt-Aktionen, Loops, Sampler und Trackbrowsing sehr gut geeignet. Die Anordnung und die Doppelbelegungen sind intuitiv erlernbar. Für die Steuerung von Software-Effekten gibt es leider keine Drehregler. Auch wenn der RP-8000MK2 von Haus aus auf Serato DJ Pro ausgelegt ist, ist er in meinen Augen grundsätzlich ein interessanter Plattenspieler für jegliche MIDI-fähige DVS-Software. Bei einem Preis von ca. 570 Euro bekommt man von Reloop für den RP-8000MK2 ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, welches um Längen besser ist, als z. B. das eines Pioneer PLX-1000.

 

Pro

Gute Verarbeitung
Einstellbares Drehmoment
Starker Motor
Ausgereifte MIDI-Sektion
Innovative Features für Turntablists
Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Kontra

Nichts

Alternativen

Denon DJ VL12, 749 Euro
Pioneer DJ PLX-1000, 580 Euro

 

Preis: Ca. 570 EUR
Weitere Informationen gibt es auf der Website von Reloop.

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