Test: Roland TR-09
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Test: Roland TR-09

Tests 22. Juli 2018

Die seit Oktober 2016 erhältliche TR-09 aus der Roland Boutique-Serie ist eine optisch geschrumpfte Re-Produktion der klassischen Roland TR-909. Die Sounds des beliebten "Rhythm Composer" aus den frühen 80ern haben vor allem Genres wie House und Techno grundlegend mitgeprägt. Mit diesem Produkt bietet der japanische Hersteller eine moderne Ausgabe des Kult-Gerätes an, die wie der Großteil der Boutique-Serie, auf der ACB-Technologie basiert. Der Funktionsumfang des Instruments entspricht fast eins zu eins dem Vorbild, jedoch ist die Neuauflage um zusätzliche Features erweitert worden. 

Design, Haptik & Verarbeitung

Das Layout und die Farbgebung der TR-09 sind stark ans Original angelehnt, jedoch fällt besonders auf, dass der TR-909-Klon mit seinen Abmessungen von gerade mal 308 x 130 x 51 mm deutlich kleiner als das Urgestein ist. Das sehr kompakte Instrument nimmt somit nicht viel Platz im Studio und auf der Bühne ein. Ein Pluspunkte hinsichtlich der Reisetauglichkeit ist hiermit gegeben.

Durch einen haptischen Zugang und vor allem der Möglichkeit mit beiden Händen gleichzeitig verschiedene Parameter kontrollieren zu können, bietet Hardware gegenüber Software einen entscheidenden Vorteil. Die Drehregler und Buttons der TR-09 gestalten sich durch die stark reduzierte Formgebung der Boutique-Serie jedoch leider als mickrig. Außerdem ist der Abstand der Regler zueinander sehr gering gewählt. Die Bedienbarkeit der Hardware erweist sich somit als etwas fummelig. Auch dass man während der Bedienung eines Potis ausversehen ein benachbartes Parameter verstellt ist daher nicht ausgeschlossen. Die Kunststoff-Potis sind zudem nicht perforiert. Was dafür sorgt, dass man mit verschwitzten Fingerkuppen kein optimalen Zugriff erfährt.

Die Drehregler, Taster und auch das Gehäuse machen hinsichtlich ihrer Verarbeitung jedoch einen soliden Eindruck. Die Frontplatte ist aus Metall gefertigt. Auf der Unterseite, die aus Kunststoff hergestellt ist, finden sich zum einen eine Klapp-Mechanik, die erlaubt das Gerät in zwei Stufen anzuwinkeln. Zum anderen ein Batteriefach und ein integrierter Lautsprecher. Diese initiieren das Instrument auch autark auf der Coach oder Unterwegs zu betreiben.

Instrumente & Parameter

Die Roland TR-09 beinhaltet neun Instrumente, wobei die Hi-Hat in Closed und Open und das Cymbal in Crash und Ride gegliedert sind, insgesamt stehen dem Anwender wie beim Klassiker also 11 verschiedene Klangquellen zur Verfügung:

Übersicht aller Instrumente:
• Kick
• Snare
• Low, Mid und High Tom
• Rim
• Clap
• Closed und Open Hi-Hat
• Crash
• Ride

Über die Potis auf der Oberfläche können ein Großteil der Parameter wie z.B. Lautstärke, Tuning und Decay erreicht und gleichzeitig kontrolliert werden, um so den Klang der unterschiedlichen Instrumente in Echtzeit zu formen. Im Gegensatz zur TR-909 befinden sich unter der Haube der TR-09 zusätzliche Möglichkeiten um die Sounds zu editieren. So lässt sich zudem auf Gain, Tuning, Decay und Panorama bestimmter Instrumente Einfluss nehmen, die bisher nicht direkt über die Oberfläche erreichbar sind. Diese ergänzenden Funktionen ermöglichen eine weitere Dimension bei der Klanggestaltung. Außerdem besteht die Möglichkeit Kick und Snare Drum individuelle zu komprimieren.

Step-Sequencer

Das Programmieren von Sequenzen ist stark an das Bedienkonzept des Vorbildes angelehnt, so wird die Neuauflage der 909 vor allem vertrauten Usern des Originals einen leichten Zugang bieten. Aber auch Neueinsteiger werden sich nach einer kurzen Einarbeitungszeit sicher schnell zurechtfinden.

Das Song-Tempo kann von 40 bis 300 BPM gewählt werden, außerdem lassen sich Nachkommastellen einstellen. In einer Gliederung von 2x Bänken, 3x Gruppen und 16x Pattern können insgesamt 96 Rhythmusmuster abgespeichert werden. Wie man es bereits von der TR-909 kennt werden über die 16 Steps der klassischen Lauflicht-Programmierung entsprechende Rhythmen einprogrammiert. Für Dynamik sorgen dabei zwei Anschlagsstufen und eine globale Akzent-Funktion. Mit der Last-Step-Funktion kann zusätzlich die Länge der Sequenz verkürzt werden. Außerdem besteht alternativ die Möglichkeit im sogenannten Tap-Modus die jeweiligen Instrumente live einzuspielen. Die Quantisierung wird dabei automatisch vorgenommen. Des Weiteren gibt es eine Shuffle-Funktion die in sieben Stufen justierbar ist und dem Rhythmus den nötigen Groove verpasst. 

Sound

Durch die ACB-Technologie werden analoge Schaltkreise auf digitaler Ebene nachempfunden. Roland erzielt mit diesem digitalen Verfahren einen authentischen Grundsound der dem berühmten Klassiker sehr nahe kommt. Nichtsdestotrotz, wer den 909 Sound bis ins kleinste Detail will, kommt um das originale Gerät nicht herum. Innerhalb aktueller Produktionen, die gespickt sind mit zahlreichen und vielschichten Klangereignissen, wird man die Unterschiede zwischen Klon und Original jedoch nicht unterscheiden können. Der Klangeindruck ist modern, druckvoll und knackig. Insbesondere die Möglichkeit, bestimmte Instrumente nun in Stimmung und Länge zusätzlich manipulieren zu können bietet eine weitere, interessante Klangfacette.

Anschlüsse, Einbindung und Trigger Out

Auf der Rückseite des Gerätes befinden sich:
• Volume Regler
• MIDI-In/-Out
• Micro-USB (Stromversorgung, Audio und MIDI)
• Phones
• Output
• Mix-In

Die TR-09 beinhaltet lediglich einen Stereo-Output im Mini-Klinken-Format, weitere klassische analoge Einzelausgänge gibt es leider nicht. Allerdings hat Roland die Neuauflage mit einem Audio-Interface bestückt. Die Einbindung zum Rechner erfolgt über den Mirco-USB-Anschluss auf der Rückseite des Gerätes. Der User kann dabei erfreulicherweise zwischen einer Samplingrate von 44.1 und 96 kHz auswählen. Über die digitale Schnittstelle besteht des Weiteren die Möglichkeit vier individuelle Gruppen zu bestimmen, die dann in der DAW abgefangen werden können. Der Anwender kann selbst entscheiden welche der 11 vorhandenen Instrumente zum jeweiligen Bus geroutet werden soll. Des Weiteren wird MIDI-CC ausgeben, was einen Drittanbieter bereits zu einem MIDI-Editor im Plugin-Format veranlasst hat.

Ein weiteres, sehr nützliches Feature ist der Trigger-Out der sich auf der direkten Oberfläche des Instruments befindet. Das Rimshot als Trigger-Information wie Beispielsweise beim der TR-909 oder TR-707 muss nicht geopfert werden, sondern es steht eine alleinige, unabhängige Spur bereit, mit der sich externe Geräte ansteuern lassen.

Fazit

Der haptische Zugang der Roland TR-09 ist durch die sehr kompakte Bauweise der Boutique-Serie nicht optimal gelöst. Ein weiterer Wertmutstropfen ist der Verzicht analoger Einzelausgänge und auch das verbaute Audio-Interface bietet nur die Möglichkeit vier Gruppen auf digitaler Ebene abzufangen. Zumindestens besteht dabei die Möglichkeit zwischen zwei unterschiedlichen Samplingraten auszuwählen. Soundtechnisch liefert die Roland TR-09 einen modernen und knackigen Grundsound der dem berühmten Vorbild nahe kommt. Weitere zusätzlichen Funktionen im Kontext-Menü bringen eine weitere klangliche Dimension hervor. Und zum kreativen Experimentieren mit anderen Instrumenten lädt der unabhängiger Trigger-Out ein. Der Preis für eine echte 909 auf dem Gebrauchtmarkt ist in den letzten Jahren astronomisch in der Höhe gestiegen. Wer keine etwa 4.000 Euro für ein wartungsintensives Gerät ausgeben möchte, bekommt für einen Neupreis von 240 Euro eine moderne Miniaturausgabe des Originals die solide verarbeitet ist.

 

Pro

Knackiger, druckvoller und moderner Grundsound
Nützliche Zusatzfunktionen zur Klangformung
Unabhängiger Trigger Out
Interne Soundkarte mit zwei unterschiedlichen Samplingraten: 44.1 / 96 kHz
Gute Verarbeitung
Reisetauglichkeit
Ausgabe von MIDI CC aller Bedienelemente
Batteriebetrieb und integrierter Lautsprecher

Kontra

Drehregler zu klein und rutschig
Abstand der Drehregler untereinander zu gering
Keine analogen Einzelausgänge
4 digitale Gruppen sind zu wenig[/toggle]

 

Preis: 239,00 EURO (Stand: Juli 2018)
Mehr Informationen auf der Website von Roland.

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