Workshop: Techno produzieren mit 2pole – Teil III: Arrangement

Workshop: Techno produzieren mit 2pole – Teil III: Arrangement

Workshops 2. März 2019
2pole. Diesen Namen dürften Techno-Fans zuletzt immer häufiger gelesen haben, denn die beiden Musiker sorgen derzeit für mächtig Betrieb auf den Tanzflächen. Von Adam Beyer über Tale of Us bis zu Ida Engberg spielten sämtliche Größen der Szene ihre Tracks in den kleinen Clubs und auf den großen Floors der Festivals. Wir konnten Mitglied Marcus für eine Workshop-Serie gewinnen, in der er die Herangehensweise beim Produzieren vom Signature-Techno von 2pole nachvollziehbar erklärt: 

Nach den ersten beiden Workshops, die sich auf Kick, Bass und Groove, sowie Hihats und Percussions fokussieren, geht es nun ans Eingemachte. Die Basis, also Beat, Percussions, Bassline und Melodien, steht. Das ist mitunter der wichtigste und kreativste Part einer Techno-Komposition. Heute steht das Zusammenbauen, also die Arbeit am Arrangement, im Vordergrund.

Aufbau nach dem Baukasten-Prinzip

Meine in Ableton Live 10 erstellten Clips werde ich jetzt in die Arrangement-Ansicht ziehen. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten:

1) Ich kann per Drag and Drop alle meine Clips in das Arrangement bewegen, indem ich diese anwähle, mit der Maus klicke, halte und dann die „Tab“-Taste der Tastatur drücke. Hiermit schalte ich die Fensteransicht von der Session-Anzeige zum Arrangement-View um. Dort kann ich meine Clips auf der freien Fläche platzieren und die Maus loslassen. Aber Vorsicht, denn ihr müsst aufpassen, dass die Clips auch wirklich auf der Spur landen, in der ihr sie erstellt habt. Jetzt beginnt die „traditionelle“ Arrangierarbeit, wie wir sie von den anderen DAWs Cubase, Logic oder ähnlichen kennen. Dazu später mehr.

2) Der andere Weg kann sogar schon zum Endziel führen – die direkte Live-Aufnahme. Eine gute Vorbereitung der Clips ist hier ein großer Vorteil, wenn ihr direkt aus der Session ein Arrangement entwickeln wollt. Die Session-Ansicht soll das in etwa fertige Arrangement eigentlich schon enthalten. Dafür baue ich von oben startend meinen Song grob auf und teile die Parts des Tracks in Intro, Beat-Teil, kleines Break, Tanzteil, großes Break, Drop und Outro. Dabei ist die farbige Gestaltung der einzelnen Abschnitte ein sehr wichtiger Bestandteil, so verliert man später in der Arrangement-Ansicht nicht den Überblick.

Ordnung ist das A und O.

Nach der ersten Einteilung überlege ich mir, wie lange die einzelnen Parts gespielt werden sollen. Ich lasse die Clips ablaufen und schließe dabei die Augen. Somit kann ich mich nur auf den Sound-Input konzentrieren und werde nicht von den Bildschirm-Bewegungen abgelenkt. Die Spieldauer der Bereiche (Intro, erster Beat-Teil, Breakdown, Drop etc.) ist ein wichtiger Faktor für den Erfolg eines Titels. Langweilige, also zu lange Wiederholungen, in denen nichts passiert, aber auch zu kurze Beatparts sind ein Tanz-Killer im Club und solche Tracks werden erst gar nicht von den DJs gekauft beziehungsweise gespielt. Ein Tipp, um die Abspieldauer zu testen: Spielt einem Freund oder Bekannten, der nicht in die Produktion involviert ist, das vorbereitete Arrangement vor. Meist merkt ihr selbst während des Ablaufs, wann es langatmig wird und könnt die Cliplänge oder Wiederholungen direkt in der Session-View abändern.

Ein Track muss atmen

Natürlich braucht ihr dazu viele Variationen eurer Soundverläufe, es soll ja lebendig klingen. Ihr könnt hierfür natürlich auf einen oder mehrere analoge, vielleicht auch ältere Synthesizer zurückgreifen, die von Hause aus nie richtig soundstabil bleiben und somit durch „Eigenmodulationen“ Atmosphäre und Abwechslung schaffen. Selbstaufgenommene Clip-Automationen sorgen ebenfalls für eine Bewegung innerhalb der Melodienläufe. Ich greife sehr gerne auf die mitgelieferten oder als Free Download erhältlichen Max for Live Plug-ins, wie zum Beispiel LFO, zurück. Einen oder mehrere LFOs könnt ihr sehr einfach mit den verschiedensten Parametern der eingesetzten Software-Synthesizer oder Effekt-Plug-ins verbinden und damit vielleicht sogar nur leichte und sehr subtile Modulationen auf Cutoff, Volume, Pitch oder ganz wirre Parameterverkettungen erzeugen. Der Track lebt und fängt an zu atmen!

Das Max for Live LFO kann auf jeden Parameter gemappt werden.

Nachträgliche Arrangement-Automationen der verbundenen Parameter aber auch eigener Clip-Automationen könnt ihr ebenfalls noch vornehmen, was das ganze Konstrukt noch spannender macht. Passt bei den Clip-Automationen auf, dass diese als Modulation und nicht Automation aufgenommen oder eingezeichnet wurden (rechter Mausklick in der Envelope-Ansicht eines Clips und oben im erscheinenden Kontextmenü auf Modulation klicken). Ansonsten überschreibt ihr mit einer zusätzlichen Arrangement-Automation die Clip-Automation. Und das ist nicht Sinn der Sache.

Clip-Automationen bringen Bewegung in die Loops.

Die Aufnahme startet ihr über den Aufnahme-Button in der Transport-Bar. Spielt vor der Recording-Session ein paar Mal eure Idee eines Song-Konstruktes durch, dann müsstet ihr recht schnell das fertige Arrangement im Kasten haben. Danach geht es direkt an die Feinheiten. Übergänge von den Bereichen sollten durch kleine Breaks, also ein kurzes Luftholen, oder durch einen Abbau der Overheads (Hihats, Percussions) verbunden werden. Oft helfe ich mir mit leisen Noise-Sweeps oder rückwärts abgespielten Sounds, die ansonsten vorwärts im Track benutzt wurden. Das verbindet einen Song-Part mit dem nächsten.

Hilfreich ist auch auf dem Masterkanal eine „vorab Masteringkette“ zu legen, um mit einem A/B-Vergleich einen fast fertigen Titel in „Mastering-Qualität“ anhören zu können. Der Vergleich zu einem schon veröffentlichten, gut klingenden Titel ist sowieso nie verkehrt. Das neue All-In-One Mastering Plug-in ‚Slam Dawg‘ der Firma Beatskillz kann euch hierbei helfen. Gute Presets, aber auch eine sehr leichte und intuitive Bedienung über die übersichtlich angeordnete Oberfläche bringen ein gutes und sehr ausreichendes Ergebnis. Mit nur einem Plug-in im Master-Channel könnt ihr schneller vergleichen und verliert nicht den Bezug zum Wesentlichen. Klanglich ist Slam Dawg überraschend gut, sodass das Plug-in verschiedene Aufgaben im Mix übernehmen kann. Natürlich gibt es hier unendlich viele weitere Plug-ins oder sogar Live-interne Effekte, die das übernehmen können.

Slam Dawg hilft den Sound zu formen und komprimieren.

Aufbau nach Vorgabe

Wollt ihr lieber klassisch im Arrangement-Fenster arbeiten? Dann legt euch bei Problemen, oder wenn ihr an einem Punkt überhaupt nicht mehr weiterkommen solltet, einen Referenztitel in die oberste Spur. Dieser sollte natürlich soundtechnisch zu eurem Titel passen, darüber hinaus natürlich im Club funktionieren und auch im Genre nicht grundverschieden sein. Analysiert diesen Beispiel-Track Instrument für Instrument. Ich setze zuerst identische Sounds (Kick, Bass, Hihats) entlang des Referenzsongs, sodass ein fast gleiches Arrangement, aber mit anderen Instrumenten oder Klängen, entsteht. Das funktioniert sehr gut!

Zusätzlich wird euch dieses Verfahren zeigen, welche Sounds, Effekte und vielleicht komplette Parts noch fehlen und von euch nachträglich kreiert werden sollten. Ich will euch nicht ermutigen eine „1:1-Kopie“ eines schon existierenden Tracks zu erstellen. Im Gegenteil: Mit dieser Arbeitsweise lernt ihr effektiver und zielgerichteter zu einem besseren Ergebnis zu kommen. Denkt auch immer daran, dass ihr eure Tracks nicht mit zu vielen Loops und Sounds überladet. Minimale Passagen kommen meist besser bei den Leuten im Club an („Minimal is king!“).

Ganz wichtig für Club/DJ-Edits ist es, dass ihr für die Intros und Outros eine ausreichende Länge eingeplant habt, ohne viel Schnickschnack und ohne experimentelle Taktsprünge. Haltet ihr euch an einen erfolgreichen Referenztrack, sollte das kein Problem darstellen.

Ein wichtiger Punkt ist hier während der Arbeit das richtige Farbcoding in eurem Arrangement. Gewöhnt euch an bestimmte Farben für verschiedene Bereiche eines Songs sowie für verschiedene Sounds und Instrumente, so können beispielsweise alle Drum-Spuren in schwarz gehalten werden. Überblick ist das A und O für ein interessantes und knackig-gutes Endprodukt.

Um die Sounds in einem Titel miteinander verschmelzen zu lassen, gibt es noch einen Trick. Ich nehme Atmo Passagen, die ich mit meinem Fieldrecorder in freier Natur oder in Flughäfen aufgenommen habe. Mittlerweile besitze ich eine große Bibliothek solcher Sounds und Loops. Diese mische ich als Schleife ganz leise und mit dem richtigen EQing zum Gesamtmix. Es bringt einen unglaublich echten Raumklang für alle genutzten Instrumente. Probiert das mal für eure Produktionen aus.

Für eine bessere Übersicht: Farben für die Tracks und Parts

Beim nächsten Workshop-Teil gehe ich die Mix- und Mastering-Session meines Techno-Tracks an. Diese Arbeit setzt Erfahrung und das richtige Hören im richtigen Raum voraus. Wir verraten euch Tipps und Tricks, wie ihr euren Workflow verbessert und zu einem guten Soundergebnis zu kommt.

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