Im Jahr 2018 ist Boiler Room ein bekanntes Massenphänomen mit über 1,5 Millionen Abonnenten und über einer halben Milliarde Mal angesehenen Videos, alleine bei YouTube. In Zeiten wo ganze Subgenres nicht mehr regional verortbar sind, sondern ihren Ursprung im Internet haben, sind DJ-Sets online allgegenwertig. Die immer weiter fortschreitende technische Entwicklung gibt dabei auch immer mehr Usern die Möglichkeiten professioneller Übertragung der eigenen Musik an die Hand, eines davon ist der Video-Livestream.

Live-Streams, aus dem Club, (Online-)Radiostationen oder von zuhause bieten DJs die Möglichkeit den Bekanntheitsgrad zu steigern. Denn gerade in den sozialen Netzwerken wie Facebook und YouTube erzeugen Live-Videostreams eine hohe Aufmerksamkeit. Zudem ist so ein Stream schnell eingerichtet und man kann mit der nötigen Internetverbindung praktisch von jedem Ort eine Übertragung starten. Im Nachstehenden wollen wir uns genauer anschauen, welche Möglichkeiten es gibt, einen eigenen Stream zu erstellen.

Welche Streaming-Plattform?

Eigentlich müsste man fragen, welches Netzwerk keinen Stream anbietet, denn die meisten haben das Potential von Live-Übertragungen erkannt und bieten es zumindest über eine App an. Für DJs die ihren Content möglichst nah an einer Zielgruppe platzieren möchten, kommen aber nicht viele Streams mit einer Videoübertragung in Frage. Periscope, die Videoplattform von Twitter bietet einen kostenlosen Videostream an, der jedoch alle möglichen Themen wie z.B. Kunst, Reisen, Nachrichten usw.. enthält. DJ-Sets findet man hier eher weniger. Auch Instagram bietet mittlerweile einen Videostream an, jedoch kann man diesen nur über die App nutzen.

Chew.TV bietet einen Video-Livestream an, bei dem es vorwiegend ums Übertragen von DJ-Sets geht. Damit passt der Dienst auf jeden Fall zur Zielgruppe. Zufällig wird man hier als DJ aber seltener entdeckt, wenn potentielle Zuschauer nicht gerade auf Chew.TV unterwegs sind. Dafür kann man natürlich die beiden Klassiker YouTube und Facebook nutzen. Hier sollte man sich aber bewusst sein, dass das Video nach dem Streamen nur gespeichert werden kann, wenn Lieder gespielt wurden, für die es keine nutzungsrechtliche Einschränkungen gibt.

Mit dem Smartphone streamen

Rode SC4 Adapter

Mit dem Smartphone einen Stream zu starten ist platzsparend und relativ einfach einzurichten. Jedoch ist die Soundqualität des internen Mikrofons nicht wirklich dazu geeignet, Musik zu streamen und man hat nur eine Kameraeinstellung zur Verfügung. Besser ist es, wenn man den Sound direkt ins Mobilgerät leitet, in dem man eine Kabelverbindung vom Mixer zur Kopfhörerbuchse des Mobilgeräts herstellt, in der normalerweise auch der Mikrofoneingang (zum Telefonieren) anliegt. Damit ist das Signal dann zwar immer noch in Mono, jedoch erhält man so den puren Sound ohne Nebengeräusche. Hierzu benötigt man allerdings einen kleinen Adapter, der von einer Stereo-Mini-Klinke mit zwei Ringen auf eine Mini-Klinke mit drei Ringen adaptiert (TRS-TRRS). Das Rode SC4 wäre z.B. ein solcher Adapter (ca. 11.- Euro).

Bei den neueren iPhones, bei denen keine Kopfhörerbuchse mehr verbaut ist, funktioniert das Adaptieren per Kabel leider nicht mehr. Hier gibt es nur noch die Möglichkeit, mit einem Audio-Interface über den Lightning-Anschluss den Weg ins iPhone zu finden. Dafür gibt es z.B. von IK Multimedia das iRig Pro Duo (ca. 177 Euro), mit dem man u.a. ein Stereo-Signal in das iPhone bekommt. Achtung: Die Facebook-App unterstützt nur ein Mono-Eingangssignal, mit einem Stereo-Interface wird man hier also kein besseres Ergebnis erreichen.

Tipp: Wer mit dem Smartphone streamt, tut seinen Zuschauern einen Gefallen, wenn er ein kleines Stativ nutzt. Empfehlenswert sind hier kleine Stative mit Krakenarmen, die sich fast überall aufstellen und befestigen lassen. Und falls man mit dem Bildwinkel der Kamera nicht zufrieden ist, so gibt es für fast alle Smartphones klemmbare Weitwinkel-Objektive, die sich besonders beim Filmen aus nächster Nähe bezahlt machen (Kosten ca. 15 Euro).

Mit dem Computer streamen

Wenn der Stream nicht nach dem Motto "quick & dirty" aufgesetzt werden soll, bietet ein Computer mehr Möglichkeiten, um Audio- und Kamerabild in einer höheren Qualität zu übertragen. Zusätzlich kann man eine zweite Person abstellen, die sowohl die Regie des Streams übernimmt und gleichzeitig auf Zuschauerreaktionen reagieren kann. Es empfiehlt sich hier für den Stream einen separaten Computer zu nutzen, damit sowohl die Bedienbarkeit und die Stabilität des Systems gewährleistet sind.

Minimal-Ausstattung: Kostenlose Software, z.B. OBS Studio, USB-Webcam; Audio-Interface (Verbindung vom Computer zum Mixer); Stabile Internetverbindung

Mit einer kostenlosen Software wie beispielsweise OBS Studio kann man zwischen mehreren Kameras und Audio-Quellen hin und her schalten. Sie ist die virtuelle Schaltzentrale zum Streamen und bietet viele Einstellmöglichkeiten. Neben der Übertragungsqualität kann man z.B. auch Text- und Logo-Einblendungen vornehmen oder mehrere Webcambilder gleichzeitig übertragen. Die Einteilung des Übertragungsbildes kann man frei skalieren.

Mit OBS wird der eigene Monitorinhalt und Kamerabilder gestreamt.

Tipp:

  • Anderen Computer als zum Auflegen verwenden (Systemüberlastung möglich)
  • Eine zweite Person, die sich um den Stream kümmert
  • Für viele Kameras gibt es mittlerweile auch Webcamtreiber. So kann man z.B. auch eine DSLR-Kamera zum Streamen nutzen!

Sofern man nicht die interne Soundkarte des Rechners nutzen kann, kann man auch ein externes Interface mit mind. einem Stereo-Eingang verwenden. Die Scarlett-Serie von Focusrite ist eine gute Empfehlung in Sachen Preisleistung.

Internet-Anbindung für Streaming

Für einen Live-Stream mit dem Smartphone empfiehlt Facebook-Live eine LTE-Verbindung. Tatsächlich bekommt man das mit einem iPhone 7 aber auch schon mit einer 3G Verbindung hin, d.h. mit einer Uploadgeschwindigkeit von ca. 5 Mbitps. ist die Übertragung eines Bildes mit 720 Pixeln Seitenlänge und Audio in 128kbps möglich. Damit wäre zumindest bei Facebook auch schon das Maximum an Auflösung erreicht.

Je nach Umgebung kann man in geschlossenen Räumen diese Übertragungsrate über das mobile Netz nur schwer oder gar nicht erreichen. Hier wäre ein lokaler Internetspot (WLAN) wahrscheinlich die sichere Lösung, um unterbrechungsfrei zu streamen.

Beim Streamen über einen Computer bietet es sich an, mit höheren Audio- und Video-Auflösungen zu arbeiten. Chew.TV bietet hier z.B. die Möglichkeit mit bis zu 1080 Pixel Seitenlänge und 320kbps zu arbeiten, was einem HD-Bild  und der höchsten MP3-Auflösung entspricht. Hierfür empfiehlt sich dann schon eine Uploadgeschwindigkeit von 8Mbitps zur Verfügung zu haben. Die Qualität des Bildes hängt auch von der Streaming Bitrate ab. Für Facebook-Live wird (bei einem Bild von 720p) eine maximale Bitrate von 3-4Mbitps empfohlen. Für eine Bildgröße von 1080p auf Chew.TV werden dann schon mindestens 5Mbitps benötigt. Hierzu addiert man noch die Audio-Auflösung und einen 20% Puffer. So erhält man in der Summe die Mindest-Uploadgeschwindigkeit, die man benötigt. Tipp: Fürs Streamen empfiehlt es sich den H.264 Videocodec mit einer variablen Bitrate zu nutzen, um eine bessere Bildqualität zu gewährleisten.

Step by Step: Facebook Livestream mit OBS erstellen

Nachdem man das Mastersignal vom Mixer in das Audio-Interface geführt hat und alle Kameras ausgerichtet sind, kann man OBS starten und dort die jeweiligen Bildquellen als Szenen anlegen, um später unter ihnen hin und her schalten zu können. Als nächstes muss man OBS mit Facebook-Live verbinden. Dazu benötigt man aus Facebook die Server-URL und den Stream-Schlüssel. Diese bekommt man, wenn man über sein Facebook-Profil im Beitragsfenster ein Live-Video startet und dann auf "Verbinden" klickt.Diese beiden Infos werden dann in den Einstellungen von OBS unter der Kategorie "Stream" kopiert. Damit wäre das Wesentliche eingerichtet, sodass direkt gestartet werden kann. Tipp: Man sollte den Stream im eigenen Profil erst einmal nur für einen selbst sichtbar machen, um alles Weitere zu testen. So kann niemand sehen, wie Sound- und Bildtests durchgeführt werden.

Fazit

Das eigene DJ-Set zu streamen ist eine gute Möglichkeit den eigenen Bekanntheitsgrad zu steigern. Man sollte dabei aber nicht vergessen, dass die Interaktion mit den Zuschauern wichtig ist, um eine gewisse Nähe zu den Fans aufzubauen. Die oben genannten Möglichkeiten sind natürlich nur Beispiele für den Minimalaufwand, den man betreiben kann. Man kann das ganze auch mit Moderation, Interviews oder gar in Richtung einer kompletten TV-Produktion auf die Spitze treiben, wobei man dann aber wesentlich tiefer in die Tasche greifen muss.

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