How To: Video-Livestream von DJ-Sets – ein Guide

How To: Video-Livestream von DJ-Sets – ein Guide

Workshops 27. März 2020

Livestream für DJs: In Zeiten, in denen ganze Subgenres nicht mehr regional verortbar sind, sondern ihren Ursprung im Internet haben, sind gestreamte DJ-Sets online allgegenwärtig. Boiler Room ist ein bekanntes Massenphänomen mit über 2,3 Millionen Abonnenten und beinahe einer Milliarde Mal geklickter Videos, alleine bei YouTube. Auch Cercle hat in kürzester Zeit etliche Millionen Zuschauer gefunden. Die immer weiter fortschreitende technische Entwicklung gibt dabei auch immer mehr Usern die Möglichkeiten professioneller Übertragung der eigenen Musik an die Hand, eines davon ist der Video-Livestream.

Livestreams, aus dem Club, (Online-)Radiostationen oder von zu Hause bieten DJs die Möglichkeit, ihre Sets einer breiteren Zuhörerschaft anbieten zu können. Gerade soziale Netzwerke wie Facebook und YouTube schenken Live-Videostreams aktuell (noch) eine hohe Aufmerksamkeit und eine Bevorzugung in der Ausspielung der User-Feeds. Zudem ist so ein Stream schnell eingerichtet und man kann mit der nötigen Internetverbindung praktisch von jedem Ort eine Übertragung starten. Wir wollen uns genauer anschauen, welche Möglichkeiten es gibt, einen eigenen Stream zu erstellen.

DJ-Livestream: Welche Plattform?

Eigentlich müsste man fragen, welches Netzwerk keinen Stream anbietet, denn die meisten haben das Potenzial von Live-Übertragungen erkannt und bieten solche als Dienst an. Für DJs, die ihren Content möglichst nah an einer Zielgruppe platzieren möchten, kommen aber nicht viele Streams mit einer Videoübertragung in Frage, hier gilt es zu selektieren. Periscope beispielsweise, die Videoplattform von Twitter bietet einen kostenlosen Videostream an, der jedoch viele weitere Themen wie z. B. Kunst, Reisen oder Nachrichten enthält. DJ-Sets findet man hier eher weniger. Auch Instagram bietet mittlerweile einen Videostream an, jedoch kann man diesen nur über die App nutzen.

Chew.TV dagegen hat sich speziell auf solche Livestreams spezialisiert, bei denen es vorwiegend ums Übertragen von DJ-Sets geht. Damit passt der Dienst auf jeden Fall zur Zielgruppe. Zufällig wird man hier als DJ aber seltener entdeckt, wenn potenzielle Zuschauer nicht gerade auf Chew.TV unterwegs sind. Dafür kann man natürlich die beiden Klassiker YouTube und Facebook besser nutzen. Hier sollte man sich aber bewusst sein, dass das Video nach dem Streamen nur gespeichert werden kann, wenn Lieder gespielt wurden, für die es keine nutzungsrechtliche Einschränkungen gibt. Neuerdings etabliert sich auch Twitch immer mehr als Plattform für Performances und Sets.

DJ Livestream: Mit dem Smartphone

Mit dem Smartphone einen Stream zu starten ist platzsparend und relativ einfach einzurichten. Jedoch ist die Soundqualität des internen Mikrofons nicht wirklich dazu geeignet, Musik zu streamen, außerdem hat man nur eine Kameraeinstellung zur Verfügung. Besser ist es, wenn man den Sound direkt ins Mobilgerät leitet, indem man eine Kabelverbindung vom Mixer zur Kopfhörerbuchse des Mobilgeräts herstellt, in der normalerweise auch der Mikrofoneingang (zum Telefonieren) anliegt. Damit ist das Signal dann zwar immer noch in Mono, jedoch erhält man so den puren Sound ohne Nebengeräusche. Hierzu benötigt man allerdings einen kleinen Adapter, der von einer Stereo-Mini-Klinke mit zwei Ringen auf eine Mini-Klinke mit drei Ringen adaptiert (TRS-TRRS). Das Rode SC4 wäre z. B. ein solcher Adapter für ca. 11 Euro.

Rode SC4 Adapter.
Rode SC4 Adapter

Bei den neueren iPhones, bei denen keine Kopfhörerbuchse mehr verbaut ist, funktioniert das Adaptieren per Kabel leider nicht mehr. Hier gibt es nur noch die Möglichkeit, mit einem Audio-Interface über den Lightning-Anschluss den Weg ins iPhone zu finden. Dafür gibt es z. B. von IK Multimedia das iRig Pro Duo (ca. 177 Euro), mit dem man u. a. ein Stereo-Signal in das iPhone bekommt. Achtung: Die Facebook-App unterstützt nur ein Mono-Eingangssignal, mit einem Stereo-Interface wird man hier also kein besseres Ergebnis erreichen.

Tipp: Wer mit dem Smartphone streamt, tut seinen Zuschauern einen Gefallen, wenn er ein kleines Stativ nutzt. Empfehlenswert sind hier Stative mit Krakenarmen, die sich fast überall aufstellen und befestigen lassen. Und falls man mit dem Bildwinkel der Kamera nicht zufrieden ist, so gibt es für fast alle Smartphones klemmbare Weitwinkel-Objektive, die sich besonders beim Filmen aus nächster Nähe bezahlt machen (Kosten ca. 15 Euro).

DJ Livestream: Mit dem Computer

Wenn der Stream nicht nach dem Motto "quick & dirty" aufgesetzt werden soll, bietet ein Computer mehr Möglichkeiten, um Audio- und Kamerabild in einer höheren Qualität zu übertragen. Zusätzlich kann man eine zweite Person abstellen, die sowohl die Regie des Streams übernimmt und gleichzeitig auf Zuschauerreaktionen reagieren kann. Es empfiehlt sich hier für den Stream einen separaten Computer zu nutzen, damit sowohl die Bedienbarkeit als auch die Stabilität des Systems gewährleistet sind.

Minimal-Ausstattung: Kostenlose Software, z. B. OBS Studio, USB-Webcam, Audio-Interface (Verbindung vom Computer zum Mixer), Stabile Internetverbindung.

Mit einer kostenlosen Software wie beispielsweise OBS Studio kann man zwischen mehreren Kameras und Audioquellen hin und her schalten. Sie ist die virtuelle Schaltzentrale zum Streamen und bietet viele Einstellmöglichkeiten. Neben der Übertragungsqualität kann man z. B. auch Text- und Logo-Einblendungen vornehmen oder mehrere Webcambilder gleichzeitig übertragen. Die Einteilung des Übertragungsbildes kann man frei skalieren.

Mit OBS werden der eigene Monitorinhalt und Kamerabilder gestreamt.

Tipps:

  • Anderen Computer als zum Auflegen verwenden (Systemüberlastung möglich)
  • Eine zweite Person, die sich um den Stream kümmert
  • Für viele Kameras gibt es mittlerweile auch Webcamtreiber. So kann man z. B. auch eine DSLR-Kamera zum Streamen nutzen.

Sofern man nicht die interne Soundkarte des Rechners nutzen kann oder möchte, bietet sich auch ein externes Interface mit mindestens einem Stereo-Eingang an. Die Scarlett-Serie von Focusrite ist eine gute Empfehlung, das Preis-Leistungs-Verhältnis ist sehr gut.

DJ Livestream: Internet-Anbindung

Für einen Livestream mit dem Smartphone empfiehlt Facebook-Live eine LTE-Verbindung. Tatsächlich bekommt man das mit einem iPhone 7 aber auch schon mit einer 3G Verbindung hin, mit einer Uploadgeschwindigkeit von ca. 5 Mbitps ist die Übertragung eines Bildes mit 720 Pixeln Seitenlänge und Audio in 128 kbps möglich. Damit wäre zumindest bei Facebook auch schon das Maximum an Auflösung erreicht. Je nach Umgebung kann man in geschlossenen Räumen diese Übertragungsrate über das mobile Netz nur schwer oder gar nicht erreichen. Hier wäre ein lokaler Internetspot (WLAN) wahrscheinlich die sichere Lösung, um unterbrechungsfrei zu streamen.

Beim Streamen über einen Computer bietet es sich an, mit höheren Audio- und Video-Auflösungen zu arbeiten. Chew.TV bietet hier die Möglichkeit, mit bis zu 1080 Pixel Seitenlänge und 320 kbps zu arbeiten, was einem HD-Bild  und der höchsten MP3-Auflösung entspricht. Hierfür empfiehlt es sich dann schon, eine Uploadgeschwindigkeit von 8 Mbitps zur Verfügung zu haben. Die Qualität des Bildes hängt auch von der Streaming-Bitrate ab. Für Facebook-Live wird (bei einem Bild von 720p) eine maximale Bitrate von 3-4 Mbitps empfohlen. Für eine Bildgröße von 1080p auf Chew.TV werden dann schon mindestens 5 Mbitps benötigt. Hierzu addiert man noch die Audio-Auflösung und einen 20 % Puffer. So erhält man in der Summe die Mindest-Uploadgeschwindigkeit, die man benötigt. Tipp: Fürs Streamen empfiehlt es sich, den H.264 Videocodec mit einer variablen Bitrate zu nutzen, um eine bessere Bildqualität zu gewährleisten.

Step by Step: Facebook Stream mit OBS erstellen

DJ Livestream mit Facebook.

Nachdem man das Mastersignal vom Mixer in das Audio-Interface geführt hat und alle Kameras ausgerichtet sind, kann man OBS starten und dort die jeweiligen Bildquellen als Szenen anlegen, um später unter ihnen hin und her schalten zu können. Als nächstes muss man OBS mit Facebook-Live verbinden. Dazu benötigt man aus Facebook die Server-URL und den Stream-Schlüssel. Diese bekommt man, wenn man über sein Facebook-Profil im Beitragsfenster ein Live-Video startet und dann auf "Verbinden" klickt. Diese beiden Infos werden dann in den Einstellungen von OBS unter der Kategorie "Stream" kopiert. Damit wäre das Wesentliche eingerichtet, sodass direkt gestartet werden kann. Tipp: Man sollte den Stream im eigenen Profil erst einmal nur für einen selbst sichtbar machen, um alles Weitere zu testen. So kann niemand sehen, wie Sound- und Bildtests durchgeführt werden.

Fazit

Das eigene DJ-Set zu streamen ist eine gute Möglichkeit, den eigenen Bekanntheitsgrad zu steigern. Man sollte dabei aber nicht vergessen, dass die Interaktion mit den Zuschauerinnen und Zuschauern wichtig ist, um eine gewisse Nähe zu den Fans aufzubauen. Die oben genannten Möglichkeiten sind natürlich nur Beispiele für den Minimalaufwand, den man betreiben kann. Man kann das Ganze auch mit Moderation, Interviews oder gar in Richtung einer kompletten TV-Produktion auf die Spitze treiben, wobei man dann aber wesentlich tiefer in die Tasche greifen muss.

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8 Kommentare zu "How To: Video-Livestream von DJ-Sets – ein Guide"

René 30. Juni 2019 • 19:52 Uhr

Ja aber wie ist das nun mit den Rechten als ich meinen zweiten Stream fertig hatte bekam ich plötzlich die Meldung dass irgendwelche Rechte ich verletzt hätte und ich soll angeben ob ich das lilio löschen möchte oder Einspruch erheben soll ja da bin ich im Zwiespalt ich als DJ gehe davon aus würde ich es nicht spielen würde es kein Schwein kennen die Mucke wie verhält sich das genau ich habe meine Platten alle bezahlt zehnmal mehr als jeder User für MP3s denn Vinyl ist teuer und ich glaube ich habe mir da einige Rechte gekauft als DJ sowieso

Marius Pritzl 17. Juli 2019 • 10:14 Uhr

Hallo René. Leider ist die Frage nach den Rechten im Streaming immer noch eine Grauzone, manche Plattformen lassen es zu, manche filtern aus, manche kombinieren beide Ansätze. Einfach ausprobieren!

Ralf 19. November 2019 • 22:21 Uhr

Hallo zusammen, was gibt es den noch für Alternativen zu OBS Studio? Den leider stürzt OBS mit meinem MAC direkt ab wenn ich die Video Quelle auswähle.

Oliver Räcker 18. April 2020 • 10:23 Uhr

DJ streams sind verboten auf Twitch, wenn man nicht die Rechte an der Musik hat. Just saying.

J4CKP07 20. April 2020 • 2:48 Uhr

Oliver Räcker, sie haben recht.
Gerade in einem Artikel über Streaming sollte die rechtliche Situation ausreichend angesprochen werden.
Das Urheberrecht ist hier im Musikbereich sehr eindeutig und untersagt das öffentliche Vorführen ohne der benötigten Rechte. Übrigens, gleiches gilt auch für Veröffentlichungen von Dj-Sets. Es ist dabei egal ob die Tracks als Vinyl oder Digital gespielt werden.
Zwar drücken viele Rechteinhaber ein Auge zu. Haftbar kann man trotzdem gemacht werden.

N3lson 19. Mai 2020 • 12:53 Uhr

Habt immer einen Live gebauten Beat / Samples im Hintergrund oder immer mindestens 2 Tracks gleichzeitig laufen, dann triggert auch die Software nicht so oft weil es nicht eindeutig erkannt wird...

jan 29. Januar 2021 • 6:05 Uhr

Der Artikel kommt mir wie ich finde wie ein adhs-ler daher. nach dem motto "nett, dass wir mal drüber geredet haben" wird zb. die wahl der streaming plattform kurz angerissen und dann wieder beiseite gelegt. leute... wenn ihr was anfangt, dann bitte ganz oder gar nicht!! um beim thema streaming plattformen zu bleiben: es gibt schliesslich weit mehr plattformen (hearthis, mixcloud, soundcloud, liveset etc... wieviel kosten die, welche zielgruppe, wie schauts mit den rechten aus (nicht die aus bauzen mit der glatze - ich rede von gema und co :) ) .. bei der netzanbindung das gleiche: facebook.. und die anderen? und überhaupt! dass fb einem den stream einstampft wegen der gema ist nur ein thema das wieder ausgespart wird. .. also bitte: der artikel in der jetzigen form ist flickwerk und alles andere als gut recherchiert und geschrieben.. da war wohl jemand zu lange wach am mixer gestanden.. :) greetz !

Chris 10. Februar 2021 • 21:50 Uhr

Ist es denn wirklich rechtlich problematisch Dj Sets zu streamen? Mich würde das wirklich sehr interessieren. Einerseits sieht man unheimlich viel DJs auf Twitch und das läuft da über Stunden ohne das sie gesperrt werden. Andererseits wird man gesperrt wenn man bei YT sein Set als Video hoch läd aber man Sets sehen von großenn Djs wie z.B. Carl Cox oder so und da wird nichts stumm geschaltet oder gesperrt. Ich kapier es einfach nicht. Würde auch so gerne starten aber weiß einfach incht, was wirklich Sinn macht.

Livestream wird bei mir wahrscheinlich nichts, bezüglich Leitung aber würde gern ein Set aufnehmen und das dann online stellen. Ob das Sinn macht weiß ich nicht aber so bekommt man vielleicht etwas Feedback.

Wenn jemand etwas Erfahrung hat würde ich mich über eine Antwot/Link oder so freuen. Danke.

DJ WestwingS 6. April 2021 • 1:35 Uhr

@jan - full ack - der Artikel ist flach.

100% sicher ist via Livesets Live Musik zu streamen, die Rechte sind dort geklärt. Mach ich jede Woche. DJ-Mitschnitte hochladen geht auf Mixcloud aus UK - die Rechte sind dort auch vertraglich geklärt (GEMA Deal usw.). Beides kostenlos. Hab ne 50 Mbit Leitung - also 50 down, 10 up - reicht vollkommen. Amazon Twitch ist ne Gamer Plattform und hat Musikrechte _NICHT_ geklärt, will Gamer keine Live-DJs... aber duldet derzeit DJ Live Streams. Wie bereits gepostet, bei Mitschnitten filtert Twitch meist die Musik raus - also stumme DJ Videos machen wenig Sinn für die Fans. Der Chat bei Twitch ist sehr gut, insgesamt professionelle Plattform fürs Live-Streaming wenn man Gamer ist.

YouTube hat uns während des Streams rausgeschmissen... daher machen wir immer Parallel-Stream auf Livesets (beste Soundquali, rock-stable, rechtssicher, aber halt nur Sound, kein Video), quasi als Backup falls OBS Studio oder Traktor oder Twitch crashen bzw. abschalten. OBS Studio läuft auf Mac und Win10 stabil, hatte nur einen Crash bei ca. 50 Streams (4 bis 5 Stunden je Stream).

Mein Tip für Einsteiger:

erstmal nur auf Livesets den Sound streamen und damit schnell und einfach Streaming Erfahrung und Sicherheit sammeln. Dann mit OBS Studio anfreunden und parallel zu Livesets Video auf Twitch, FB, YT oder neuerdings auch kann man auf Mixcloud auch direkt streamen (Beta).

Dann Diashows, Videos, Multi-Cam usw. you name it... die Möglichkeiten den Stream aufzuhübschen sind fast grenzenlos...

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