Test: Behringer K-2

Test: Behringer K-2

Tests 19. April 2020

Mit erschwinglichen Neuauflagen legendärer Vintage-Synthesizer mischt die deutsche Audio-Equipment-Schmiede Behringer nun seit geraumer Zeit die Szene auf. Gelungene Reissues wie Model D oder RD-8 sprechen für das Konzept und überzeugen mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Bei Behringers K-2, einem Klon des ikonischen MS-20 von Korg, wurde erstmals in puncto Design und Namensgebung auf einen klaren Bezug zum Original verzichtet - vermutlich, weil Korg selbst vor nicht allzu langer Zeit den MS-20 mini auf den Markt gebracht hat. Wie viel Mehrwert eine weitere Neuauflage desselben Instruments hat und ob dem K-2 auch auf anderen Ebenen eine gewisse Eigenständigkeit zuzuschreiben ist, zeigt dieser Test.

Überblick

Der K-2 von Behringer ist ein analoger, semimodularer Synthesizer mit zwei Oszillatoren, Ringmod, External Signal Processor und sechzehnstimmiger Polyphonie. Im Vergleich zu beiden MS-20 von Korg gibt's bei Behringer keine integrierte Klaviatur, dafür kommt der K-2 im Eurorack-Format daher und eignet sich so besonders für Studio- und Desktop-Anwendungen mit bereits vorhandenem Keyboard. Wichtiges vorab: Der K-2 arbeitet originalgetreu mit Hz/V, statt V/Oct und bedarf für die Integration ins Eurorack eines separaten Konverters. Opportunity missed, Behringer! Auch in Sachen Anordnung und Funktionalität von Patchbay und Potis hat man sich deutlich am Vorbild orientiert, nur die Beschriftung ist Gold statt Silber.

Verarbeitung und technische Daten

Das 95 x 424 x 136 mm große Metallgehäuse überzeugt mit schicker Verarbeitung und Stabilität. 1,8 kg Gewicht bestätigen den Eindruck, auch wenn der K-2 eher für feste Installationen statt den Transport gemacht ist. Apropos feste Installationen: Den MIDI-Eingang auf der Vorderseite zu platzieren, ist bei Rack-Geräten so eine Sache, weil das Kabel am Frontpanel so manches Auge stört. USB-Anschluss, MIDI-Thru, DC-In, Powerschalter sowie Dip Switches für die Justierung des MIDI-Kanals befinden sich eh an der Rückseite des K-2, was die Verkabelung von hinten unumgänglich macht. Ein Kabel für den Eurorack-Einbau, das passende 12V/1A-Netzteil und zwei 3,5mm-Klinkenkabel für die Patchbay sind im Lieferumfang enthalten. Wer gerne und viel patcht, wird also noch Kabel nachkaufen müssen. Die Potis sitzen angenehm fest, was bei feineren Einstellungen hilft, denn aus Platzgründen hat Behringer kleinere Potikappen verbaut.

Behringer K-2 Anschlüsse.

Der K-2 ist zwar deutlich geräumiger als der MS-20 mini, aber im Vergleich zum alten MS-20 doch etwas frickeliger zu bedienen. Volume und Cutoff der Highpass- und Lowpassfilter besitzen deshalb besonders große Potikappen - ein Feature, das auch für Tune-Regler oder Modulation Frequency praktisch gewesen wäre. Die Auswahlschalter für Wellenform und Oktavlage sind ebenfalls schwergängig, was zwar bei rhythmischen Oktavwechseln Probleme verursacht, aber ungewolltem Verstellen vorbeugt. Die Patchbay profitiert wieder von dieser Schwergängigkeit und der feste Sitz der Kabel macht einen wertigen Eindruck. Dieser trifft auf die allgemeine Verarbeitung des K-2 zu und wieder gewinnt Behringers Klon den Vergleich zum MS-20 mini von Korg.

VCOs und Filter

Der Behringer K-2 verfügt über zwei Oszillatoren. Beide arbeiten voll analog und benötigen entsprechend eine gewisse Aufwärmzeit - ungefähr 10 Minuten - bis sie stimmstabil sind. Das ist für Instrumente dieser Art völlig im Rahmen, schließlich wird die Geduld mit einem lebendigen, facettenreichen, eben analogen Sound belohnt. VCO1 kann Dreieck-, Sägezahn-, feste und variable Pulswellen sowie Rauschen erzeugen, die verfügbaren Oktavlagen sind 32', 16', 8' und 4'. Die variable Pulswelle verfügt über einen Extraregler für die Pulsbreite. Manuelle Pulswellenmodulation ist also machbar, leider fehlt jedoch die Möglichkeit, diese zu automatisieren. Das ist besonders aus dem Grund schade, dass bereits die manuelle PWM einen unfassbar reichhaltigen Sound besitzt.

Bei VCO2 gibt es die Wellenformen Sägezahn und wieder zwei verschiedene Pulswellen, dieses Mal jedoch ohne regelbare Pulsbreite. Dafür kann VCO2 auch als Ringmod fungieren und im Zusammenspiel mit VCO1 äußerst obertonreiche und interessante Klänge erzeugen. Abgerundet wird VCO2 durch einen Tune-Regler, der in der Anwendung positiv auffällt, weil er überraschend treffsicher zu bedienen ist. Die verfügbaren Oktavlagen des zweiten Oszillators sind 16', 8', 4' und 2'.

Behringer K-2 von oben.

Wie beim MS-20 wurden auch bei Behringers K-2 ein Highpass- und ein Lowpassfilter verbaut, die nicht nur alleine überzeugen, sondern besonders gut zusammenarbeiten und viele schöne Kombinationsmöglichkeiten bieten. Beim K-2 kann sogar zwischen zwei Filtertypen gewählt werden, wobei Filter 1 zu einem raueren Sound tendiert und Filter 2 etwas weicher klingt. Dieses Feature gibt es bereits beim MS-20 mini und hat seine Daseinsberechtigung wegen der unterschiedlichen Filter, die in der Produktionszeit des alten MS-20 verbaut wurden. Der besondere Clue bei der Filtersektion des K-2 ist aber, dass das HPF vor das LPF geschaltet ist und sich die Filter so gegenseitig beeinflussen. Zusammen mit Resonanz und Cutoff-Modulation bieten sich hier einige Möglichkeiten für ausufernde Sound-Abenteuer.

Die Filter arbeiten dabei so organisch, dass sogar die Lautstärkeregler der beiden VCOs je nach Gain den Gesamtklang beeinflussen. Auch die Resonanz bietet eine Menge Spielraum, von leichter Akzentuierung des Filtersweeps zu aggressivem Lasergezwitscher ist alles machbar - auch wenn der K-2 insgesamt etwas zahmer klingt, als das Original. Dafür wirkt Behringers Version im Grundsound etwas fetter und moderner, ohne zu viel Aggressivität und Charakter einzubüßen.

Modulation und Patchbay

Für die weitere Klangbearbeitung stehen beim K-2 noch ein LFO und zwei Hüllkurven zur Auswahl. Der LFO heißt beim K-2 übrigens Modulation Generator und kann von Ramp Up über Dreieck zu Ramp Down geregelt werden oder als Rechteckwelle mit justierbarer Pulsbreite modulieren. Für die Frequenz des LFOs gibt es einen weiteren Regler. Der erste Hüllkurvengenerator, EG1, erlaubt die Einstellung von Attack, Decay und Release und ist für EG-Modulation gedacht. Der zweite Hüllkurvengenerator bestimmt das An- und Abklingverhalten des K-2 entlang der Parameter Attack, Decay, Sustain und Release.

Über den Hold-Regler kann eine Wartezeit eingestellt werden, bis die Hüllkurvengeneratoren greifen. LFO bzw. MG und EG1 können zwar am Patchfeld abgegriffen werden, sind aber auch ohne Patchkabel bereits an die beiden Filter gekoppelt. HPF und LPF verfügen über je zwei Regler, welche die Cutoff-Modulation via Hüllkurve oder LFO erlauben.

Behringer K-2 Detailansicht.

Das Patchpanel des K-2 wurde ähnlich wie das restliche Design des Synths 1:1 vom originalen MS-20 übernommen und sieht herrlich kompliziert aus - besonders, wenn die ersten Patchkabel stecken. Davon werden wie bereits erwähnt allerdings nur zwei mitgeliefert, was bloß für einen Bruchteil der Patchmöglichkeiten ausreicht. Auch die invertierten Gate-Signale sind zwar originalgetreu, erschweren aber die Kommunikation mit anderen Instrumenten. Davon abgesehen bietet das Patchpanel alle gängen Verkabelungsmöglichkeiten, abgesehen von der erwähnten Pulswellenmodulation, die leider nicht automatisierbar ist.

Das war zwar ebenfalls bereits beim MS-20 so, hätte aber bei einer doch eher inoffiziellen Neuauflage wie dem K-2 implementiert werden und bei vielen Fans Pluspunkte sammeln können. Dafür gibt es White und Pink Noise, einen Sample and Hold Generator und die Möglichkeit, externe Signale einzuspeisen. So eignet sich der K-2 auch hervorragend als Gitarren-Synth und bietet vor allem mit den extra Potis unten rechts eine Menge zusätzlicher Klangfärbungsoptionen.

Fazit

Der K-2 hebt sich besonders durch seine Racktauglichkeit vom originalen Korg MS-20 und der Reissues aus selbigem Haus ab. Gerade deshalb ist es schade, dass Behringer sich auch an den „falschen“ Stellen sehr am Vorbild orientiert hat, was sich an den invertierten Gate-Signalen und der seltenen Hz/V-Funktionsweise äußert. Die Bedienung dürfte für MS-20-Veteranen ein Klacks sein und der K-2 steckt hier zumindest den MS-20 mini mit einer etwas geräumigeren Oberfläche in die Tasche. Die schwergängigen Potis sind zwar Geschmackssache, insgesamt lässt sich mit ihnen aber gut arbeiten, sodass auch die relativ kleinen Kappen nicht allzu negativ auffallen. Gerade wer ab und an mit Korgs Volcas oder anderen portablen Instrumenten zu tun hat, ist sowieso Schlimmeres gewohnt. Verarbeitungstechnisch hat Behringer mal wieder ganze Arbeit geleistet und ein bezahlbares Instrument auf den Markt gebracht, das sich trotzdem hochwertig anfühlt und gewiss Jahrzehnte dem Musikalltag standhalten kann. Auch hier hat der K-2 im Vergleich zu Korgs eigener Neuauflage die Nase vorn. Ein eindeutiger Vergleich im Hinblick auf den Klang ist in solchen Fällen immer schwierig, weil analoges Gear per se gewisse Schwankungen im Sound mit sich bringt, selbst wenn es sich um verschiedene Geräte derselben Serie handelt. Hinzu kommt der Altersunterschied zwischen K-2 und den alten MS-20, die erstmals in den 70ern verkauft wurden, weil sich der Klang solcher Instrumente über die Jahre verändert. Am Ende punkten beide Geräte mit einem facettenreichen Vintage-Sound, der im Vergleich zu klassischen Moog Synths aber aggressiver wirkt und Mut zum Schmutz mit lebendig wilden Klängen belohnt. Das macht Spaß und lädt zum Experimentieren ein – genau, was ein analoger Synths soll. Dazu kommt der relativ geringe Preis für Behringers Version; und auch ohne Klaviatur kommt man hier für wenig Geld an viel Sound.

Pro

Lebendiger, analoger Vintage-Sound
Schicke und stabile Verarbeitung
Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Kontra

Invertierte Gate-Signale und Hz/V statt V/Oct
MIDI-Anschluss mitten auf dem Bedienpanel

Preis:

301,00 EUR

Weitere Informationen gibt es auf der Website von Behringer.

Veröffentlicht in Tests und getaggt mit analog , Behringer , Clone , K-2 , Klon , korg ms-20 , Synthesizer , Test

Geschrieben von:
Kai Dombrowski

0 Kommentare zu "Test: Behringer K-2"

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.