Test: Behringer RD-9 / analoger Klon der TR-909

Test: Behringer RD-9 / analoger Klon der TR-909

Tests9. April 2022

Endlich ist es soweit: Mit Behringers RD-9 kommt der Drummachine-Klon auf den Markt, auf den die Techno-Welt gewartet hat. Kick und Hihat des Originals - TR-909 von Roland - sind absolute Staples der technoideren Gangart und gerade hier lockt Behringers Neuauflage sogar mit ein paar Updates und Extra-Potis. Genau wie das Vorbild arbeitet auch der RD-9 weitestgehend analog, lediglich die vier Becken-Voices der Drummachine funktionieren Sample-basiert. Zusammen mit der für Behringer typischen günstigen Preispolitik scheint der RD-9 kaum Wünsche offen zu lassen, Hype ist also da. Wie sich die Mischung aus Alt und Neu in der Praxis schlägt, zeigt dieser Test.

Verarbeitung, Anschlüsse und technische Daten

Wie immer fängt das Klonen bei Behringer bereits mit dem äußeren Erscheinungsbild an. Das Gehäuse des RD-9 ist genau wie dessen Vorgänger aus weiß-grauem Plastik gefertigt. Mit 498 x 265 x 77 mm Größe und einem Gewicht von stolzen 4 kg, handelt es sich bei dem Instrument um ein ordentliches Stück Hardware, das war bei der alten 909 aber nicht anders. Apropos alt: Vom Design der Gehäuseoberfläche über die Bauweise und Anordnung der Potis bis hin zu den klapprigen Step-Tasten ist der RD-9 nah am Original und versprüht reichlich Vintage-Charme.

Erst bei genauerem Hinschauen fallen Behringers Neuerungen, beispielsweise die Effektsektion, welche es baugleich schon beim RD-8 gab, auf. Delays, Modulation oder Reverb sind hier immer noch Fehlanzeige, stattdessen gibt es das analoge Dualmode Filter mit Cutoff- und Resonanzregler sowie einen Wave Designer bestehend aus Attack- und Sustain-Poti, doch dazu später mehr. Die Verarbeitung des RD-9 ist nicht unbedingt überwältigend, aber absolut solide, dem Preis mehr als angemessen und eben 80er-Style.

Behringer TD-9 Anschlüsse.

Bei der rückseitigen Anschlusssektion fallen die Unterschiede zum Original schneller auf: Da wären der USB-B-Slot für Softwareupdates, die Verbindung mit Behringers Synth Tool und Zugriff auf die MIDI-Funktionalität - Audiosignale können hier allerdings nicht versendet werden. Sync-In und -Out sind jetzt im 3,5mm-Miniklinkenformat gehalten und aus einem Trigger Out wurden drei. MIDI-Thru ersetzt einen der beiden MIDI-Outs und macht zusammen mit dem MIDI-In das Trio komplett. Statt separater Audioausgänge für links und rechts setzt Behringer auf eine Mono-Buchse als Master-Out, einen zusätzlichen Kopfhörerausgang und sogar einen Audio-Eingang - allesamt im 6,35mm-Klinkenformat.

Auch die zehn Einzelanschlüsse der verschiedenen Voices arbeiten mit großen Klinken, was den RD-9 insgesamt sehr Setup-freundlich macht, weil keine Adapter oder Sonderkabel vonnöten sind. Abgerundet wird die Rückseite vom DC-In mit einem zugehörigen Power-Schalter sowie einer Kensington Diebstahlsicherung. Abgesehen vom Gerät selbst besteht der Lieferumfang aus dem passenden Netzteil, einem Behringer-Sticker und einer Kurzanleitung.

Sound

Der RD-9 klingt herrlich analog, druckvoll, warm, organisch und natürlich nach ordentlich 909. Das liegt nicht zuletzt am verbauten Chip, der den BA662 Chips des Originals nachempfunden ist. Abgesehen von den eingangs erwähnten Extrareglern für Kick und Hihat sind die steuerbaren Parameter der Stimmen identisch zur 909. Das neue Hihat-Tune-Poti reicht von fein und spitz in höheren Lagen bis hin zu breiten Lo-Fi-Sounds in tieferen Einstellungen. Das sorgt für deutlich mehr Klangvielfalt und macht den RD-9 auch jenseits von Techno und House attraktiv. Die Pitch- und Pitch-Depth-Regler der Kick kommen leider weniger nützlich daher.

Der darüber steuerbare Pitchbend-Effekt im Bassdrumsound wirkt schnell übertrieben und macht die Kick eher zum Acid-Synth - an sich eine spannende Idee, aber mir irgendwie zu speziell. Multimode-Filter und Wave Designer sind identisch zum RD-8 von Behringer und sind auch beim RD-9 die einzigen internen Effekte. Nach wie vor sind die Filter absolut in Ordnung, beim RD-9 passen sie vielleicht sogar noch etwas besser ins Klangkonzept und wirken nicht ganz so kitschig wie beim RD-8. Der Wave Designer ist zwar auch cool, aber nicht ganz so vielseitig. Richtig raffiniert ist hingegen die Unterteilung in Authentic und Enhanced Mode, wodurch sich Behringers Neuerungen jederzeit bypassen lassen, um eine lupenreine 909-Experience zu gewährleisten.

Workflow

Der Workflow des RD-9 erklärt sich praktisch von selbst: Die Drum Voice wird per Funktionstaster ausgewählt und schon lassen sich bei aktiviertem Step-Modus Patterns programmieren. Die stylischen Retrotasten laden regelrecht zur Lauflichtprogrammierung ein und machen ordentlich Spaß, ihre Beleuchtung könnte jedoch etwas stärker sein. Bei Tageslicht sind aktive Steps und die Visualisierung des Playheads nicht mehr zu erkennen. Alternativ kann der aktive Drum Sound mittels Triggerpad in Echtzeit eingespielt werden, wobei automatisch quantisiert wird.

Das ist auch gut so, denn das Triggerpad wirkt ganz schön laggy - Obacht bei der Live-Performance! Mit einer Maximallänge von 64 Steps können bis zu 256 Patterns im RD-9 abgespeichert werden, die sich wiederum zu Songs verketten lassen, von denen dann 16 speicherbar sind. Akzente, Flams und Fills sorgten schon bei der 909 für die nötige Würze im Pattern und sind auch bei Behringer mit an Bord. Zusätzlich wurden noch Step und Note Repeat Feature verbaut, die sich tatsächlich gut in den Vintage-Workflow einfügen. Letzteres kann sogar auf 128tel wiederholen und klingt dabei fast wie ein Granular Synth.

In der Praxis überzeugten besonders die neuen Sequenzer-Optionen, genauer gesagt Trig Probability und Poly Meter. So können die elf verschiedenen Drum Voices jeweils unterschiedlich lange Patterns besetzen und herrlich polyrhythmische, technoide Beats generieren. Um zur entsprechenden Einstellung zu gelangen, genügt ein Druck auf den Settings Button mit anschließender Betätigung von Step-Taster sieben - erkennbar an der Überschrift "Poly". Dem aktiven Drumsound kann jetzt ein neuer Endstep zugewiesen werden, von 1 bis 64. Die Trig Probability hat wieder ein eigenes Untermenü und wird von Taster X aktiviert.

Anschließend lässt sich eine globale Wahrscheinlichkeit zwischen 0 und 100 eingeben, die dann für alle betroffenen Steps angewendet wird. In diesem Modus gesetzte Trigs lassen das Instrument auf den ausgewählten Steps nur noch zum entsprechenden Prozentsatz erklingen. Insgesamt fühlt sich die Arbeit am RD-9 jederzeit herrlich direkt und intuitiv an, der Workflow ist also gelungen. Lediglich die Orga-Features zum Speichern, Duplizieren etc. von Patterns sind etwas holprig geraten, kommen aber auch seltener zum Einsatz.

Fazit

909-Look, -Sound und -Feeling für knapp 350 € sind eine verlockende Ansage von Behringer. Die brachiale Größe des RD-9 wirkt anfangs vielleicht übertrieben, passt aber hervorragend ins Konzept: Reichlich Platz für die Finger und ein übersichtlicher Workflow helfen dabei, den legendären Sound effektiv und kontrolliert in Szene zu setzen, ohne Menütaucherei und nervige Doppelbelegungen. Die zusätzlichen Parameter für die Klangregelung von Kick und Hihat sind witzige Erweiterungen, aber nicht wirklich das Gelbe vom Ei, mit dem Wave Designer verhält es sich ähnlich. Die erweiterten Sequenzer-Funktionen können da eher überzeugen. Besonders Trig Probability und Sequenzlänge pro Stimme machen eine Menge Spaß und sorgen im Handumdrehen für abwechslungsreiche und treibende Patterns. Das Multimode Filter sowie Step und Note Repeat runden den RD-9 Performance-mäßig ab und bieten die Abwechslung, die etwa beim RD-6 noch fehlte. Wer das Geld und den Platz hat sowie gerne im Techno unterwegs ist, darf hier bedenkenlos zuschlagen.

Pro

Legendärer und druckvoller Analogsound
Neue Parameter für Kick und Hihat
Überarbeiteter Sequenzer
Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Kontra

Trigger Pad zu laggy
Beleuchtung der Step-Taster etwas schwach

Preis:

349,00 EUR

Weitere Informationen gibt es auf der Website von Behringer.

Veröffentlicht in Tests und getaggt mit analog, Behringer, Drum Machine, Klong, RD-9, Roland, TR-909

Geschrieben von:
Kai Dombrowski

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