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Test: Elektron Syntakt / Groovebox mit Synthesefunktion

Test: Elektron Syntakt / Groovebox mit Synthesefunktion

Tests.2. September 2022

Nach den erfolgreichen Instrumenten Digitakt und Digitone haben Elektron dieses Jahr eine weitere Groovebox auf den Markt gebracht, die sich im Kontrast zur Verwandtschaft auf die Synthese von Drumsounds spezialisiert. Syntakt heißt der Neuzugang und liefert acht digitale sowie vier analoge Synthesizer-Spuren, gepaart mit den legendären Sequencing-Optionen der Schweden. Neben den vielen Percussion-Klängen sind aber auch Synthesizer-Sounds realisierbar, hinzu kommen digitale und erstmals analoge Effekte. Wie sich Elektrons Syntakt in der Praxis schlägt, zeigt dieser Test.

Quickfacts

  • Groovebox mit acht digitalen und vier analogen Tracks für Drums und Synths
  • 64 Step Sequencer mit bis zu 72 Parameterlocks
  • Individuelle Track-Längen, Patternchaining, Trig Conditions und Sound Locks
  • Echtzeitaufnahme mit optionaler Quantisierung und Automationen
  • Jeder der 12 Tracks kann als MIDI-Track verwendet werden

Verarbeitung und Haptik

Genau wie Digitakt und Digitone kommt auch Syntakt mit Maßen von 215 x 184 x 63 mm und im soliden Metallgehäuse daher. Generell sind die Geräte abgesehen von Farbgebung und Beschriftung kaum voneinander zu unterscheiden, sodass der Syntakt direkt einen vertrauten Eindruck erweckt. Lediglich das Gewicht von 1,53 kg ist etwas höher als bei den Digi, was vermutlich auf die analogen Schaltkreise zurückzuführen ist, die eines der Alleinstellungsmerkmale des Syntakt bilden. Ansonsten punktet die Groovebox mit dem stylisch schwarzen Chassi, den matt angerauten Bedienelementen und der interaktiven Hintergrundbeleuchtung der Taster.

Acht Endlos-Encoder mit Push-Funktion neben einem 128 x 64 Pixel OLED-Screen machen das Zentrum des Workflows aus. Die Anzeige des Bildschirms ist zwar schwarzweiß, dafür aber gut lesbar. Besonders gelungen sind die vielen grafischen Darstellungen der einzelnen Parameter, die sich beim Justieren in Echtzeit verändern. Allerdings ist das Display relativ anfällig für Kratzer und hat sichtbare, wenn auch recht kleine Spalten am Rand. Die Verarbeitung der Encoder ist hingegen einwandfrei, von den griffigen Gummikappen bis hin zur velocity-empfindlichen Regelgeschwindigkeit. Links vom Display gibt es noch einen Masterregler und einen weiteren Encoder für Data-Dial-mäßige Utility-Funktionen in den Browser-Menüs.

Unterhalb der Encoder-Gruppe befinden sich beleuchtete Menütaster, mit denen man durch diverse Regelbereiche wie Filter, Amp oder LFO blättern kann. Folglich sind alle Menüs zur Klangregelung über nur einen Tastendruck erreichbar, das parallele Bedienen von verschiedenen Untermenüs ist jedoch nicht möglich. Wer Filter Cutoff und Amp Decay gleichzeitig steuern will, muss tiefer in die Trickkiste greifen. Die vielen Taster von Syntakt und Co. sind mit ihrem klapperigen Spielgefühl vielleicht gewöhnungsbedürftig, auf jeden Fall etwas Besonderes. In Sachen Funktionalität und Verarbeitung gibt es aber auch hier nichts zu meckern. Die Hintergrundbeleuchtung der Step-Taster wechselt je nach Betriebszustand die Farbe, was den Überblick enorm erleichtert.

Anschlüsse und Lieferumfang

Die Anschlusssektion der Groovebox besteht aus fünfpoligem MIDI-Trio, zwei Inputs sowie zwei Outputs und einem Kopfhörerausgang im 6,35mm-Klinkenformat. Belegbare Extra-Ausgänge wären bei einer zwölfspurigen Drum Machine natürlich wünschenswert, durch den USB-B-Slot und Overbridge lassen sich die Tracks des Syntakt aber auch einzeln ausgeben. Upgrades der Firmware finden ebenfalls über den USB-Anschluss statt und erfordern die aktuelle Version von Elektrons kostenloser Transfer Software. Das passende USB-Kabel mit wertiger Ummantelung und 1,5 m Länge ist im Lieferumfang enthalten. Ansonsten befinden sich in der Kiste des Syntakt noch das passende 12-Volt-Netzteil, der Quickstart Guide, ein Poster und ein paar Sticker. Das komplette Manual mit 112 Seiten gibt es digital im Download-Bereich auf Elektrons Homepage.

Anschlüsse des Elektron Syntakt.

Tracks und Maschinen: Digital

Die ersten acht Tracks des Syntakt arbeiten digital und stellen zehn Maschinen zur Auswahl: BD Modern für Kicks, Basic und Vintage Snare, Carbon für Percussion, Vintage Clap und Alloy für Cymbal Sounds. Die digitalen Drumsounds zeichnen sich dadurch aus, dass sie bei Bedarf erstaunlich obertonreich und aggressiv klingen können. Ob Square- und Triangle-Modulation bei der Kick oder Operator Ratios für Snares und Cymbal - die FM-Drums des Syntakt eignen sich hervorragend für Noise und Industrial sowie als durchsetzungsstarke Ergänzung in zahmeren Grooves. Mit etwas Geduld lassen sich aber auch gediegene und realistische Percussion-Klänge erzeugen. Nur traditionelle Ride- und Becken-Sounds sind mit der Alloy-Maschine nicht so leicht umsetzbar, Hihats funktionieren hier hingegen super.

FM-artige Synthesizer-Klänge können monophon, als Chord, mit Bitcrush oder im Chiptune-mäßigen Toy-Modus realisiert werden. Pro Maschine gibt es acht verschiedene Parameter zur Klangregelung, nur Tune, Decay und Overdrive tauchen bei allen Sound-Typen auf. Die Tone-Maschine eignet sich besonders gut für Bässe oder Leads und wirkt mit Operator Ratio, Feedback und Modulation am ehesten wie ein klassischer FM-Synth. Chord verbraucht relativ viel Platz für die Voreinstellung des gespielten Akkords, verfügt aber über einen dedizierten Parameter zur Justierung der Wellenform. Mit den Toy- und Bit-Maschinen liefert Syntakt die ideale Ergänzung für eine ausgewogene Palette an Digital-Sounds. Insgesamt punkten die digitalen Klangerzeuger mit einem organischen Crunch, der es schafft, die Brücke zu den analogen Maschinen des Syntakt zu schlagen.

Tracks und Maschinen: Analog

Während für analoge Klänge lediglich vier der 12 Tracks des Syntakt vorgesehen sind, ist die Anzahl an verfügbaren Maschinen hier deutlich höher. So gibt es 15 Typen für die analogen Drum Tracks und nochmal 12 für die Cymbal-Spur. Der Clou: die analogen Machines sind mit analogem Overdrive und Multimode Filter ausgestattet, die sich hören lassen. Im Vergleich zur digitalen Alternative klingen die analogen Crashes und Rides übrigens deutlich realistischer. Das große Manko ist jedoch, dass für die 12 verschiedenen Machines nur ein Track zur Verfügung steht - die Qual der Wahl ist also real. Dank Sound Locks können zumindest Open und Closed Hats sinnvoll kombiniert werden, weil diese sich in der Regel ohnehin abwechseln. Wer noch weitere Becken-Sounds auf eine Spur quetschen will, muss das Arrangement entsprechend anpassen.

Neben den analogen Percussion Maschinen gibt es noch zwei Utility Synths für Noise und Impulse sowie einen analogen Dual VCO. Letzterer erlaubt das unabhängige Justieren von Tuning, Decay, Wellenform und Lautstärkeverhältnis zweier Oszillatoren, mit Optionen für Ring Modulation, Frequency Modulation oder einer Mischung aus beiden. Was die verfügbaren Wellenformen betrifft, gibt es in erster Linie Sinus, Dreieck und Sägezahn. Pulswellen fehlen beim Dual VCO und auch diese Maschine ist monophon aufgebaut. Der oben erwähnte Utility Impulse eignet sich für die Emulation von Tom Sounds, indem ein schlichter Klangimpuls mit dem resonanten Multimodefilter des Syntakt kombiniert wird. Während die Filter und Overdrive Effekte der analogen Maschinen ebenfalls mit analoger Funktionsweise punkten, gibt es bei den digitalen Sounds jeweils ein extra Bandwidthfilter dazu.

Filter, Amp und LFOs

Im Gegensatz zu den je nach Maschine wechselnden Parametern der SYN-Page sind die Klangfärbungsoptionen für Filter, Amp und LFO auf jedem Track gleich. Das sorgt für einen schnellen Einstieg in den Workflow und bringt keinerlei Probleme mit sich, weil die verfügbaren Settings so vielseitig sind, dass sie für Drums und Synths gleich gut funktionieren. Das digitale Multimode Filter kennt die Modi Lowpass, Highpass sowie fünf verschiedene Bandpass- bzw. Notchfilter, die sich jeweils in der Flankensteilheit unterscheiden. Hinzu kommen eine dedizierte Filterhüllkurve pro Track und regelbare Resonanz, die auch dafür zuständig ist, ob die letzten Filtertypen Bandpass- oder Notch-mäßig arbeiten. Für die analogen Filter sind die Modi Lowpass, Highpass, Bandpass, Notch, Peak, High Shelf und Low Shelf vorgesehen.

Bei den Hüllkurven stehen die Varianten AHD und ADSR zur Auswahl, erstere ist etwas reduzierter, verfügt aber über eine Hold-Funktion. Weil die Justierung der Hüllkurven mit nur vier der acht Encoder auskommt, sind in diesem Menübereich noch die Sends für Delay und Reverb sowie Panning und Track-Lautstärke untergebracht. Der erste der beiden LFOs des Syntakt kann jeden Parameter der Synthesizer-, Filter und AMP-Pages modulieren und kommt demnach auf 29 mögliche Ziele. Mit dem zweiten LFO lassen sich zusätzlich die Parameter von LFO 1 ansteuern. Dank der sieben verfügbaren Wellenformen, großzügigem Tempo-Modifier und diversen Modi wie Retrig, Hold oder Half Cycle lässt sich mit den LFOs des Syntakt eine Menge anstellen, um noch mehr Leben in die Sequenzen der Groovebox zu hauchen.

Datenstruktur

Elektrons Syntakt kann in seinem +Drive bis zu 128 Projekte und 2048 Sounds abspeichern. Pro Projekt lassen sich auf acht Bänken je 16 Patterns ablegen, also 128 insgesamt. Die maximale Länge eines Patterns beträgt 64 Steps, kann sich aber wie oben beschrieben von Track zu Track unterscheiden. Zusammen mit den ausgewählten Sounds der 12 Tracks des Syntakt werden die Sequenzerlängen, BPM, Swing, Taktart und Parameter Locks im Pattern abgespeichert. Außerdem gibt es für jedes Projekt einen Sound Pool, der 128 Sounds umfasst und als Sammelbecken für die Sound Locks fungiert. Sound Locks sind eine Variation der Parameter Locks und erlauben das Wechseln des wiedergegebenen Sounds per Step, vorausgesetzt er passt zum Track Type. Die über 2000 Sounds aus dem +Drive eignen sich im Vergleich zum Soundpool eher als globaler Preset-Speicher.

Der Sequenzer

Weil sich mittlerweile so viele Produkte an den Sequenzer Funktionen von Elektron Gear orientieren, wirken die Features on Paper gar nicht mehr so spannend: Automationen programmieren oder in Echtzeit aufnehmen zu können und die Wahrscheinlichkeit zu justieren, mit der Trigs wiedergegeben werden, gibt es nicht nur bei den Schweden. Trotzdem läuft es mit den Elektron-Kisten immer noch besser als bei der Konkurrenz. Das liegt zum einen daran, dass 72 Parameterlocks aufgezeichnet werden können, wo beispielsweise Rolands TR-8s mit drei Pro Track auskommen muss. Zum anderen lassen sich beim Syntakt alle Parameter der Klangerzeugung auf diese Weise automatisieren. Hinzu kommt die überaus flache Menüführung, sodass das Verfremden einzelner Trigs kinderleicht von der Hand geht.

Die Trig Conditions punkten neben Wahrscheinlichkeiten und Fill-Funktionen mit der taktgenauen Angabe, in der ein Trig gespielt wird. So lassen sich auch in eintaktigen Sequenzen Variationen realisieren, die sich auf bis zu acht Durchläufe erstrecken. Dieses Feature gibt es so nur bei Elektron und bringt den Sequenzer-Workflow aufs nächste Level, ohne ständig durch die Takte scrollen zu müssen. Microtiming und Retrigger-Funktionen sowie optionale und sogar nachträgliche Quantisierung runden das Arsenal des Sequenzers ab. Für die Kommunikation mit externen Geräten können die Audiospuren des Syntakt auch zum Versenden von MIDI-Signalen verwendet werden. Das Schöne dabei ist, dass auch die verschickten MIDI-Control-Parameter mittels Parameter Locks und Co. verfeinert werden können.

Die Effekte

Zusätzlich zu den vielen Filtern und Overdrives, die pro Track arbeiten, gibt es beim Syntakt noch Delay und Reverb als globale Send-Effekte. Mit ihrer digitalen Funktionsweise geht zwar ein relativ kühles Soundbild einher, doch dank der detaillierten Klangregelung lässt sich definitiv mit den Effekten arbeiten. So gibt es beim Delay beispielsweise ein Kombifilter in der Feedbackschleife, das mit regelbarer Frequenz für Lowpass und Highpass zumindest ein bisschen nach Tape Delay klingen kann. Modulation fehlt abgesehen von einem Ping-Pong-Modus komplett und die Delay Time lässt sich ausschließlich manuell regeln - Subdivisions Fehlanzeige. Der Reverb ist neben Pre-Delay und Decay ebenfalls nur im Frequenzgang zu bearbeiten. Dafür gibt es einen dedizierten FX-Track für den Sequenzer, auf dem die Parameter der Effekte automatisiert werden können.

Alternativen

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Fazit

Elektron Gear lohnt sich in der Regel bereits für den Workflow rund um die überaus leistungsstarken Sequenzer der Schweden. Das ist beim Syntakt nicht anders, vorausgesetzt der fehlende Song Mode ist verkraftbar. Ansonsten sind die Parameter- und Sound-Locks samt Trig-Conditions ein absolut mächtiges Tool, um im Handumdrehen lebendige Sequenzen zu erzeugen, die auch nach 16 Takten noch interessant sind. Hinzu kommen zwei LFOs pro Track oder die Möglichkeit, externe Instrumente via MIDI in den Genuss des Elektron Way zu bringen. Dank der Mischung aus analogen und digitalen Maschinen liefert Elektrons neuste Groovebox außerdem eine überaus breite Klangpalette, wo sich anderes Gear eher auf eine Syntheseart spezialisiert. Der Hauptkritikpunkt des Syntakt ist vermutlich der Preis, der mit über 900 Euro mit einem Bein in der Oberklasse steht. Analoge Klangerzeugung hin oder her, für das Geld sind die überschaubare Anzahl an Effekten und die fehlenden Einzelausgänge jenseits von Overbridge nicht allzu leicht zu verkraften. Wer mit Filtern, Overdrives, Delay und Reverb zufrieden ist, sollte den Syntakt aber definitiv auschecken.

Pro

Solide Verarbeitung mit Metallgehäuse
Umfassende Synthese-Möglichkeiten nicht nur für Drums
Legendärer Elektron-Sequencer mit Parameter Locks, Trig Conditions und Co.
Fetter und lebendiger Sound

Kontra

Keine Einzelausgänge
Kein Songmode
Nur ein analoger Track für Becken-Sounds

Preis:

949,00 EUR

Weitere Informationen gibt es auf der Website von Elektron.

Veröffentlicht in Tests und getaggt mit analog, Drummachine, Elektron, groovebox, sequenzer, Syntakt, Synthesizer

Geschrieben von:
Kai Dombrowski

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