Test: Novation Launchkey Mini MK3

Test: Novation Launchkey Mini MK3

Tests 30. November 2019

Der Markt der kompakten MIDI-Keyboards um die 100€-Marke ist seit Jahren heiß umkämpft. Mit dem Launchkey Mini MK3 hat Novation vor Kurzem das Update seines Kompakt-Keyboards vorgestellt.Kompakte MIDI-Keyboards mit zusätzlichen Controller-Funktionen gibt es wie Sand am Meer, Novation hat jedoch eine sinnvolle und intuitive Kombination aus Keyboard und Launchpad geschaffen, die es so nicht bei der Konkurrenz gibt.

Das meiner Meinung nach wichtigste neue Feature neben den neuen Vollfarb-LED-Pads, Touchstrips und Arpeggiator-Modi ist die Standalone-Funktionalität: Das Lauchkey Mini MK3 besitzt einen MIDI-Ausgang (3,5mm-Klinkenstecker) und kann auch ohne Computer oder Tablet als MIDI-Controller genutzt werden. Selbstverständlich inklusive Arpeggiator und Fixed-Chord-Funktion. In Zeiten von Korg Volca und Co., in denen immer mehr Produzenten auch live performen möchten - und das vor allem auch mit Setups ohne Computer - ist die Standalone-Funktionalität eigentlich ein Muss. Umso besser, dass die Entwickler bei Novation das auch mitbekommen haben.

Unboxing

Im Lieferumfang ist das Launchkey Keyboard und ein passendes USB-A-zu-USB-B-Kabel. Ich finde es super, dass kein Micro/Mini-USB-Anschluss genutzt wurde, da der große Stecker meiner Erfahrung nach deutlich stabiler ist. Gerade bei den Keyboards von Konkurrenten wie Akai sind diese Anschlüsse sehr anfällig für Defekte. Neben Keyboard und Kabel befindet sich im Karton weiterhin nur ein Link zum Software-Download. Ein MIDI-Adapter-Kabel von 3,5mm auf den großen DIN5-Stecker liegt leider nicht bei.

Das Gerät ist aus Kunststoff und mit seinen 690g relativ leicht. Die Potentiometer wackeln etwas, haben jedoch einen angenehmen Widerstand beim Drehen. Die Oberflächen der Pads fühlen sich weich, aber nicht "klebrig" an. Ganz im Gegenteil: Die Haptik ist super angenehm und man kann auch mühelos über mehrere Pads mit einem Finger sliden, ähnlich wie beim Medusa von Dreadbox und Polyend. Über die Klaviatur lässt sich ebenfalls nichts Schlechtes sagen: Die Tasten sind auch im kompakten Format gut spielbar und unterscheiden sich nicht wirklich von der Konkurrenz.

Anschlüsse des Novation Launchkey Mini MK3.
Die Rückseite des Launchkey Mini mit Anschlüssen für USB, MIDI und Sustainpedal.

Praxis

Beim ersten Anschließen des Gerätes bin ich baff: Ich habe eine Ableton-Session geöffnet, stecke das Keyboard an und es funktioniert sofort als Controller. Sämtliche Transport- und Trigger-Funktionen laufen, ohne dass ich auch nur einmal die Einstellungen aufrufen musste. Auch die Trigger-Pads haben direkt die Farben der jeweiligen Loops in meiner Session angenommen - klasse! Um die MIDI-Befehle der Keyboardtasten zu empfangen, muss ich dann doch noch den Track-Input in den MIDI-Einstellungen aktivieren. Aber das muss man ja immer in Live.

Fernsteuerung

Ich jamme ein wenig und nehme neue Loops auf. Es macht Spaß, das Ganze nur über das Launchkey zu steuern. Play, Stop, Mute, Solo, Panning, Send FX Level, alles direkt über das Bedienfeld ohne an den Computer zu müssen. Sowohl die Pads als auch die Potentiometer können unterschiedliche Parameter in Live steuern. Um die Belegung zu wechseln, hält man die Shift-Taste gedrückt und wählt einen Modus über die obere Zeile der Pads.

Die verschiedenen Control-Modi sind zum Glück über der oberen Padreihe aufgedruckt (Session, Drum, Custom etc.), hier gibt es auch die Möglichkeit, eine Custom-Belegung für die Pads oder die Potis aufzurufen. Die Custom-Belegung lässt sich sehr einfach über die Website von Novation oder den Offline-Editor 'Components' erstellen und über USB auf das Launchkey übertragen. Hier stehen auch schon viele vorgefertigte Mappings für andere Geräte zur Verfügung.

Ich komme schnell in einen angenehmen Flow und teste verschiedenen Kombinationen von Clips über die Pads. Die Capture MIDI-Taste ist auch sehr praktisch, jedoch sei hier gesagt, dass sie nur die entsprechende Funktion in Ableton Live aufruft, also nur Ableton Nutzern zu Verfügung steht. Auch im Standalone-Modus hat die Taste leider keine Funktion.

Besonders hervorzuheben ist neben der Capture MIDI-Taste auch der Smart-Record-Modus: Sobald ein Clip aufgenommen wurde und man erneut auf den Record-Button drückt, wird automatisch in den Overdub-Record-Modus gewechselt. Das ist einfach wahnsinnig praktisch, danke dafür!

Über die Stop-/Solo-/Mute-Taste wird die untere Zeile der Pads mit der jeweiligen Controller-Funktion belegt. Je nach Modus werden die Pads mit verschiedenen Farben versehen. Hier finde ich die Farbwahl zunächst etwas verwirrend: Leider werden im Stop-Modus die Pads rot hinterlegt, was ich automatisch mit Aufnahme assoziiere.

Novation Launchkey Mini MK3 in der Draufsicht.
Das Launchkey Mini MK3 hat ein sehr aufgeräumtes Layout. Auch neu: Ganz links befinden sich zwei Touchstrips für Pitch und Modulation.

Arpeggiator & Chord Memory

Beim eingebauten Arpeggiator hat Novation viel Liebe ins Detail gesteckt. Der Arpeggiator macht Spaß und besitzt einige Features, die man so nicht von einem 08/15-Arpeggiator gewohnt ist: Neben verschiedenen Spielrichtungen, Swing und Geschwindigkeiten gibt es auch verschiedene Rhythmen sowie Randomisation, Deviate und Mutate.

Deviate erzeugt beim Drehen am zugehörigen Poti einen neuen, randomisierten und eintaktigen Rhythmus, der beim Wiederholen gleich bleibt. Mutate funktioniert ähnlich, nur wird hier die Spielreihenfolge der Noten beim Drehen des Reglers neu gewählt. Auch die Notenlänge und Swing lassen sich über die Regler verändern.

Besonders die verschiedenen Rhythmen und Randomisation-Funktionen erlauben hier kreatives Ausprobieren. Wer es noch experimenteller haben will, kombiniert den Arp mit der Fixed-Chord-Funktion. Hierbei kann man einen zuvor eingegebenen Akkord auf jede Taste mappen. So entstehen im Nu rhythmische Chord Patterns im 90er-Sample-Style.

Fazit

Ich bin begeistert vom Launchkey Mini MK3. Die Kombination aus Keyboard und Launchpad macht für mich absolut Sinn und ist für Ableton Live Nutzer die kompakteste Steuerlösung auf dem Markt. Besonders viel Spaß hatte ich mit dem Arpeggiator und dem Fixed Chord Mode. Hier hat Novation tolle Arbeit geleistet und ein Tool eingebaut, das zum Spielen und Experimentieren einlädt. Auch die 16 Pads sind im Vergleich zu Keyboards mit acht Pads deutlich praktischer, da man ein ganzes Drum Rack darauf abbilden kann, dank der RGB-Pads auch mit den jeweiligen Farben aus Ableton Live. Gerade durch die farbigen Pads kann man sich sehr schnell und intuitiv in seiner Session bewegen. Mich überzeugt das Launchkey durch seinen durchdachten Funktionsumfang. Die acht Drehpotentiometer und 16 Pads sind für mich die optimale Kombination: Nicht zu wenig, nicht zu viel. Mit dem aktuellen Preis von 99 EUR und seinem Funktionsumfang ist das Novation Launchkey MK3 für mich die aktuell beste Wahl in der Kategorie Kompaktkeyboard mit 25 Tasten. Daumen hoch!

 

Pro

Betrieb ohne Computer möglich
Umfassende Features und Möglichkeiten

Kontra

Kein 3,5mm-Klinke auf DIN5-MIDI-Adapter im Lieferumfang
Capture MIDI und Record nicht Standalone möglich
Nur eine Custom-Einstellung möglich
Kein NoteRepeat oder Arpeggiator über Pads möglich

 

Preis: 99 EUR
Weitere Informationen gibt es auf der Website von Novation.

Veröffentlicht in Tests und getaggt mit Launchkey Mini MK3 , midi controller , novation , Test

Geschrieben von:
Steffen Sennert

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