Test: Rane One / kompakter Vinyl-Controller

Test: Rane One / kompakter Vinyl-Controller

Tests 24. April 2021

Der Rane One ist ein zweikanaliger Vinyl-Controller mit motorgetriebenen Plattentellern, der mobile Performance-DJs ansprechen möchte. Der Controller kann mit Serato DJ Pro sowie mit VirtualDJ und djay Pro AI genutzt werden und bietet umfassende kreative Features. Was sagt der Praxischeck?

Zweikanal-Vinyl-Controller

Der Rane One ist besitzt ein massives Metallgehäuse, das 674 x 345 x 124,3 Millimeter misst und knapp elf Kilogramm wiegt. Packt man den Controller zum Transportschutz in ein Case wie beispielsweise das Thon DJ One, kommen weitere acht Kilogramm dazu, wodurch sich ein recht beachtliches Gesamtgewicht ergibt, einen Transport sollte man daher gut vorbereiten.

Der hervorragend verarbeitete Controller wird für einen UVP von 1799,99 Euro angeboten und dient als Freischalt-Dongle für Serato DJ Pro. Wer alternativ VirtualDJ oder djay Pro AI mit dem One kombinieren möchte, muss die entsprechenden Lizenzen zusätzlich erwerben. Meinen ausführlichen Praxischeck habe ich mit Serato DJ Pro durchgeführt und einen Kurzcheck mit den beiden anderen Programmen.

Decks

Die Decks des Rane Rane One haben ein übersichtliches und praxisgerechtes Layout. 7,2 Zoll große Plattenteller mit Motorantrieb und darauf fixierter Vinylscheiben dienen zur Kontrolle der Songs. Der Motor wird per illuminiertem Start-/Stopp-Taster in Aktion versetzt, kann sich rechts und links (zur Rückwärtswiedergabe) herum drehen und ist mit einer stufenlos anpassbaren Bremse versehen.

Ein Schalter auf der Rückseite dient zur Wahl des Motordrehmoments, hier kann zwischen einem traditionellen und modernen Plattenspielermotor umgeschaltet werden. Feinfühlig dosierbare Pitchfader mit einem Regelweg von zehn Zentimetern übernehmen die Tempokontrolle und Pitchbend-Taster erlauben kleinere Beatmatching-Korrekturen.

Ein Touchstrip mit LED-Positionsmarkierungen ermöglicht das Scrollen durch einen Song; drei Taster dienen zur Aktivierung und Modifizierung von Loops. Für zusätzliche kreative Betätigungen befinden sich in jedem Deck acht doppelt belegte Performance-Pads, die mehrfarbig illuminiert sind und sehr direkt reagieren.

Der Rane One ist mit motoretriebenen Plattentellern ausgestattet und verfügt über zwei Mixerkanäle.

Mixer

Der Mixer ist mit zwei Kanalzügen ausgestattet und kann Computer- oder analoge Zuspielersignale verarbeiten. Dreiband-Equalizer und Dualmode-Filter sind in der Hardware integriert, sodass die Basisfunktionen der Mixersektion auch ohne Computerkontakt standalone nutzbar sind. Die Signalpegel lassen sich dank ampelfarbiger LED-Ketten für die Kanalzüge und den Masterausgang im Auge behalten, wobei die Master-LEDs den Masterpegel der Software anzeigt und nicht den Ausgangspegel der Hardware.

Zum Mixen dienen Kanalfader und ein sehr leicht gleitender Mag-Four-Crossfader, dessen Widerstand im Gehäuseinneren anpassbar ist. Die Verläufe der Faderkurven und Richtungen der Regelwege für alle drei Fader können bequem auf der Vorderseite des One gewählt werden. In der Mitte des Mixerbereichs sind die Software-Effektsteuerungen untergebracht, hier lassen sich bis zu sechs Effekte selektieren und mit großen Wippen aktivieren.

Anschlüsse

Die Rückseite des Rane One ist mit analogen und digitalen Anschlüssen versehen. Symmetrische XLR-Master und -Booth Ausgänge erlauben den direkten Anschluss des Controllers an eine professionelle Beschallungsanlage und ein zusätzlicher Master-Cinch-Ausgang kann für Bedroom-Sessions, Mitschnitte oder andere Einsatzszenarien genutzt werden. Für den Anschluss von (Timecode-) Zuspielern gibt es pro Kanal einen umschaltbaren Line-/Phono-Eingang und ein zusätzlicher Cinch-Aux-In kann für Setup-Erweiterungen genutzt werden.

Für MCs oder andere Vocal-Performer gibt es zwei Combo-Mikrofoneingänge, deren Signalsteuerung inklusive individueller Zweiband-EQs auf der Vorderseite des Controllers residieren. Leider hat Rane auf eine Talkover-Funktion und Mikrofoneffekte verzichtet. Der Controller ist zudem mit zwei USB-Buchsen ausgestattet, sodass DJ-Teams den Controller parallel nutzen können und ein DJ-Wechsel vereinfacht wird.

Rane One Anschlüsse.
Die Controller-Rückseite ist mit analogen und digitalen Ausgängen bestückt, sodass ein flexibler Einsatz des Geräts möglich ist.
Rane One Vorderseite.
Auf der Vorderseite lassen sich Mikrofone bequeme kontrollieren und Fader konfigurieren.

DJing

Bevor es mit dem DJing losgehen kann, muss der Controller fertig zusammengebaut werden. Das ganze beschränkt sich allerdings auf das Aufsetzen der beiden Plattenteller sowie die Positionierung der Slipmats und Vinyl-Scheiben. Letztere sind mit einem Schnellverschluss ausgestattet, der sich werkzeuglos bedienen lässt. Für den Praxistest habe ich die neueste Version von Serato DJ Pro (2.4.6) auf meinem MacBook Pro installiert und den Rane One per USB-Kabel daran angeschlossen.

Die Songselektion erfolgt bequem mit den Bedienelementen in den Decks. Das anschließende Beatmatching kann manuell oder per Sync-Funktion erfolgen, beides funktioniert sehr gut und passgenau. Die Steuerung der Songs mit den Vinyls ist sehr authentisch, alle Manipulationen an den Scheiben oder Plattentellern werden ohne merkbare Verzögerung auf die Songs übertragen, sodass Scratch-Manöver, Backspins und Pitchbends wie mit "echten" Vinyls gelingen. Die Größe der Steuervinyls (7,2 Zoll) empfinde ich als ausreichend, die Jogwheels der meisten Profi-Controller haben in etwa die gleichen Dimensionen.

Mit den Performancepads lassen sich die Funktionen HotCue, Pitch Play (nur in Verbindung mit der Pitch n'Time Expansion), Saved Loop, Roll, Auto-Loop, Sampler Scratch-Bank, Slicer und Slicer Loop kontrollieren. Das Auslösen dieser Features mit den Pads erfolgt sehr direkt, sodass sich Performer*innen hier kreativ austoben können. Etwas unpraktisch ist, dass man die zweite Belegungsebene der Pads nicht auf dem Controller ablesen kann und somit ein Blick ins Handbuch unumgänglich ist. Warum das so gelöst wurde, erschließt sich mir ehrlich gesagt nicht.

Der Mixervorgang gelingt mit den kräftig zupackenden (Kill-) EQs und der gut klingenden Dualmode-Filter souverän. Gut gefallen hat mir zudem der Mag Four Crossfader, dessen Cut-Lag unter einem Millimeter liegt. Die Aktivierung der Software-Effekte mit den großen Wippen kennt man schon von den Rane Seventy-Mixern und haben auch beim One überzeugt, da sich hiermit interessante Klangmanipulationen vornehmen lassen.

Die zum Einsatz kommenden Serato-Effekte können in sechsfacher Ausführung in der Software zusammengestellt und per Taster auf dem Controller selektiert werden. Ab Werk stehen für beide Decks die gleichen Effekte zur Verfügung. Diese vorgegebene Kombination habe ich in der Praxis nicht als störend empfunden, wer möchte, kann das in der Software ändern, leider ist es dann aber nicht möglich, die Effektparameter individuell zu steuern, nur die Aktivierung kann separat erfolgen.

Erweiterungen & Klang

An die analogen Eingänge des Rane One lassen sich Multimediaplayer oder Plattenspieler anschließen und mit den digitalen Songs gemeinsam zu Gehör bringen. Eine Effektbearbeitung der Zuspielersignale ist nicht möglich, da kein Einschleifen in die Software erfolgt. Der Klang des Controllers ist amtlich, hier leistet sich das Rane-Gerät keine Schwächen und liefert ein druckvolles und transparentes Signal.

Kurzcheck VirtualDJ & djay Pro AI

Der Rane One lässt sich alternativ mit VirtualDJ und djay Pro AI nutzen. Beide Programme erkennen den Controller und laden die entsprechenden Konfigurationen selbsttätig. In einem Kurzcheck sind mir keine großen Unterschiede zur Serato-DJ-Pro-Umsetzung aufgefallen, sodass man hier bei Bedarf auf eine der beiden Programme zurückgreifen kann.

Fazit

Der Rane One ist ein robuster Zweikanal-Controller mit motorbetriebenen Plattentellern und 7,2-Zoll-Vinyls. Das Gerät erlaubt eine authentische Songsteuerung, die professionellen Performance-DJs große kreative Freiheiten einräumt. Der Controller ist vorbildlich verarbeitet, bietet Erweiterungsmöglichkeiten für analoge Zuspieler und Mikrofone und ein praxisgerechtes Layout. Die zweikanalige Mixersektion ist mit gut klingenden Equalizern und Dualmode-Filtern ausgestattet und kann standalone genutzt werden. Gut gefallen hat mir die Steuerung der Softwareeffekte mit den großen Wippen sowie die praktische zweifache USB-Ausstattung, die einen parallelen Einsatz und einfachen DJ-Wechsel erlaubt. Der Rane One kann mit Serato DJ, VirtualDJ und djay Pro AI genutzt werden und ist eine kompaktere Alternative zu einem hauseigenen Gerätesetup aus zwei Twelve MK2 Playern und einem Seventy Two MK2 Mixer. Sicherlich bietet der Controller im Vergleich zu den Einzelgeräten nicht den gleichen Bedienkomfort und Funktionsumfang, kostet dafür aber deutlich weniger und ist einfacher zu transportieren.

Pro

Kompakter motorbetriebener Vinyl-Controller
Authentische Songsteuerung
Robustes Gehäuse
Standalone-Mixer
Guter Klang

Kontra

Zweitbelegungen der Pads nicht aufgedruckt

Preis:

1498,00 EUR

Weitere Informationen gibt es auf der Website von Rane.

Veröffentlicht in Tests und getaggt mit Algoriddim djay Pro , DJ-Software , one , rane , Test , Vinyl-Controller

Geschrieben von:
Boris Alexander

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