Test: Behringer CAT

Test: Behringer CAT

Tests 1. August 2020

Es ist soweit, Behringer klont jetzt auch Klone! Der neuste Streich der Synth-Invasion heißt CAT und basiert auf dem gleichnamigen Synthesizer der Firma Octave, welcher 1975 als Kopie des ARP Odyssey auf den Markt kam. Zwei Oszillatoren, voll analoger Signalweg und per Schieberegler mischbare Wellenformen zählen zu den Hauptmerkmalen des CAT - sowohl bei Octave als auch bei Behringer. Wie die späteren Octave CATs ist auch die Behringer Katze duophon spielbar, verzichtet aber wie immer auf eine integrierte Klaviatur und kommt im Eurorack-Format. Wie nah sich Behringer ansonsten am Vorbild orientiert hat und welche neuen Features verbaut wurden, zeigt dieser Test.

Anschlüsse und technische Daten

Wie bereits erwähnt verfügt der CAT mit Abmaßen von 87 x 374 x 136 mm über dasselbe Format wie andere Behringers wie bspw. der Model D oder der K-2 und lässt sich in Euroracksetups integrieren. Das dafür notwendige Stromkabel liegt wie immer bei, ansonsten befindet sich in der OVP noch das Netzteil - ein Manual gibt's dieses Mal nicht. Auch die 1,8 kg Gewicht kennt man von anderen Vertretern der Invasion, ebenso die einwandfreie Verarbeitung des Synths. Das Metallgehäuse ist fest und spaltfrei verschlossen, lässt sich nirgends eindrücken und auch die Potis sitzen angenehm fest. Gewöhnungsbedürftig sind die Fader, einfach weil Potis für Filter und Co. das gängigere Bedien-Interface sind. Die Verarbeitung wirkt trotz ihrer geringen Größe jedoch recht stabil und der widerständige Regelweg erlaubt präzise Einstellungen.

 Behringer CAT Frontalansicht.
Die meisten Anschlüsse des CAT Synthesizers befinden sich auf dem Frontpanel. Rückseitig gibt's nur das Nötigste.

Auf der Rückseite des Synths gibt es zwei 6,35mm-Klinkenausgänge für High- und Low-Impedance, die üblichen Dip Switches für die Einstellung des MIDI-Channels, Power-Knopf und DC-In. Wie schon beim WASP hat Behringer auch dieses Mal den USB-Anschluss auf die Vorderseite zu den MIDI-In- und MIDI-Thru-Anschlüssen verfrachtet. Klar wurde dabei ans Eurorack gedacht, doch davon abgesehen stören Kabel über dem Frontpanel einfach - es sei denn, es handelt sich um eine Patchbay. Die gibt's beim CAT natürlich auch, dieses Mal sogar deutlich differenzierter als noch bei der Wespe. Die Buchsen sind im platzsparenden 3,5mm-Klinkenformat gehalten und fungieren beispielsweise als Phones Out, Main Out oder External In, doch dazu später mehr. Wer sich schon immer als Katzenlady der Musikszene probieren wollte, kann bis zu 16 CATs polychainen und mehrstimmig spielen.

Die Oszillatoren

Der Behringer CAT ist ein analoger Synthesizer mit zwei Oszillatoren, die wahlweise monophon oder duophon gespielt werden können. Wegen der Formatunterschiede zur Octave Version hat Behringer die Anordnung der Bedienelemente neu sortiert. Die Parameter selbst orientieren sich aber hundertprozentig am Original: Oszillator eins kann als Dreieck-, Sägezahn- oder Pulswelle klingen, wobei sich Letztere in der Pulsbreite modulieren lässt. Das ist nach K-2, WASP und Co. ein langersehntes Feature - Danke, Behringer! Außerdem gibt es noch einen Sub Octave Generator in Form einer fixen Pulswelle. Der Clou beim CAT ist, dass die einzelnen Wellenformen per Fader ineinander geblendet werden können, was für zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten und eine große Klangvielfalt sorgt.

Wer sich mit vier Schiebereglern unterfordert fühlt, nimmt einfach den zweiten Oszillator hinzu, hier fehlen allerdings Dreieckswelle und Pulsmodulation. Beide Oszillatoren können via Fine-Tune-Regler unabhängig voneinander gestimmt werden. Oszillator eins verfügt zusätzlich über einen Coarse Knob, um von 0,2 Hz bis 2 kHz gröbere Tunings zu ermöglichen. Zu guter Letzt befindet sich noch ein Schieberegler für Pitchbends mit einer Reichweite von +/- einer Oktave am linken Rand des Frontpanels, direkt neben dem Fader für die Glide-Funktion. Für größere Sprünge gibt es einen Kippschalter, der das Signal sogar zwei Oktaven rauf- oder runter-pitcht.

 Behringer CAT Frontansicht
Wie immer orientiert sich Behringer an der Optik des Originals. Die vielen Fader stechen zuerst ins Auge.

Hüllkurven und Modulation

Wer schon in den 70ern mit dem CAT musiziert hat, wird die Hüllkurvengeneratoren beim Behringer für einen Moment suchen müssen. Diese sind statt oben links nämlich rechts angeordnet, ansonsten aber identisch aufgebaut. Die erste Hüllkurve kennt das volle Programm - Attack, Decay, Sustain und Release, die zweite Hüllkurve arbeitet nur mit Attack und Release. Welche der beiden das Anschwingverhalten des Synths beeinflusst, wird mittels Kippschalter bestimmt. In der Off-Stellung fungiert der CAT als Drone-Synth, ein weiterer Kippschalter versetzt die Hüllkurve in Dauerschleife. ADSR und AR können außerdem die Filterfrequenz, den Pitch der Oszillatoren und die Pulsbreite von Oszillator eins beeinflussen - sehr cool! Apropos Modulation: Auch die Oszillatoren sind so vorverdrahtet, dass sie per Kippschalter und eigenem Poti für Crossmodulation eingesetzt werden können oder sich ans Filter routen lassen.

LFO und Patchbay

Wer sich mit den vorgegebenen Modulationsmöglichkeiten immer noch nicht zufrieden gibt, kann über die Patchbay weitere Routings erzielen. Es gibt Ausgänge für Keyboard CV, Gate, ADSR und AR sowie die eingangs erwähnten Phones- und Main-Ausgänge. Der VCA und die beiden VCOs lassen sich über CV-Eingänge steuern, weitere Inputs für Gate, Filterfrequenz, -resonanz sowie ein External In runden die Patchbay ab. Komischerweise gibt's keine Anschlüsse für den LFO. Weil die originalen Octave CATs sowieso noch keine dedizierte Patchbay besaß, hätte Behringer ruhig entsprechende Anschlüsse spendieren können. Dafür lässt sich der LFO auch ohne Patch an die Filterfrequenz, die Pulsbreite oder den Pitch der Oszillatoren schicken. Die Frequenz des LFO wird wieder per Fader justiert, ein weiterer Fader regelt den LFO-Delay mit einem Höchstwert von fünf Sekunden. Als Wellenformen stehen Sinus- und Rechteckwelle sowie Sample and Hold zur Auswahl. Schlusslicht der Modulationsvielfalt bildet der Noise-Generator der CAT, welcher per Fader das Beimischen von Whitenoise erlaubt.

 Behringer CAT Halbprofil links.
Der Behringer CAT überzeugt als charakterstarker Analog-Synth zum fairen Preis.

Fazit

Zwischen all den Behringer-Releases schafft es der CAT tatsächlich, sich hervorzuheben. Das liegt auf den ersten Blick am Fader-basierten Workflow, der sich besonders für das Mischen der Wellenformen und die Kalibrierung von ADSR und AR eignet. Auch die LFO Frequenz ließ sich merklich genauer einstellen, als noch mit den Potis von WASP und K-2. Die Filterfrequenz macht hingegen wenig Spaß und erfordert sehr viel Fingerspitzengefühl. Ein schön großer Drehregler wie beim Erica Synth DB-01 eignet sich für diesen Job nach wie vor am besten. Doch nicht nur die Bedienung, auch der Sound des CAT hat überzeugenden Eigencharakter. Wahlweise LoFi bis dreckig mit hörbarem 70er-Anteil, oder fett und modern – der CAT belohnt das Ausschöpfen der Klangfärbungsoptionen immer wieder mit deepen Sounds. Das Konzept mit den mischbaren Wellenformen und der Crossmodulation wirkt sehr zeitgemäß und nicht so kühl, wie bei den oft digitalen Alternativen des Preissegments.

Pro

Druckvoller, lebendiger Sound
Hochwertige Verarbeitung
Stimmiges Preis-Leistungs-Verhältnis

Kontra

Keine Patch-Möglichkeiten für den LFO

Preis:

311,00 EUR

Weitere Informationen gibt es auf der Website von Behringer.

Veröffentlicht in Tests und getaggt mit analog , Behringer , CAT , Synthesizer , Test

Geschrieben von:
Kai Dombrowski

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