Der CMA-10-2DL von Rudy Bozak, der Mitte der Siebzigerjahre auf dem Markt kam, war nicht nur der erste kommerzielle Mixer, sondern gleichzeitig auch ein Mischer der besonderen Art: Ein Rotary. Konventionelle Linefader-Mixer, die deutlich preisgünstiger waren und zugleich mehr Features boten machten es den puristischen Rotary Mixern in den folgenden Jahrzehnten allerdings schwer und verdrängten sie fast vollständig vom Bildfläche.

Aktuell ist die Renaissance der Rotary Mixer aber wieder im vollen Gange. Grund dafür ist zum einen die Rückbesinnung auf wesentliche Funktionen, zum anderen ein nicht von der Hand zu weisender Nostalgie-Faktor. Hinzu kommt ein Workflow, der durch große, griffige und sehr fein aufgelöste, drehbare Lautstärkenregler ein gefühlvolleres Mixen erlaubt. Des Weiteren sticht ein Großteil der Rotary Mixer durch eine stillvolle Designsprache und hochwertige Verarbeitung heraus.

Konzeptionell weisen Rotary Mixer keine klassischen Linefader auf, sondern stattdessen üppige Drehregler. Außerdem wird in der Regel auf Crossfader verzichtet. Durch diese Eigenschaften sind diese Mischpulte zwar eher ungeeignet für die Arbeitsweise eines Hip-Hop-DJs, jedoch besonders zweckdienlich für Discjockeys, die z. B. House und Techno auflegen. Das Mischen mit Drehreglern erlaubt nämlich weichere und fließende Übergänge. In der Regel verfügen Rotary Mixer nicht über Effekte wie Delay, Reverb und Co., jedoch lässt sich in einigen Geräten externe Hardware über Aux- bzw. Send/Return-Kanäle einschleifen.

Rotary Mixer sind zumeist auch durch die Verwendung von sehr hochwertigen verbauten Komponenten sündhaft teuer und daher vor allem professionellen und besonders audiophilen DJs vorbehalten. Mittlerweile gibt es aber auch erschwingliche Einsteigermodelle am Markt. Mit unserem Überblick könnt ihr euch nun einen Eindruck über die aktuellen Rotary Mixer verschaffen:

Rane MP2015

Mitverantwortlich für den aktuellen Hype um Rotary Mixer ist sicherlich auch der MP2015 des amerikanischen Herstellers Rane, der 2015 auf den Markt kam. So bildet der sehr ansehnliche Club-Mixer doch in den letzten Jahren auch das Herzstück der Set-Ups von House/Techno DJs wie Adriatique und Mano Le Tough.

Der ansehnliche Club-Mixer ist in erster Linie ein 4-Kanal-Mixer, der pro Kanal einen Gain-Regler, 3-Band-EQ und ein resonanzfähiges Multimode-Filter aufweist. Das Filter lässt sich wahlweise über einen Kippschalter als High- und Low-Pass-Filter nutzen. Darüber hinaus gibt es einen dualen High/Low-Pass-Mode. Großzügige Potentiometer vervollständigen die jeweiligen Kanalzüge. Über den vier Eingangskanälen ist eine dreibandige Isolator-Master-EQ-Sektion angeordnet. Komfortabel lässt sich die Crossover-Frequenz zwischen dem Low-Mid- und Mid-High-Bereich individuell bestimmen. Die vier Hauptkanäle können außerdem wahlweise auf einen sogenannten Submix-Kanal geroutet werden.

Die einzelnen Signale können dort individuell zusammengefasst werden und zusätzlich mit einem weiteren 3-Band-EQ und Filter bearbeitet werden. Außerdem kann der Submix-Kanal als zusätzlicher Eingangskanal dienen. Dazu gesellen sich ein Stereo-Aux-Kanal und ein sogenannter FX-Loop mit Send- und Return, um externe Effekte einzuschleifen. Schlussendlich bietet der Rane MP2015 nicht nur die Möglichkeit, CD-Player und Plattenspieler zu integrieren, sondern wird auch Laptop-DJs gerecht, da der Mixer auf der Rückseite zwei USB-Schnittstellen aufweist.

Der Rane MP2015 ist sicherlich der prominenteste Mixer unserer Auflistung - und das zu Recht. So bietet er so gut wie alles, was das DJ-Herz begehrt. Trotz zahlreicher Funktionen präsentiert sich der Mixer mit einer sehr übersichtlichen Bedienoberfläche. Der MP2015 richtet sich nicht nur an CD- und Vinyl-DJs, sondern ist durch das interne Audio-Interface auch für Nutzer von Traktor, Serato und Co. gleichermaßen geeignet. Der komfortable Mixer ist nicht nur eine Augenweide, sondern kann durchaus auch als Marktführer unter den Rotary Mixern bezeichnet werden.

Preis: 2899,00 EUR
Testbericht Rane MP2015

SuperStereo DN78

Der DN78 des britischen Herstellers Superstereo wird in Großbritannien in zwei Versionen handgefertigt. Die Standard-Ausführung wird als DN78LX bezeichnet und die audiophile Auflage mit noch hochwertigeren Komponenten als DN78ADB. Der jeweilige Funktionsumfang bleibt jedoch identisch. Der 2-Kanal-Mixer mit Röhrenendstufe umfasst pro Kanal einen 3-Band-EQ und einen großzügig ausgeführten Level-Regler. Alternativ kann aber auch zwischen beiden Kanälen mit einem drehbaren Crossfader gemischt werden, was wiederum außergewöhnlich für diese Mixer-Gattung ist. Zentral angeordnet finden sich außerdem zwei VU-Meter, die den jeweiligen Ausgangspegel präzise darstellen. Darüber thront eine Isolator-Master-EQ-Sektion.

Mit dieser lassen sich die drei verfügbaren Bänder jeweils im Low-, Mid- und High-Bereich um +8 dB boosten oder komplett cutten. Das edle Retro-Design des DN78 lässt auf den ersten Blick nicht vermuten, dass sich rückseitig zwei USB-Schnittstellen finden. Die Integration von DJ-Software via des eingebauten 32 Bit/384 kHz USB-Interface ist zeitgemäß. Die Vorderseite des Mixers schmücken unter anderem ein Gain-Regler je Kanal, sowie ein Send- und Return- Potentiometer für das Zumischen externer Effekte. Der Superstereo DN78 dürfte vor allem jenen gefallen, die hohe Ansprüche an den Klang und auf die Verarbeitung stellen und jene, die eine Röhrenendstufe und zugleich eine sehr gutes Audio-Interface nutzen möchten.

Preis: Ab 2.599,00 EUR
SuperStereo DN78

Omnitronic TRM-402

Der TRM-402 ist der neuste Rotary-Mixer aus dem Hause Omnitronic. Dieser basiert auf dem TRM-202 MK3, ist jedoch ein 4-Kanal-Mixer. Pro Kanalzug finden sich ein Zweiband-EQ, bestehend aus Low- und High-Bereich, und natürlich der signifikante, etwas großzügiger ausfallende Level-Regler. Leider wurde auf Gain-Regler auf der direkten Bedienoberfläche verzichtet, die Reglung des Eingangssignals kann jedoch auf der Rückseite vorgenommen werden. Mit den großzügig ausgeführten Potis des 3-Band-Frequenz-Isolators, der über den einzelnen Kanälen und der zentralen Master-, Booth-, CUE- und MIC-Level-Sektion ansässig ist, lassen sich die jeweiligen Frequenzbänder des Summen-Signals auslöschen oder um +9 dB anheben.

Der TRM-402 ist mit Abstand der günstigste Mixer in unserer Auflistung. Natürlich sollte man daher nicht erwarten, dass die Verarbeitung und Klangqualität mit anderen Protagonisten dieses Artikels gleichzustellen sind. Dennoch macht das Mischpult für seinen vergleichbar geringen Preis einen durchaus vernünftigen Eindruck. Daher ist der TRM-402 sowie der kleine Bruder TRM-202 MK3 sicherlich besonders für Einsteiger gedacht, sowie für alle, die einen bezahlbaren Rotary Mixer für zu Hause oder einen Zweitmixer suchen.

Preis: 699,00 EUR
Testbericht TRM-402

MasterSounds Radius 4

Der MasterSounds Radius 4 basiert auf dem Radius 2 und ist in einer schwarzen und einer silbernen Ausführung erhältlich. Pro Kanal gibt es natürlich auch hier den obligatorischen, herausragend ausgeführten Rotary-Knob für die Lautstärkenreglung. Darüber befindet sich ein einfach gehaltenes High-Pass-Filter auf den ein Gain-Regler, mit dem das eingehende Phono-/Line-Eingangssignal getrimmt werden kann, sowie ein Aux-Send mit Pre-/Post-Funktion folgen. Unter dem linken VU-Meter befinden sich ein dreibandiger Isolator-Master-EQ, der pro Band um 12 dB angehoben werden kann oder die jeweilige Frequenz völlig auslöscht. Daneben sind die üblichen Verdächtigen Phone-, Master- und Booth-Regler zu finden.

Der Mixer wird in Handarbeit gefertigt. Verbaute High-End-Komponenten und der rein analoge Signalweg sorgen auf allen Ebenen für ein sehr audiophiles Klangerlebnis. Dazu gesellen sich fein aufgelöste Potis, die ein butterweiches Feeling beim Mixen bewirken. Beim Radius 4 handelt es sich also um ein absolutes Liebhaberstück mit höchsten Klang- und Verarbeitungsansprüchen.

Preis: 1.800,00 EUR
MasterSounds Radius 4

Formula Sound FF4.2

Der Formula Sound FF4.2 ist das Ergebnis einer Kooperation mit dem Audiotechnik-Hersteller Funktion-One, der vor allem für seine PA-Lautsprecher bekannt ist. Erhältlich ist das Mischpult in zwei Ausführungen. Der konventionelle Line-Fader Mixer wird als FF4.2L bezeichnet, die Rotary-Version als FF4.2R.

Pro Kanalzug gibt es auf der Bedienoberfläche des FF4.2R einen Gain-Regler, darunter folgt ein Vierband-EQ, der mit der EQ-Sektion des Allen & Heath XONE 92 und kürzlich vorgestellten XONE 96 vergleichbar ist. Ein so üppig ausgestattet EQ-Sektion haben die anderen hier vorgestellten Mixer nicht zu bieten. Dies trifft auch auf den separaten Low- und High-Pass-Filter zu.

Der Formula Sound FF4.2R ist kein klassischer 4-Kanal-Mixer, da der erste Kanal sehr vielseitig genutzt werden kann. So bietet er zum Beispiel Platz für einen phantomgespeisten XLR-Mikrofon- und einen symmetrischen Stereo-Line-Eingang. Schade: Einen Plattenspieler kann man an diesem Kanalzug leider nicht anschließen. Doch hat man mit dem FF4.2 die Möglichkeit, z. B. Synthesizer und Drum-Machines komfortabel in sein Set-up einzubinden. Als kleines Schmankerl weist dieser Channel noch einen Kompressor auf, der sich auf der Unterseite des Mixers feinjustieren lässt.

Der Formula Sound FF4.2R tanzt verglichen mit den anderen Modellen dieser Auflistung etwas aus der Reihe. Eher untypisch für Rotary Mixer verfügt er zwar nicht über eine Isolator-Master-EQ-Sektion, dafür aber über einen Crossfader. Wen die aufgeführten Features ansprechen, der zahlt für die Rotary-Ausführung aktuell 2599 Euro. Wer sich für dieses Gerät näher interessiert, dem sei der ausführliche Testbericht meines Kollegen Boris Alexander zum Formula Sound FF6.2L sehr empfohlen, der im Wesen dem FF4 entspricht.

Preis: 2599,00 EUR
Testbericht FF6.2L

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