Test: Ableton Push 3/ DAW-Controller mit Standalone

Test: Ableton Push 3/ DAW-Controller mit Standalone

Tests. 25. Mai 2023 | 4,2 / 5,0

Geschrieben von:
Kai Dombrowski

Wie aus dem Nichts veröffentlicht Ableton die dritte Auflage ihres DAW-Controllers Push. Push 3 funktioniert erstmals standalone und kommt mit integriertem Akku und MPE-fähiger Pad-Matrix. Auch wenn das Standalone-Feature die wahrscheinlich ausschlaggebendste Neuerung ist, gibt es Push 3 für weniger Geld auch als reinen Controller. Gegen Ende des Jahres soll außerdem ein entsprechendes Upgrade-Kit auf den Markt kommen, mit dem sich die Controller-Version zur Standalone-Variante upgraden lässt. Dieser Test befasst sich vorwiegend mit dem Standalone Push 3.

Quick Facts

  • 64 MPE-fähige RGB-Pads bieten drei Dimensionen für Expressivität
  • Maximal 10 Ein- und 12 Ausgänge via ADAT
  • Integriertes Audiointerface mit 96 kHz bei 24 Bit
  • 256 GB Festplatte und i3-1115G4 Prozessor mit 8 GB Ram
  • Eingebauter Lithium-Eisenphosphat-Akku für bis zu 2,5 h Spielzeit
  • Standalone

Verarbeitung, technische Daten und Lieferumfang

Abletons Push 3 misst (inklusive Regler-Höhe) 380 x 318 x 44,5 mm und wiegt in der Standalone-Ausführung 3,9 kg. Damit ist die neue Version zwar etwas größer als der Vorgänger Push 2, das Design wirkt insgesamt jedoch schlanker. Verarbeitungstechnisch gehört Push 3 zu den wahrscheinlich edelsten Geräten, die je das DJ LAB Testpult gesehen haben. Nicht nur der Look ist zeitlos und absolut hochwertig, auch in Sachen Stabilität scheint der neue Push für die Ewigkeit gemacht zu sein. Das ist auch gut so, denn mit der Standalone-Funktion samt Akku-Betrieb lädt Push 3 zum Verreisen ein.

Apropos Akku: Die eingebaute Lithium-Eisenphosphat-Batterie reicht laut Hersteller für bis zu 2,5 h Spielzeit in hoher Qualität. Um Push 3 auch ohne Computer zu verwenden, hat Ableton einen leistungsstarken Intel i3-115G4 Prozessor mit 8 GB Ram verbaut und ein Audiointerface integriert, das mit einer Samplerate von maximal 96 kHz und 24 Bit Tiefe arbeitet. Leider fehlt Phantomspeisung, was die Auswahl an Mikrofonen ohne Weiteres beschränkt. Abletons Push 3 kommt mit dem passenden Netzteil, USB-C-Kabel, Poster, Onboarding-Guide sowie Sicherheits- und Garantiebestimmungen.

Anschlüsse und Upgrade-Kit

Die Anschlüsse auf der Rückseite sind relativ überschaubar gehalten und bestehen aus jeweils zwei Ein- und Ausgängen sowie separatem Phones-Out im 6,35mm-Klinkenformat. Das ist jedoch nicht das Ende der Fahnenstange, denn mittels optischem Kabel können ADAT-fähige Interfaces kaskadiert werden, um die Connectivity um je 8 Ein- bzw. Ausgänge zu erweitern. Für die Kommunikation mit externem Gear gibt es MIDI-In und -Out als 3,5mm-Miniklinken, einen MIDI-fähigen USB-A-Slot und bis zu vier CV-Ausgänge. Für CV muss lediglich auf die beiden Pedal-Ins verzichtet werden, die sich dann via Y-Kabel auf vier CV-Outs erweitern lassen.

Ansonsten können hier ein Sustain-Pedal und ein Footswitch für die Aufnahmefunktion des Push angeschlossen werden. Um den Push 3 als Controller für Ableton Live am Desktop zu verwenden, gibt es einen USB-C-Slot, über WLAN können Projekte und Samples drahtlos vom Rechner auf den Push oder zurückgeschickt werden. Das eingangs erwähnte Upgrade Kit kostet 999 Euro und erweitert die Controller-Version des neuen Push um CPU, SSD und Akku. Die Installation soll unkompliziert ablaufen und selbst vorzunehmen sein. Mit etwas Glück gibt es bald auch leistungsfähigere CPU-Kits oder Akkus mit längerer Laufzeit, um nachhaltig die Performance des Push 3 zu gewährleisten.

Ableton Push 3 Anschlüsse.

Die Pad-Matrix und MPE

Die neue, MPE-fähige Pad-Matrix des Push 3 ist neben der Standalone-Funktionalität das gravierendste Upgrade von Abletons Hardware-Flaggschiff. MPE steht für MIDI Polyphonic Expression und bedeutet, dass die RGB-Pads auf horizontale und vertikale Bewegungen reagieren und diese in MIDI-Befehle umwandeln. Standardmäßig sorgt das Swipen von links nach rechts für kleinere Pitchbends oder Vibrato Sounds, wird von oben nach unten gewischt, ändern sich Filter-Einstellungen oder sonstige Parameter zur Klangfärbung. Die gründlichste MPE-Integration gibt es bei Abletons neuem Drift Synth, aber auch Wavetable, Sampler, Simpler, der Arpeggiator sowie einige Instrument Racks und Effekte aus der Core Library können über die expressiven Pads in Szene gesetzt werden. Wer genauer wissen will, welche Devices MPE-Kompatibel sind, kann dies in einer Tabelle auf Abletons Homepage nachlesen.

Auch Drum Racks lassen sich per MPE steuern und ermöglichen etwa das Triggern von Open und Closed Hats vom selben Pad oder verschiedene Sound-Abstufungen eines Samples. In Kombination mit dem Note Repeat Feature ergeben sich so herrlich intuitive Spielweisen, um lebendige Drumgrooves zu erzeugen. Abgesehen von Modulationen gemäß waagerechter und senkrechter Bewegungen sind die 64 Pads des Push 3 immer noch Pressure-Sensitive, was für ein dreidimensionales Spielgefühl sorgt. Derartige Expressivität gibt es derzeit bei keinem anderen DAW-Controller, weshalb sich Push 3 mehr denn je wie ein “klassisches” Musikinstrument anfühlt. Als wäre das nicht genug, sind die Pads außerdem miteinander verbunden, sodass Lapsteel-mäßig über die Matrix geslidet werden kann, um Legato-Pitchbends zu spielen. Die Ansprache ist dabei erstaunlich feinfühlig und liefert die smoothesten Ergebnisse, wenn praktisch ganz ohne Druck über die Pads gerutscht wird.

Ableton Push 3 von oben.

Workflow Upgrades

Nicht ganz so flashy, aber durchaus Workflow-fördernd sind die neuen Utility-Implikationen von Ableton’s Push 3. Das neue Jogwheel rechts neben dem Display erleichtert beispielsweise das Blättern durch die vielen Menüs im mittlerweile bekannten Push-Encoder-Stil. Das Rad ist angenehm groß, was schnelles Scrollen erleichtert und ist zusätzlich gerastert, um auch die präzise Bedienung zu begünstigen.

Der Clou ist aber, dass das Wheel auch nach links und rechts getappt werden kann, um in der jeweiligen Ordnerstruktur vor- bzw. zurückzuspringen. Weitere Einsatzbereiche des Jogwheels sind das Editieren von MIDI-Noten innerhalb eines Clips oder die Navigation durch die Clips und Tracks innerhalb der Session-View. Apropos Session-View: Mittels dediziertem Funktionstaster wird Push 3 in die Clip-Ansicht versetzt, welche der DAW Ableton Live ihren Performance-tauglichen Ruf beschert hat.

Extra Buttons fürs Switchen von Devices und Presets sowie der neue Lock Mode für Mute, Solo und Clip-Stop beschleunigen die Arbeit am Push 3 enorm und eignen sich hervorragend für spontane Live-Jams. MIDI-Capture – also das nachträgliche Abrufen von Inputs, bei denen der Record-Taster vergessen wurde – ist jetzt ebenfalls über nur einen Tastendruck erreichbar. Als Bonus gibt es Direktzugriff auf ein expansives Hilfemenü, in dem sich zahlreiche Erklärungen rund um die Funktionalität des Push 3 finden lassen – Standalone durch und durch!

Außerdem wurden die Taster für Duplicate, Double Loop, Delete und Convert auf die rechte Seite verfrachtet, eine Neuerung, über die sich Lefties vermutlich weniger freuen können. Das restliche Layout ist nach dem Motto “never change a running system” identisch zur Push 2. Wer also bereits mit Push gearbeitet hat, wird sich mit der neuen Version schnellstens zurechtfinden.

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Ableton Live Integration

Push 3 kommt mit Ableton Live Intro, also der kleinsten Ausführung der beliebten DAW, und ist kompatibel mit allen Live-Versionen ab 11.3.2. Wer bereits über eine Ableton Live Lizenz verfügt, kann den Push Standalone als weiteres Device mit der Software registrieren. Sowohl Controller- als auch die Standalone-Version basieren auf der Session-Ansicht der DAW und bieten keinerlei Zugriff auf die Arrangement View. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird das auch künftig so bleiben, sodass alle, die mit der klassischen Timeline-Ansicht arbeiten wollen, auf Tastatur und Maus zurückgreifen müssen. Deshalb ist Push 3 eher für Performances und Jams geeignet als zum Produzieren fertiger Songs.

Über die oben erwähnte WLAN-Verbindung lassen sich auf der Hardware entstandene Projekte allerdings im Handumdrehen an die Desktop-Version von Ableton Live schicken, um dort den letzten Schliff vorzunehmen. Während das Hin- und Herschicken von Projekten per Wi-Fi eine runde Sache ist, fällt negativ auf, dass man Samples und Drumracks ausschließlich über WLAN übermitteln kann. Das bedeutet, dass ein spontanes Rüberziehen mittels USB-Stick nicht möglich ist. Außerdem kommt es zu Problemen beim Importieren von Custom-Samples und -Drumracks, weil Ableton Live die verwendeten Sounds nicht mit dem entsprechenden Preset verknüpft. Auch das Browsen durch die Sample Library am Push ist erstaunlich aufwändig, weil es außer Favorites keine Sortierungsmöglichkeiten gibt.

Ein weiterer Nachteil ist, dass man ohne Computer keine 3rd Party Plug-ins verwenden kann und Max for Live Devices nur ohne Jitter, Java und Co. funktionieren. Während die umfassende Integration von Max for Live Plugins asap gewährleistet werden soll, beschränkt sich der Gebrauch von 3rd Party VSTs wahrscheinlich dauerhaft aufs Controller-Setting. Das wahrscheinlich größte Manko ist jedoch der (noch) fehlende User-Mode, über den sich die Bedienelemente des Push 3 frei zuweisen lassen. Zum Glück verfügt Ableton Live über eine riesige Fanbase und dürfte die Mittel und Wege haben, derartige Kinderkrankheiten schnellstmöglich auszumerzen.

Alternativen

Fazit

Push 3 ist der erste DAW-Controller, der sich wirklich wie ein eigenes Instrument anfühlt. Das liegt nicht nur daran, dass dank Standalone auf den sonst obligatorischen Computer verzichtet werden kann, sondern auch an der überaus expressiven Pad-Matrix mit absolut gelungener MPE-Integration. Auch wenn beim Standalone-Betrieb auf 3rd Party Plugins verzichtet werden muss, sind Abletons Stock Devices qualitativ und quantitativ auf einem Level, das andere DAWs-in-a-Box in den Schatten stellt. Mit dem erweiterbaren, integrierten Interface sowie MIDI- und CV-Konnektivität ist Push 3 außerdem die ideale Schaltzentrale für komplexere Hardware Setups, auch ohne Phantomspeisung. Bauchschmerzen gibt es eher, weil Ableton sich die üppige Ausstattung relativ teuer bezahlen lassen. Die knapp 1000 Euro Aufpreis im Vergleich zur Controller-Version für Akku, CPU und SSD sind ziemlich happig, da wären ein paar Adapterkabel auf Fünfpol-MIDI nur fair gewesen. Trotzdem ist Push 3 in Sachen Spielgefühl, Workflow und Ausstattung eine absolute Wucht und empfehlenswert für alle, die das Geld haben und ihre DAW ungern mit Maus und Tastatur bedienen.

Gesamtwertung:
5,0 von 5,0
Qualität:  
5,0 von 5,0
Klang:  
5,0 von 5,0
Preis-Leistung:  
4,0 von 5,0

Pro

Standalone mit allen Ableton Live Stock Plug-ins
MPE Pad-Matrix mit unvergleichlichem Spielgefühl
Integriertes Interface für Sampling und Co.
Nachhaltig dank optionaler Upgrades
Beste “Groovebox” auf dem Markt

Kontra

Keine 3rd Party PlugIns
Keine Arrangement View
Keine Phantomspeisung
Keine MIDI-Adapter im Lieferumfang

Preis:

1899 EUR

Weitere Informationen gibt es auf der Website von Ableton.

Veröffentlicht in Tests und getaggt mit Ableton , Audiointerface , controller , MPE , PUSH , Standalone

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