Das Revival von Vinyl setzt sich unaufhaltsam fort. Auch immer mehr DJs steigen wieder auf das klassische Medium um. Dabei stellt sich einem Einsteiger die Frage nach dem passenden Equipment: Was wird benötigt, um mit dem Auflegen beginnen zu können? Welche Ausrüstung braucht man, um zuhause Platten zu hören? Wir bieten Rat und Hilfe für den Einstieg.

Hi-Fi- oder DJ-Plattenspieler?

Das technische Prinzip der Tonspeicherung auf einer Schallplatte ist über 100 Jahre alt. Der heute noch aktuelle Standard erlebte seine Blütezeit in den 1970er und -80er Jahren. Die Grundlagen des Mediums sind also eigentlich zementiert, was Hersteller von Abspielgeräten nicht davon abhält, diverse Feinheiten bis ins Endlose zu optimieren und zusätzliche Features einzubauen. Bevor der frisch gebackene Besitzer einer Schallplatte sich auf die Suche nach dem passenden Equipment zum Abspielen macht, sind zwei Fragen zu klären und ein Merksatz zu lernen. Will ich DJ oder Hi-Fi-Hörer sein? Welches Budget steht mir zur Verfügung? Und merke: Mit dem Plattenspieler ist es nicht getan. Die finale Audiowiedergabe erfolgt über eine Reihe von Geräten, die zueinander passen müssen.

1. Setup für DJ-Einsteiger

DJs mischen die Musik von Schallplatten ineinander, also brauchen sie wenigstens zwei Plattenspieler und einen Mixer. Dazu benötigt man noch einen Verstärker und einen Lautsprecher, um die gemixte Musik auch hörbar zu machen. Unverzichtbar ist zudem ein Kopfhörer, über diesen wird der nächste Titel vorgehört und in den laufenden Mix eingebunden.

Welcher Plattenspieler?

Neun von zehn DJs werden bei der Frage nach ihrem favorisierten Abspielgerät die Marke Technics nennen, denn: Ein Technics 1210 ist der Inbegriff des DJ-Turntables. Nach einem vorübergehenden Produktionsstopp kann man inzwischen wieder brandneue Technics-Player kaufen. Allerdings kostet bereits die preiswerteste Version knapp 1500 Euro pro Plattenspieler. Auf dem Gebrauchtmarkt kann man theoretisch Geld sparen, allerdings werden in der Regel selbst für ältere Technics-Geräte Stückpreise von etwa 400 bis 500 Euro verlangt.

Der Inbegriff eines DJ-Plattenspieler: Technics

Muss es also ein Technics sein? Stellen wir uns einen Rennfahrer vor. Der trainiert mit einem bestimmten Auto und fährt damit Wettkämpfe. Er kann bestimmt auch andere Fahrzeuge steuern. Aber er wird damit nie so perfekt klarkommen, wie mit seinem eigenen Fahrzeug. Nun muss man wissen, dass in Clubs nahezu ausschließlich Technics stehen. Es muss für zu Hause also kein Technics sein, es ist aber hilfreich mit einem Technics einzusteigen, wenn man später in Clubs auflegen will.

Die Alternativen zu einem Technics sind vielfältig und in allen Preisklassen zu bekommen. Pioneer DJ und Denon DJ haben Plattenspieler für etwa 350 bis 650 Euro im Sortiment, die Flaggschiffe PLX-1000 und VL12 liegen im Bereich 700-750 EUR. Numark's NTX 1000 und Reloop's RP-7000 MK2 bieten sich sogar für günstiger an, beide Marken haben im Budget-Preisbereich einen ordentlichen Ruf. Außerdem gibt es zum Beispiel bei Audio Technica sogenannte "Technics-Nachbauten" für kleines Geld.

Im Gegensatz zu einem Technics haben viele moderne DJ-Laufwerke Zusatzfunktionen. Das beginnt bei exotischen Abspielgeschwindigkeiten, setzt sich über einstellbares Dreh- und Bremsverhalten des Motors fort und endet bei integrierten Vorverstärkern oder USB-Interfaces, für den Anschluss an einen Computer. Für die DJ-Nutzung ist vor allem ein kräftiger Motor mit Direktantrieb wichtig sowie eine gute Entkopplung, um Feedbacks zu vermeiden.

Welcher Tonabnehmer?

Der Tonabnehmer, auch System genannt, ist das klangentscheidende Bauteil mit der Nadel, die die gespeicherten (in das Vinyl gepressten ) Informationen aus der Rille einer Schallplatte ausliest. Ein solches System gehört nicht immer zum Lieferumfang. Erhältlich sind im DJ-Bereich zwei Hauptvarianten des Marktführers Ortofon: sogenannte OM-Systeme, die man an einen Systemträger (Headshell) montiert und die man dann noch einstellen muss. Wesentlich einfacher in der Handhabung sind sogenannte Concordsysteme. Diese werden einfach an den Tonarm angeschraubt. Die Vielzahl angebotener Tonabnehmer wird unterteilt in  elliptischen und sphärischen Nadelschliff. Ersteres gilt als besser für die Soundqualität, bringt aber eine höhere Materialabnutzung mit sich. Zweiteres wird von DJs bevorzugt, da sphärische Nadeln rund geschliffen und somit weniger empfindlich beim Scratchen oder Rückwärtsdrehen sind.

Ein Ortofon Concord System.

Welcher Mixer?

Am Mixer werden eingehende Signale zusammengemischt und als ein einzelnes weitergegeben. Für zwei Plattenspieler genügen zwei Kanäle mit einfacher Klangreglung (Equalizer, Fader). Es gibt aber auch Mixer mit drei, vier oder mehr Kanälen, die zudem unendliche Zusatzfunktionen, wie zum Beispiel Effekte oder eine eingebaute Soundkarte, haben können. Achtet bei der Auswahl auf einen einstellbaren Crossfader, auf eine vernünftige Vorhörfunktion über Kopfhörer, auf eine aussagekräftige Levelanzeige, die Einzelkanäle und Master angibt, und auf möglichst viele und sinnvolle Anschlussmöglichkeiten. Die am häufigsten im Club anzutreffende Marke bei Mixern ist Pioneer, gelegentlich auch Allen & Heath.

Super Mixer zu einem Super Preis: Xone:23

Verstärker, Lautsprecher und Kopfhörer

Nun haben wir zwei Plattenspieler mit einem Mixer verbunden. Um etwas zu hören, braucht es aber noch Kopfhörer bzw. einen Verstärker und einen Lautsprecher. Mitunter wird die heimische Hi-Fi-Anlage zur Wiedergabe genutzt. Schwieriger, aber möglich ist der Anschluss eines DJ-Mixers an eine 5.1 Surroundanlage oder einen Bluetooth-Speaker. Durchgesetzt haben sich aber bei vielen DJs aktive Nahfeldmonitore. Das sind kompakte Boxen mit eingebautem Verstärker, die ursprünglich in Tonstudios eingesetzt wurden und die deshalb ein relativ neutrales Klangbild haben. Beliebt sind Marken wie KRK oder ADAM. Der DJ-Kopfhörer schlechthin ist der HD25 von Sennheiser, für den Anfang tut es aber auch jeder andere Kopfhörer. Da es hauptsächlich um Kontrollhören geht, ist die Soundqualität erstmal zweitrangig. Wichtiger ist besonders bei längeren DJ-Sessions der Tragekomfort. Weiteres erfahrt ihr in unserem Kopfhörer-Überblick.

Beliebte Aktivmonitore: KRK ROCKIT

2. Setup für Hi-Fi-Plattenspieler

Will man nicht "Auflegen", sondern nur zu Hause Schallplatten anhören, bieten sich zwei Möglichkeiten. Einmal könnte man aktuelle Geräte, wie eine Reloop PR7000 oder einen Pioneer PLX500 kaufen, die featureseitig auf der Höhe der Zeit sind. In diesem Bereich findet sich für jedes zur Verfügung stehende Budget ein passendes Angebot. Man könnte aber auch gebrauchte Geräte aus der Hochzeit der Schallplatte über eBay oder ähnliche Plattformen erstehen. Da gibt es unter Umständen für 50 Euro einen Player, der seinerzeit das Vielfache in DM gekostet hat und der einen stylischen Retro-Charme ausstrahlt. Der Nachteil: es gibt keine Garantie mehr.

Moderne Plattenspieler

Ganz einfache Plattenspieler gibt es mitunter beim Discounter oder sogar im Baumarkt. Kann man zwar kaufen, zu bevorzugen ist jedoch der Fachhandel, wo zum Beispiel die österreichische Marke Pro-Ject grundsolide Player anbietet. Je spezialisierter der Fachhändler ist, desto preisintensiver ist sein Angebot. Und die Grenze zwischen Physik und Voodoo ist in solchen Läden schon mal fließend.

Minimalismus ist Trumpf: PRO-JECT Player

Bei aktuellen Plattenspielern finden sich häufig Features, wie zum Beispiel ein USB-Anschluss, um Platten digitalisieren zu können oder eine Signalausgabe auf Line-Level oder über Bluetooth gewährleisten zu können. Das ist sinnvoll, da heutzutage viele Endgeräte oder Verstärker keinen speziellen Phono-Eingang besitzen.

Riemen oder Direktantrieb?

Im Gegensatz zu den DJ-Plattenspielern werden viele Hi-Fi-Player nicht direkt, sondern über Riemen angetrieben. Dass es sich beim Riemenantrieb um ein Manko handelt, ist ein in die Welt gerufenes und gern wieder aufgewärmtes Vorurteil. Plattenspieler mit Riemenantrieb eignen sich lediglich aufgrund des länger dauernden Anlaufs nicht für DJ-Aktionen. Im Hi-Fi-Bereich ist ein Riemenantrieb wegen der Entkopplung vom Motor die häufiger gewählte Lösung. Dazu kommt ein gewisser Drang zum Purismus, der sich bei zahlreichen Modellen im betonten Design der Kraftübertragung vom Motor auf den Plattenteller spiegelt.

Technischer Exkurs

Normalerweise gibt ein Plattenspieler ein sehr leises Signal aus. Dieses Signal wird dann über einen Vorverstärker im eigentlichen Verstärker (Phono-Eingang) oder über einen im Plattenspieler verbauten Vorverstärker (Line-Level) angehoben. Hat man weder am Verstärker noch im Plattenspieler eine Vorverstärkung, muss man einen Vorverstärker (Preamp) zwischenschalten. Diese Aufgabe erfüllen Geräte für bereits 25 Euro. Es gibt aber auch Vorverstärker für mehrere tausend Euro.

Kosten zwischen 20 und 6000 EUR: Phono-Preamps

Auch beim Hi-Fi-Plattenspieler benötigt man einen Tonabnehmer. Hier unterscheidet man, je nach Arbeitsweise, zwischen MM (Moving Magnet) und MC (Moving Coil). Ohne zu sehr ins Detail zu gehen: MM-System sind verbreiteter und preiswerter, MC-Systeme finden sich im High-End-Bereich. Sie benötigen zudem einen speziellen Vorverstärker. Im HiFi-Sektor gibt es neben sphärischen und elliptischen noch anders geschliffene Nadeln. Das wird aber erst ab einem höheren Preislevel beachtenswert. Für Einsteiger wird häufig eine elliptische Nadel zum Plattenhören empfohlen. Beim Kauf sollte man die Kostenbalance zwischen System und Player beachten. Ein Plattenspieler für 79 Euro mit 200-Euro-Nadel ist ebenso unpassend, wie ein 1000-Euro-Player mit 19-Euro-Nadel. Das betrifft natürlich ebenso die weitere Klangkette.

Gebrauchte Plattenspieler

In den 80er Jahren wurde von den Herstellern viel unternommen, um den Plattenspieler gegen die aufkommende CD zu rüsten. Rein über den Klang ging da wenig, aber am Komfort - Stichwort Vollautomatik - wurde gefeilt. Dazu kam natürlich die Optik. Feinste Holzgehäuse sollten sich harmonisch ins Wohnambiente einfügen. Diese Geräte, die damals einen vierstelligen Preis hatten, gibt es heute mit etwas Glück als Schnäppchen bei eBay. Ich habe z. B. einen Dual CS5000 für 200 Euro geschossen, den ich mit einem älteren Kenwood-Verstärker (150 Euro) und passenden Boxen von Coral (200 Euro) betreibe. Dazu kommt noch ein Ortofon 2M Red System, was in der Summe etwa 650 Euro macht. Dafür gibt es eine durchaus annehmbare Klangkette in amtlichem Retrodesign. Neben den Ohren werden dabei auch noch die Augen bedient.

Fazit

Es muss kein Technics sein, auflegen lässt sich mit jedem Plattenspieler. Wichtig sind die weiteren Komponenten der Klangkette und deren Ausgewogenheit im Rahmen des zur Verfügung stehenden Budgets. Im Hi-Fi-Bereich sind ältere, gebrauchte Geräte eine interessante Alternative zu aktueller Neuware.

Ein Kommentar zu “ Plattenspieler: Setup für DJ-Einsteiger ”

  1. Sehr interessanter und informativer Artikel. Finde es auch nett, dass bei Alternativen zu den bekannten Technics Plattenspieler Pro-Ject erwähnst. Die Dinger kommen nämlich sogar aus Österreich (Hergestellt wahrscheinlich nicht in Österreich), was das ganze sehr interessant macht, besonders mit dem minimalistischen Design 🙂

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